Zur Ungerechtigkeit geschichtlicher Wirklichkeit

Die Podiumsdiskussion zwischen Karlheinz Weißmann und Michael Stürzenberger beim zwischentag hat den tiefen Bruch zwischen den Lagern von PI-News und Sezession offenbar werden lassen. Manfred Kleine-Hartlage hat nicht ganz Unrecht, wenn er von Islamkritikern und Liberalismuskritikern spricht. Nur verdeckt er damit den Hintergrund der Bruchlinie.

Zwischen diesen beiden Lager liegt das, was der Grünen-Politiker und ehemalige Außenminister Joschka Fischer mit Auschwitz als dem Gründungsmythos der Bundesrepublik Deutschland meinte. Gehen Stürzenberger die Argumente aus, dann sucht er Zuflucht bei diesem Joschka Fischer. Als Folge davon scheitern er und sein Lager an einer positiven Bestimmung der deutschen Identität. Diese positive Bestimmung liegt wiederum dem Lager um Weißmann am Herzen. Aus deren Ablehnung des Liberalismus folgt eine gewisse Duldsamkeit dem Islam gegenüber, die allerdings Potenzial für eine realistische Sicht auf die gesellschaftlichen Herausforderungen birgt. Daß das Lager um Weißmann diesen Gründungsmythos nicht propagiert, führt zum Vorhalt des Antisemitismus.

Auschwitz als Gründungsmythos ist unbrauchbar, weil diese antideutsche Sinnstiftung dazu führt, daß uns Deutschen die Schuld für die Gewalttaten moslemischer Straftäter an heute in Deutschland lebenden Juden und jüdischen Einrichtungen gegeben wird (Aufstand der Anständigen). Der einzige Ausweg aus diesen falschen Schuldzuweisungen besteht in einer sorgsam kritischen Hinterfragung dieses Gründungsmythos. Worauf es ankommt ist eine Zurückweisung dieses Mythos, die keinen Antisemitismus-Vorhalt begründet.

Die geschichtliche Wirklichkeit ist nicht immer gerecht, meist ist sie ungerecht.

Die nationalsozialistische Einordnung des Bolschewismus als „jüdisch“ ist zwar nachvollziehbar und begründbar. Sie greift jedoch zu kurz, weil keineswegs nur Juden die russische Revolution vorantrieben und es sich bei den Beteiligten zudem um atheistische Apostaten handelte. Die Zuweisung einer Kollektivschuld für die Zivilisationsbrüche in der Sowjetunion an die Juden war fatal. Sie war auch falsch, weil der Talmud in Ketubot 111a das Verbot einer Auflehnung gegen die nichtjüdischen Völker lehrt. Dieses Verbot wurde von religiösen Juden natürlich beachtet. Vorwerfen hätte man diesen höchstens können, daß sie daran scheiterten, diese Apostaten zurückzuhalten und zu disziplinieren. Realistischerweise war das jedoch nicht zu erwarten.

Ebenso nachvollziehbar und begründbar ist es, wenn der Nationalsozialismus als „deutsch“ eingeordnet wird. Die 44 Prozent für die NSDAP bei den Reichstagswahlen im März 1933 sind beachtlich. Sie dokumentieren jedoch gleichzeitig, daß die Mehrheit der Deutschen diese Diktatur gar nicht wollte. Grob gesagt standen damals völkisch ausgerichtete Protestanten und Esoteriker gegen gläubige Katholiken und Protestanten, denen die christlichen Gebote der Feindes- und Nächstenliebe etwas bedeuteten. Sie konnten sich nur eben nicht durchsetzen. Selbst den Völkischen war aber die Ausmerzung eines anderen Volkes mehrheitlich nicht vermittelbar. Somit wird bei der Zuweisung einer kollektiven Schuld an die Deutschen oder das Christentum der selbe Fehler begangen, wie bei der nationalsozialistischen Propaganda gegen die Juden oder das Judentum.

In vergleichbarer Weise wird nun den Moslemsden Türken oder den Arabern kollektiv die Schuld am islamistischen Terrorismus oder an entsprechenden Gewalttaten zugewiesen. Diese Zuweisung ist auch dann falsch, wenn sich im Koran Stellen finden lassen, die solche Schuldzuweisungen und perspektivische Verdächtigungen scheinbar stützen. Es handelt sich um eine Verblendung des Verstandes, die mit Islamkritik nichts zu tun hat. Richtig ist nur, daß es einzelne islamische Strömungen, Gruppen und natürlich auch Personen gibt, die Schuld auf sich laden.

Man kann auch nicht von einem jüdisch-christlichen Erbe sprechen, wenn man Antijudaismus mit Antisemitismus gleichsetzt. Wer diesem Muster folgt, der legt dieses Erbe in jüdische Hände. Nach kirchlicher Auffassung ist einzig die Kirche Jesu Christi das von Gott geliebte Israel. Diesem Israel der Verheißung gehören Menschen aus allen Völkern und Nationen an. Wem das Kopfschmerzen bereitet, der hat mit dem Christentum nichts am Hut und ist faktisch antichristlich.

Dieser Hinweis sollte nicht als eine Delegitimierung des im Mai 1948 gegründeten Staates Israel verstanden werden. Er bedeutet lediglich, daß dem Staat Israel keine Sonderrolle eingeräumt werden sollte, weder positiv noch negativ. Auch anderen Staaten sollte keine  Sonderrolle eingeräumt werden, weil grundsätzlich kein Staat gut ist. Nach kirchlicher Lehre ist die gesamte Welt — “die Welt” als solche — im Bösen. Sie lehrt aber, daß Christus die Welt überwunden hat.

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6 Kommentare - “Zur Ungerechtigkeit geschichtlicher Wirklichkeit”

  1. marek Says:

    Kollektiv wird niemanden die Schuld gegeben.Hört sich an wie der Türkische Komiker der diese Woche erzählte das die Leute glauben jeder Türke wäre ein Terrorist.Was für ein Schwachsinn!Ich kenne aber Türken die sich verstecken wenn sie mal eine Currywurst essen wollen!Oder Kurden die sich nicht trauen zu sagen das sie Kurden sind!

  2. Lutheraner Says:

    Wen interessiert denn heute noch, was ein ehemaliger Polizistenschläger, Mordwaffentransporteur und Lieblingsziehsohn Albrights (1000 tote Babies waren es wert – den Überfall auf den Irak nämlich) als „Staatsräson“ der sog. „BRD“ (= Besetzter Rest Deutschlands) ausgegeben hat? Wir sind ein „Staat auf Abruf“, gleichsam eine „Abwrackrepublik Canossistan“, die in den „Vereinigten Staaten von Europa“ (Oettinger) aufgehen, also verschwinden soll. Zum Glück ist dann auch die ständige Erpressung mit der „Auschwitz-Keule“ vorbei – der Jude Broder hat den Braten gerochen: „Vergesst Auschwitz!“ Für mich als Christ ist das Kommen und Gehen von Staaten letztlich zweitrangig, ich kann es nicht verhindern, denn dem Satan ist es bisher noch immer gelungen, auch die vollkommenste Staatsordnung (die für mich einmal Preußen repräsentierte) zunichte zu machen – ich glaube nämlich an ein Reich, das nicht von dieser Welt ist. Deutschland wurde zwischen 1918 und 1945 unabänderlich ruiniert – das weiß inzwischen jedes Kind. Aber die Leichenfledderer von Fischer bis Merkel, die noch aus seinem Ruin „Kapital schlagen“ wollen, die müssen sich endlich was anderes überlegen, denn mit „Schuldzuweisungen“ locken sie heute keinen Hund mehr hinter dem Ofen hervor: Die sind der im Materialismus versunkenen Masse völlig egal.

    Aber alle Kräfte müssen gebündelt werden, um den Islam von uns fernzuhalten – das kann nur gelingen mit der Durchsetzung der Grundregel eines säkularen Staats: der fundamentalen Trennung von Staat (Politik) und Religion, wonach der Staat religionsneutral sein muss, also selbst grundsätzlich unabhängig und frei von irgendeiner Religion oder Konfession zu sein hat. Denn sein Zweck und Ziel ist nach unserem modernen Verständnis nicht die Erlösung in der diesseitigen oder jenseitigen Welt, sondern die Ordnung der diesseitigen Welt zum Zweck eines friedlichen menschlichen Zusammenlebens – was nach Professor Schachtschneider zu der Erkenntnis führt, dass bereits die AUSÜBUNG der Religion des Islam in einem solchen modernen säkularen Rechtsstaat glatt rechtswidrig ist:

    „Die Säkularisation ist die größte Kulturleistung Europas. Kein Bürger darf in einer Republik, die demokratisch sein muss, das Wort Gottes über die Gesetzgebung und die Gesetze stellen, und keiner darf versuchen, durch Mehrheitsentscheidung das Gemeinwesen zu einem Gottesstaat zu machen.“ (Interview in „Sezession“ 40/Febr. 2011)

    Ich sehe nicht, wie die Menschheit anders überleben könnte, als mit der Durchsetzung dieses Fundamentalprinzips eines modernen Staates. Wenn dazu kein Wille und keine Macht mehr vorhanden ist, können wir eh alles vergessen und das Geschwurbel von irgendeiner Staatsräson „Auschwitz“ – von der die Bürger dieses Staates 50 Jahre lang gar nichts wussten (!), bis ein lächerlicher Metzgerssohn namens Fischer in diesem ohnehin zur Abwicklung vorgesehenen Staat zu „Amt und Würden“ kam – können sich die Politiker-Marionetten damit endgültig sparen. Entscheidend ist die Wiedererrichtung einer Ordnung und das Festhalten daran, die uns vor jedem kollektivistischen messianischen Anspruch der Religionen und Ideologien auf „Welterlösung“ schützt – sei es der Marxismus der 68er, sei es der jüdische innerweltliche Messianismus, sei es der Islam.

    • Templarii Says:

      Trennung von Kirche und Staat? Der Staat ist keine leere Hülle oder ein Roboter. Er besteht aus Menschen. Diese Menschen haben eine Lebenseinstellung und Moralische Werte.

      Es ist eine Illusion zu glauben dass ein Staat „neutral“ bleibt wenn 90% der Staatsdiener Salafisten sind.

      Hören Sie doch auf mit diesem Unsinn.. Und Preussen war ein Antichristliches Land. Die Verbindung von Fürst zur Kirche war das Gegenteil von „Trennung von Kirche und Staat“. Lange hat der Staat nicht gehalten und hat das HRR zerstört.

      • antifo Says:

        In Preußen war die „Kirche“ ein Untertan des Königs und somit dem Staat unterworfen. Dieses Modell wurde dann von Zar Peter dem Großen kopiert. Einen (vom Staat unabhängigen) Moskauer Patriarchen gab es erst wieder 1917.

  3. Fatime Says:

    Araber sind auch Semiten – wer Anti-Semit ist, muesste auch Anti-Araber sein, also auch wir, die den zion-Terror verurteilen??

  4. ines Says:

    Es sollte doch mittleweile bekannt sein, das dem Vorwurf des Antisemitismus überhaupt nicht aus dem Weg zu gehen ist. Das beziehe ich nicht auf Auschwitz als Gründungsmythos ( obwohl ein Ereignis, egal welcher Dimension, einem positiven Bezug trotzdem nicht im Weg stehen muß, schließlich wird jedem Staat eine geschönte, parteiische Sicht zugestanden ), sondern wirklich auf alles. Ich habe schon Leute gehört, die die Stuttgart21-Proteste antisemitisch nennen. Andere sehen das die SS in Dachau einen Kräutergarten hatte, und erklären deshalb die Grünen zum antisemitischen Kollektiv ( kein Scheiß, kann gerne die Quelle posten, wenn gewünscht ).
    Der Ausweg wäre einfach möglich, wenn die Leute einfach anfangen würden, das Geschrei nicht mehr weiter zu beachten. Es wird sowieso nichts nützen, sich zu entschuldigen, die Kritiker sind schließlich „befangen“ und die Erregung ist auch ihrerseits absolut nicht authentisch ( man denke nur an die Endlosschleife ….das……seit 1945),


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