Über die Totenbeschwörerin von Endor

Übersetzung von
A Letter concerning the Sorceress to Bishop Theodoxios

In seinem Brief an Bischof Theodoxios gerichteten Brief schrieb der hl. Gregor von Nyssa:

[Christus] sagt zu seinen Jüngern: „Suchet und ihr werdet finden“ (Mt. 7,7). Das ist, Er will sich offenbaren sowohl denen, die eifrig suchen in Übereinstimmung mit Seinen Geboten und den Personen, die nach verborgenen Geheimnissen des Glaubens suchen. Der dieses Versprechen gab lügt nicht, denn Er hat uns reich überhäuft mit der Pracht Seiner Güter, die all unsere Bittgebete übersteigen. Daher, „fahre fort mit Vorlesen“, mein Sohn Timotheus (1. Tim. 4, 13). Es ist, glaube ich, angemessen über deine Güte zu sprechen, als du die Worte des großen Paulus verwendetest, daß der Herr dir in allen Dingen Verstand gebe (2. Tim. 2, 7). In dieser Weise wirst du reich sein bei jedem Wort und in allem Wissen (1. Kor. 1, 5). Erlaube mir nun deinem Anliegen beizustehen, denn ich habe erwogen einige Worte vorzubringen betreffend dessen, was der Herr dir empfohlen hatte. Auf diese Weise magst du lernen, daß wir einander durch die gegenseitige Erfüllung des Willens dienen sollen.

Nachdem ein richtiges Verständnis von Samuel derzeit sehr wichtig ist, will ich, mit der Hilfe Gottes und soweit es meine Fähigkeiten erlauben, nun einige wenige Worte vorbringen. Einige unserer Vorgänger wollten die Beschwörung Samuels [von den Toten] als echt erwägen. Auch deshalb vertraten sie ihre Meinungen zu dem Thema, weil er traurig über Sauls Zurückweisung war (1. Sam. 15, 35). Samuel flehte den Herrn beständig, „Verzeihst Du die Hexenkunst die Saul dem Volk untersagte, weil damit die Leute betrogen wurden?“ Deswegen war der Prophet sehr verärgert darüber, daß die Leute einer zurückgewiesenen Person den Vorzug vor dem Herrn gegeben hatten. Sie [d.h. einige unserer Vorgänger] behaupteten Gott habe das magische Beschwören der Seele des Propheten erlaubt. So mochte Samuel die Falschheit erblickt haben, die Gott ihm zuschrieb, weil er sich entrüstet darüber zeigte, als Zauberei seine Seele herauf beschworen hatte.

Als nächstes wende ich meine Aufmerksamkeit dem im Evangelium erwähnten Abgrund [ Lk. 16, 26 ] zu, von dem gesagt wird, daß der Patriarch [Abraham] ihn zwischen den bösen und guten Personen aufgetan habe. Genauer, der Herr des Patriarchen sagte, daß die Verdammten nicht zu der Ruhe der Heiligen hinüber gelangen können und die Heiligen nicht zu diesen herüber können. Ich halte die Meinungen bezüglich dieser Sache für unwahr; vertraut werden sollte nur dem Evangelium. Nachdem Samuel groß unter den Heiligen war und Hexerei böse ist, glaube ich nicht, daß derjenige, der in [des Patriarchen] Ruhe war, den Abgrund überqueren gekonnt hätte, den die Unfrommen nicht überbrücken konnten, ob sie es wollten oder nicht. Der Teufel konnte somit nicht einfach den Abgrund überqueren und die Heiligen ihrer Heiligkeit berauben; das zu tun war ihm nicht möglich und er konnte niemandem das Böse unterschieben, der es nicht wollte. Denn eine im Guten gegründete Person kann nicht zum Bösen übergehen; selbst wenn eine Person das tun wollte, der Abgrund erlaubt es nicht.

Was ist dann unsere Meinung zu diesen Sachen? Der allgemeine Feind, der der menschlichen Natur feindlich gesonnen ist, beobachtet den Menschen mit äußerster Aufmerksamkeit. Was sind das für Begebenheiten, in denen ein Mensch einen anderen schlägt und ihn dadurch des lebenspendenden Gottes beraubt und ihn der freien Zerstörung überläßt? Personen, die in den Körper vertieft sind und Wissen über die Zukunft erlangen wollen, wodurch sie dem Bösen zu entkommen oder dem Glück nachfolgen zu hoffen, ziehen Gott nicht in Betracht. Dämonen ersinnen in ihrer Heimtücke viele Wege [um solche Unbesonnenen zu betrügen]: Omen, Vergöttlichungen, Riten zur Geisterbeschwörung, Ekstasen, Besessenheit, Inspirationen und viele andere Tricks. Jede Vorahnung wird als wahr angenommen, aber das Ergebnis der Täuschung enthüllt den hinterlistigen Dämon, weil die Person eine falsche Meinung mit einer richtigen verwechselt hat.

Zudem ähnelt der Teufel einem Adler im Flug. Er beobachtet uns genau, um alle Hoffnung zunichte zu machen und alle Erwartungen, die wir haben mögen; er will uns reizen bis uns die Ohren jucken und unsere Aufmerksamkeit ablenken. Der übelwollende Teufel übermittelt diese Zeichen an Personen, die er durch so eine genaue Beobachtung getäuscht hat. Und so ist Dämonen-Verehrung ein Weg um den Menschen von Gott abzuwenden, weil sie glauben daß Dämonen für diese Taten verantwortlich sind.

Eine dieser Täuschungen ist Zauberei [eggastrimuthos], eine Form der Magie, bei der geglaubt wird, daß dahin geschiedene Seelen zur Belebung gebracht werden. Als daher Saul verzweifelt auf eine Rettung vor den ausländischen Stämmen sann, suchte er die Befreiung durch Samuel (1. Sam. 28, 4-5). Sobald der Teufel die Frau betrogen hatte, indem er freundlich zu ihr war und ihre Zauberei benutzte, nahm er viele dunkle Formen an. Er zeigte sich jedoch nicht dem Saul; die durch die Zauberei der Frau herbei beschworen Phantome waren nur für sie sichtbar. Zuerst machte der Dämon seine Erscheinung glaubwürdig und verborg seine wahre Person. Das verwunderte Saul, weil die betrogene Frau nicht um die wahre Macht der Zauberei wußte. Wegen ihrer Unwissenheit behauptete sie, sie habe Gott aufsteigen sehen und ein mit doppeltem Mantel bekleideter Mann stand da.

Wie kann der genaue Text mit den historischen Geschehnissen zusammen passen? Wenn Samuel wirklich eine Vision ist, dann sieht der Zauberer tatsächlich Götter. Die Schrift sagt über Dämonen die Götter sind, „Alle Götter der Völker sind Götzen“ (Psalm 96, 5). Sollen wir die Seele Samuels mit den Dämonen gleichsetzen? Natürlich nicht. Aber alle Macht die dämonischer Zaubererei gehorcht und die anderen Geister, die der betrogenen Frau verbunden waren, haben Saul tatsächlich irregeleitet. Sie aber beschwor die Dämonen mit ihrer Zauberei herauf, das ist die Form nach der Saul die simulierte Stimme [Samuels] gesucht hatte. Auch die von der Frau ausgestoßene Erwiderung des Geistes der Prophezeiung schien eine Erwiderung auf die Erscheinung zu sein. Der Dämon tadelte [Saul] und wollte ihn nicht die Wahrheit wissen lassen: „Morgen wirst Du und Johanthan bei mir sein“ (1. Samuel 28, 19). Wäre das wirklich Samuel gewesen, wie könnte er mit dem Bösen in Verbindung gebracht werden? Es ist klar, daß anstelle Samuels der böse Dämon erschien und sagte, daß Saul bei ihm sein werde.

Wenn die Schrift zeigt, daß es Samuel war, der sprach, sollten wir das richtige Verständnis des Textes nicht ändern; sondern im Kopf behalten, daß die Schrift diese Worte für alle enthält, die glauben es war Samuel [der spricht]. Wir haben gelernt, daß die Schrift oft etwas Offensichtliches erzählt anstelle dessen, was real ist. Zum Beispiel bezüglich Bileam: „Daß ich erfahre, was der HERR mit mir reden wird“ (4. Mose 22,19). Später erkannte Bileam, daß er Gott nicht gefiel, als er die Israeliten verfluchte: „Er ging nicht wie es seine Angewohnheit war auf Omen aus“ (4. Mose 24,1). Denn es war vermessen, daß Bileam dachte, er könne mit dem wahren Gott reden. Die Schrift zeigte weiter, daß Bileam den wahren Gott mit seinen Gedanken über ihn verwechselte. Deswegen hatte der Dämon, der als Samuel erschien und dessen Worte vortäuschte, auf schlaue Weise eine Prophezeihung imitiert.

Eine Untersuchung bezüglich Elias ist nicht notwendig, weil du ihn nicht erwähnt hast. Gott gebot ihm von dem Bach zu trinken (1. Kön. 17, 4) und wies ihn heimlich an das Urteil des Propheten gegen die Israeliten zurückzunehmen. [Elias] trank allein von dem Bach, der später austrocknete. Er hatte keine andere Möglichkeit seinen Durst zu stillen, weil [Gott] seine Forderung nach Regen ablehnte, aber der Bach versorgte ihn weiter mit Wasser. Auch Raben dienten dem Propheten indem sie Essen lieferten, ein Beispiel das der wahre Gott nutzte, um zu zeigen, daß viele Personen auf seine Hilfe vertrauen. Diese Raben brachten kein verunreinigtes Brot oder Fleisch von einem Götzenopfer. Unfromme Personen bedienen sich Möglichkeiten wie dieser wie wir es bei dem Versuch sehen, Elias betrügerisch zu überzeugen, denn es ist nicht gerecht jemanden eine Bestrafung zukommen zu lassen der nach Gott sucht. Wenn ihn am frühen Morgen Brot gebracht wird und Fleisch am Abend, so symbolisiert dieses Beispiel geheimnisvoll die Begeisterung für das tugendhafte Leben. Wir sollten den frühen Morgen betrachten, bezogen auf den Anbeginn eines Lebens gemäß der Tugend. So können wir Paulus leicht verstehen, wenn er von etwas Vollkommenerem spricht, das denen zukommt, die vollkommen sind: „Feste Speise ist für die Vollkommenen, die durch den Gebrauch geübte Sinne haben“ (Hebr. 5, 14).

Du läßt bist nicht unwissend über Moses Schleier, zu dem ein Verweis in der Epistel Pauls an die Korinther gefunden werden kann (1. Kor. 3, 13-18).

Bezüglich der Opfer magst du die Informationen mit einer sorgfältigeren Untersuchung des gesamten Buches Levitikus finden und indem du dir das dort enthaltene Gesetz vergegenwärtigst. So magst Du den Teil [des Textes] zusammen mit dem Gesamten verstehen, denn dieser Teil kann nicht eindeutig vom Rest des gesamten Textes unterschieden werden.

Deine Fragen zur Macht des Bösen bieten keine klare Lösung, weil die Engel nicht mit diesem Erzengel verbunden sind, der ein Abtrünniger wurde. Eine Armee in der Aufstellung zur Schlacht bedarf einer Führung. In dieser Weise ist die Frage in Bezug darauf wie einer bei den vielen teilnehmen kann gelöst, denn Soldaten die ihrem Führer abtrünnig geworden sind, haben zu der vorliegenden Sache eine gewisse Haltung.

Schließlich, senden wir dir zur Ehrerbietung, mit Gottes Hilfe, unsere Folgerung (ich meine bezüglich der Sache wodurch der Geist vor der Taufe präsent ist) die weitere Reflektionen und Gedanken in Bezug auf den Text enthält.

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