Der Antichrist

Übersetzung von
„The Antichrist“ by The Very Reverend Archpriest Boris Molchanoff

Der Herr Jesus Christus sagt, „ich werde meine Kirche errichten, und die Pforten der Hölle sollen sie nicht überwältigen.“ (Mt. 16, 18). Was kennzeichnet die Pforten der Hölle?

Die Juden hatten die Angewohnheit sich unter der Führung ihrer Ältesten an den Stadttoren zu treffen, um politische, rechtliche und gesellschaftliche Fragen zu diskutieren. Diese Treffen waren die letzte Berufung bei allen Rechtsstreitigkeiten und hier wurden alle göttlichen Gebote verkündet. Sie waren ausgestattet mit definitiver Autorität über das Volk. Diese jüdische Gewohnheit von Treffen bei den Stadttoren wird im Buch Ruth erwähnt (4, 1-11). In der Beschreibung der tüchtigen Hausfrau in Buch der Sprüche (31, 23) heißt es: „Ihr Mann ist bekannt in den Toren, wenn er sitzt bei den Ältesten des Landes.“ Er genießt das Vertrauen der Gesellschaft und sie nimmt aktiv Teil bei wichtigen Treffen (Prof. V.V. Bolotov).

Die „Pforten der Hölle“ stehen nicht nur für die Kräfte der Hölle, sondern auch für den Generalstab der Macht der Hölle. Dessen wichtigste Beratung ist die Entwicklung eines Plans für einen allgemeinen Krieg gegen die Kirche. Die Kirche und die Hölle werden als zwei Kriegsmächte dargestellt. Und in diesem Krieg gegen die Hölle wird die Kirche, nach den Worten Christi, unbezwingbar bleiben.

Der höllische Kriegsplan gegen die Kirche wird in der Heiligen Schrift als „Geheimnis der Bosheit“ (2. Thess. 2, 7) bezeichnet. Die Bosheit hat seit Jahrhunderten gewirkt und wird ihren Gipfel mit der Erscheinung des Antichristen erreichen (2. Thess. 2, 8). Der Antichrist kann nur als Ergebnis eines allgemeinen Glaubensabfalls kommen, das ist die Entsagung der Völker von Gott und Seinen Wegen, wenn Gottes Gnade sich den Völkern entzieht.

„Aber gegen Ende ihrer Herrschaft, wenn die Frevler überhand nehmen, wird aufkommen ein frecher und verschlagener König.“ (Daniel 8, 23)

„Der Böse aber wird in der Macht des Satans auftreten mit großer Kraft und lügenhaften Zeichen und Wundern …“ (2. Thess. 2, 9)

Alle Bosheit in ihrer größten Stärke, die die menschliche Natur annehmen und aushalten kann, wird in der Person des Antichrist konzentriert sein. Tausende von Jahren brauchte es zur Entwicklung und Vollendung eines menschlichen Samen, der benötigt wurde, um in der Person der Höchst Gesegneten Jungfrau die am reinsten und perfekteste Frucht des Baums der Menschheit zu empfangen. Vergleichbar damit wird das Aufkommen der am verkommensten Frucht, die alle satanische Niedertracht in sich tragen kann, eine ganze Linie menschlicher Generationen erfordern, in Richtung auf die größte Bösartigkeit und Beschmutzung der menschlichen Natur, aus wahnsinnigem Hasses gegen Christus und Krieg gegen Seine Kirche. „Man kann sagen“, sagt Prof. Beljajew, „daß angeborene und erworbene Bosheit sich in der langen Linie der Vorfahren des Antichristen allmählich ansammelt, bei jeder neuen Generation weiter gegeben wird und dann im Antichristen ein Maß an Kraft erreichen wird, wie es die menschliche Natur nur enthalten, enthüllen und aushalten kann. Das in der Menschheit lebende Böse wird in ihm die äußerste Grenze seiner Entwicklung entwickeln.“ (Godlessness And The Antichrist, Vol. 1. p. 193).

Natürlich steigt in dem Maß, in dem das Böse im menschlichen Willen an Stärke zunimmt, auch die diabolische Umtriebigkeit im Menschen, weil der Teufel damit größeren Zugriff auf die menschliche Seele erlangt. Sowie der persönliche Wille des Antichristen und seine Verderbnis die Grenze des größten Wachstums erreichen, so wird auch die Verbindung des Teufels zu ihm die Grenze zum Maximalen erreichen, was sich darin ausdrückt, daß in der Person des Antichristen der Teufel unausgesetzt aktiv ist. „Gott“, sagt der hl. Johannes von Damaskus, „der die Verkehrtheit seines künftigen Willens [des Antichristen] vorausweiß, gestattet dem Teufel, in ihm zu wohnen.“ („Genaue Darlegung des orthodoxen Glaubens“, Buch IV, Kapitel 26) Der hl. Kyrill von Jerusalem lehrt das selbe. (Teaching, V. 14). Der hl. Andreas von Kessary sagt, daß der Antichrist „aus dem trübseligsten und entferntesten Land auf Erden kommen wird, zu dem der Teufel verbannt wurde.“ (Interpretation des 11. Kapitels der Apokalypse, Kapitel 30) Der gesegnete Theodore schreibt, „des Menschen Feind, gehüllt in eine menschliche Natur, Gottes Widersacher, der Dämon, wird den Namen Gottes an sich reißen, wird vor dem Kommen Christi in der Welt erscheinen.“ („An Exact Exposition Of Divine Dogma“, chapter 23, printed in „Christian Readings“, 1844, Chapter IV, page 355.) Laktancy, Gezihy von Jerusalem und der Gesegnete Heronim nennen den Antichrist den Sohn Satans.

Nach übereinstimmender Lehre der Kirchenväter wird das Leben des Antichristen nicht einen Moment kennen, der frei von satanischem Tun wäre. Es muß bereits zur Geburt und schon bei der Empfängnis erscheinen, seltsam und außergewöhnlich in seiner Verdorbenheit. „Von einer geschändeten Jungfrau wird seine Waffe [die des Teufels] geboren werden“, sagt der hl. Ephräm der Syrer. Das wird auch vom hl. Johannes von Damaskus bestätigt. „Ein Mann (der Antichrist) wird aus Unzucht geboren.“

Die Kirchenväter Iriney („Against Heresy“, Book V, chapter 30), Ippolit (Legends about Christ and the Antichrist) und ebenso Ilariy, Ambrosius, Ieronim und Augustus, merken an, daß der Antichrist von jüdischer Herkunft sein wird, vom Stamm Dan.

In der Synaksare, angegeben in der Woche des Großen Fastens ohne Fleisch, lesen wir, „der Antichrist wird kommen und geboren werden, wie der hl. Hippolyt von Rom erklärt, von einer verdorbenen Frau und selbst ernannten Jungfrau, die von den Juden ist, vom Stamm Dan. (Lenten Triod) Solche Hinweise Gottes Wort haben verschiedene Grundlagen:

  • In der Prophezeihung des Patriarchen Jakob über jede seiner Söhne, die zu Stammvätern der Stämme Israels werden, wird das Los von Dan in einer Weise dargestellt, daß es nur dem Antichristen zugeschrieben werden kann. „Dan wird eine Schlange werden auf dem Wege und eine Otter auf dem Steige …“ (1. Mose 49, 17)
  • In den Prophezeihungen des Hieronymus: „Von Dan selbst …“ (Ierenim VIII,16)
  • In der Prophezeihung der Apokalypse, wo die Verbliebenen aller Stämme Israels aufgezählt werden, die vom Engel der Erlösung versiegelt werden, ist der Stamm gänzlich ausgeschlossen (Offb. 7, 4-8)
  • Nach den Lehren der Kirchenväter wird der Teufel, zur Erhöhung des Antichrist, dessen Kommen all die Zeichen des Kommens von Gottes Sohn auf die Erde verleihen. (See St. Cyril of Jerusalem, the 150th catechistic word; St. Ephrem the Syrian, the 39th word, in the Russian translation Blessed Theodore, „A Short Exposition of Divine Dogma“, Chapter 23, St. Ippolit, „The Legends of Christ and the Antichrist“)

Freilich werden solche Ähnlichkeiten des Antichristen zu Christus nur äußerlich und dem Wesen nach betrügerisch sein, denn das ganze Leben und alle Taten des Antichristen werden eine erregte und blasphemische Revolte gegen Christus und Seine Kirche sein. Diese falsche äußerliche Ähnlichkeit zu Christus wird sich schon bei der Geburt des Antichristen zeigen. Christus wurde von einer Jungfrau geboren, der Teufel wird seine Waffe in einer Jungfrau schmieden, von keiner reinen Jungfrau aber, sondern von einer mit allen Lastern und satanischem Unrat erfüllten. Und so wie der Herr bis zum 30. Lebensjahr im Verborgen blieb, so wird der Antichrist, wir nehmen das an, bis er Dreißig ist in heimlicher Abgescheidenheit und Verborgenheit bleiben. Wie Christus Seinen Werk der Erlösung mit Predigten Seiner Göttlichen Lehre und Wundern begann, so wird der Antichrist seinen gänzlich zerstörerischen Dienst mit Täuschungen der Menschen, mit seiner falschen Lehre und mit unglaublich schändlichen, betrügerischen Wundern beginnen. So wie es dem Herrn zukam Sich allen Menschen als der Messias zu zeigen, indem er in Jerusalem einzog und in dessen Tempel, so wird sich der Antichrist als der falsche jüdische Messias zeigen, der Monarch über den Nationen, bei seinem feierlich zeremonischen Betreten Jerusalems und seiner Besteigung des Thrones von Jerusalem, der zu dieser Zeit wieder errichtet sein wird.

Der Einzug des Herrn nach Jerusalem, sagt Erzbischof Innokenty von Herson, war „für alle Juden eine nationale Deklaration, daß Jesus Christus der echte Messias war. Der unanfechtbare Beweis dafür sind Seine eigenen Worte, die er vor den Toren Jerusalems sprach: „Wenn doch auch du erkenntest zu dieser Zeit, was zum Frieden dient! Aber nun ist’s vor deinen Augen verborgen.“ (Lk. 19, 42) „Mit diesem Tag, mit der Zurückweisung des Messias, war das Schicksal der israelitischen Nation für ewig entschieden.“ („The Last Days on Earth of Jesus Christ“)

An dem Tag, an dem der Antichrist als falscher Messias Jerusalem betritt, wird das Schicksal seiner Zeitgenosssen für immer und unwiderruflich entschieden sein. Gesegnet sind diejenigen, die an dem von Gott für die Selbstbestimmung der Völker gegebenen letzten Tag, den Antichrist als Satans Diener sehen und die unentrinnbare Gefahr für alle Menschen, die ihn anerkennen. Schließlich, so wie der Herr Sich Selbst der Welt offenbarte und Seinen Dienst als Prophet als König und Hohepriester erfüllte, so wird der Antichrist alle dreifache Macht in seinen Händen vervollkommnen und seinen zerstörerischen Dienst als Menschheitslehrer abschließen, als der Monarch einer internationalen Monarchie und als der Höchste Primat aller Religionen, und dabei seine Verehrung als Gott fordern.

Das ganze Leben und die Tätigkeit des Antichristen können in drei Perioden unterteilt werden:

Die ERSTE PERIODE des Antichristen vom Tag der Geburt bis zu dem Moment seines gesellschaftlichen Erscheinens wird in heimlicher Verbergung vor sich gehen. Der hl. Johannes von Damaskus sagt, daß der Antichrist „in der Verborgenheit aufgezogen“ wird. (Genaue Darlegung des Orthodoxen Glaubens, Buch IV, Kapitel 26.)

Die ZWEITE PERIODE des Lebens des Antichristen wird eröffnet von seinem donnernden Auftreten auf der Weltbühne in der Rolle eines universalen Lehrers oder „Propheten“. Sehr wahrscheinlich wird er seine Aktivität während eines Weltkrieges beginnen, wenn die Menschen beim Erdulden all seiner Schrecken keinen Ausweg mehr aus der verhängnisvollen Sackgasse sehen. All die verborgenen Hebel zur Lösung werden in den Händen einer geheimen Gesellschaft sein, die dem Antichristen assistiert.

Der Antichrist wird ein höchst erfolgreiches Projekt zur Lösung der Weltkrise aus der Sicht politischer und sozialer Weisheit anbieten, das eine einheitliche politische und soziale Ordnung in der ganzen Welt errichten würde. In ihrer Erschöpfung vom Schock des Krieges wird die geistig erblindete Menschheit nicht nur übersehen, daß dieses Projekt eine gemeine Falle ist, mit der er sie in die erniedigendste und gnadenloseste Sklaverei verführt, sie wird es sogar als eine Manifestation von Gelehrtheit und Genialität anerkennen.

Eine Welle allgemeiner Werbung für den Antichristen als einem brillianten Denker, neuen Führer und Retter der Menschheit wird in kürzester Zeit donnernd über alle Nationen hinweg rollen. „Die im ganzen Universum verstreuten bösen Geister werden eine allgemeine, aufgeblähte Meinung über den Antichristen im Menschen wachrufen, einen allgemeinen Enthusiasmus und eine unwiderstehliche Anziehung zu ihm.“ (hl. Ephräm der Syrer, 16. Wort.)

In dieser Periode seiner Aktivität wird der Antichrist keinerlei Gewalt anwenden und menschliches Vertrauen und Zuneigung für seine trügerische und verlogene öffentliche Maske der Tugend zu gewinnen versuchen. Er wird, gemäß der Worte von Wladimir Solowjow, „einen gleißenden Schleier aus Güte und Wahrheit über das Geheimnis der Bosheit zu werfen.“ „Er wird kommen“, sagte Ephräm der Syrer, „in einem Bild das jeden verführen wird. Er wird kommen als jemand bescheidenes, nettes, und jemand der alle Falschheit haßt (so wird er über sich reden), als jemand der alle Götzen ablehnt, der Frömmigkeit und Freundlichkeit den Vorzug gibt, der die Armen liebt, der besonders angesehene Eigenschaften mit sich führt, beständig, lieblich zu jedem, und besonders die jüdische Nation respektiert, weil sie sein Kommen erwartet … Er wird schlaue Maßnahmen ergreifen um jedem zu gefallen, wird keine Geschenke annehmen oder in Groll sprechen, wird keine übersteigerte Haltung zeigen, sondern die Welt mit einem anständigen Äußeren ködern bis er inthronisiert ist. (Siehe vorheriges Zitat)

Aus dem großen Reichtum asketischer Erfahrung unserer großartigen Menschen des Podvig wissen wir, daß wenn der schwarze Teufel den Asketen nicht überwinden kann, weil der ihm unerschütterlich entgegen tritt, dann kommt ein stärkerer Teufel als ein „Engel des Lichts“ (2. Kor. 11, 14), der in dem Asketen Sympathie und Vertrauen für sich erwecken will, um ihn dann in die Zerstörung zu bezaubern. Wir können uns daher vorstellen wie leicht und schnell das helle Bild des Antichristen allgemeine Sympathie auf sich ziehen wird, nach dem dreckigen Teufel des Bolschewismus.

Als Ergebnis solch eines Betruges, „wird das Bedürfnis zur Einladung des Antichristen erwachen“ im ganzen Temperament des menschlichen Geistes. „Eine winkende Stimme wird in der menschlichen Gesellschaft widerhallen, und den dringenden Bedarf nach dem Genie aller Genies anmelden, der das höchste Maß an materieller Entwicklung und Wohlstand hervorbringt und den Überfluß auf Erden schafft.“ (Bishop Ignatius Brianchaninoff. Vol IV, page 313.)

Die Verlogenheit des Antichristen in dieser Periode wird den Punkt erreichen, daß er sogar bei seiner Beziehung zu Christen sich ihnen nicht entgegen stellt, sondern ihnen eher als bereitwilliger Wohltäter erscheint. Er wird versuchen Christus in der äußerlich auffallenden Seite des Lebens zu imitieren. Die Mehrzahl der Christen, die nicht von der geistigen Weisheit der Kirche geleitet sind, sondern von der weltlichen Weisheit, werden diesen Betrug nicht erkennen, sondern im Antichristen den Christus sehen, der ein zweites Mal auf die Erde kommt. Die Mönche des Solowezki-Klosters geben die Antwort weiter, die der Rechtschaffene Zosimus seinen Schülern gab, als er gefragt wurde, wie man den Antichristen erkennen kann. Der Rechtschaffene Zosimus sagte, „wenn ihr hört, daß Christus auf Erden erschienen ist, dann wißt, daß das der Antichrist ist.“ Das ist die präziseste Antwort. „Die Welt oder die Menschheit wird den Antichristen nicht erkennen, sie wird Christus in ihm sehen und ihn zu Christus erklären.

Explore posts in the same categories: Patristik

One Comment - “Der Antichrist”


  1. […] Man kann auch nicht von einem jüdisch-christlichen Erbe sprechen, wenn man Antijudaismus mit Antisemitismus gleichsetzt. Wer diesem Muster folgt, der legt dieses Erbe in jüdische Hände. Nach kirchlicher Auffassung ist einzig die Kirche Jesu Christi das von Gott geliebte Israel. Diesem Israel der Verheißung gehören Menschen aus allen Völkern und Nationen an. Wem das Kopfschmerzen bereitet, der hat mit dem Christentum nichts am Hut und ist faktisch antichristlich. […]


Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s


%d Bloggern gefällt das: