Die jüdische Frage in der orthodoxen Kirche

Übersetzung von
The Jewish Question In The Russian Orthodox Church
von Gregor Benewitsch

Kapitel 3

Um zur Folgerung meines Vortrages zu kommen, will ich nun das schwierigste Problem der Quelle des Antisemitismus berühren. Die Hauptlehre, die die nicht-orthodoxe Christenheit aus Auschwitz gezogen hat, war daß der Antisemitismus vom Antijudaismus nicht zu trennen ist und seine Wurzeln darin hat. Theologen wie Jürgen Moltmann versuchen daher zu einer positiven Deutung des Judentums zu kommen. Hier ist zu erwähnen, daß das Judentum selbst in diese Richtung argumentiert. Nach Rabbi Schmuel Boteach, einem der führenden chassidischen Denker, sagt „der Talmud, daß der Grund für den Antisemitismus am Sinai begann … . Am Sinai … gab der Allmächtige … dem jüdischen Volk das wesentliche Gesetz, das es in eine moralische Nation verwandelte“. Aber, fügt Rabbi Schmuel hinzu, das war nicht genug, „die Juden wurden auch damit beauftragt, diese neue Botschaft unter allen Völkern der Welt zu verbreiten. In ihrer Eigenschaft als ‚Licht der Nationen‘, waren sie verantwortlich für die Verbreitung der von Gott gegebenen Ethik zu allen Enden der Welt. Aus einer anderen Perspektive betrachtet wurden sie als Ärgernis für die Völker gesehen, deren Wunsch in der Dominierung derjenigen bestand, die schwächer als sie selbst waren. So begann der Hass gegenüber den Juden, deren prinzipielle Existenzberechtigung darin bestand, das Wissen über Gott … der Welt näher zu bringen.“ (Moses of Oxford, Andre Deutsch, London 1994 v.2 p 661).

Hier, in dieser untrennbaren Verbindung von Antijudaismus und Antisemitismus, wenn es wirklich untrennbar ist, liegt, glaube ich, das Hauptproblem für die orthodoxe Kirche. Unsere Kirche kann die Schriften der Kirchenväter nicht von sich weisen, die das Judentum verurteilen, wie das die Theologie nach Auschwitz eben mal macht. Es gibt darüber hinaus Hinweise, daß unsere Hierarchen häufig das Gefühl haben, daß eine offene Verurteilung des Antisemitismus als Sünde oder die Fürsprache zur Verteidigung von Juden mit dem Zweck einer Verhinderung möglicher Pogrome bis zu einem gewissen Grad eine Verteidigung des Judentums wäre. Unser Patriarch wurde von einigen Kreisen tatsächlich schon beschuldigt ein Bewunderer des Judentums zu sein, eben weil er versucht hatte, etwas zur Verurteilung des Antisemitismus zu sagen. Daher befürchten unsere Hierarchen, daß die sogenannten einfacheren Christen sie als jemanden sehen könnten, der positive Haltung gegenüber dem Judentum zeigt, auch wenn sie tatsächlich nur Juden verteidigen. Und die Äußerung solcher positiver Gefühle, die im Westen nun so weit verbreitet ist, kann von der Masse der orthodoxen Gläubigen nicht akzeptiert werden. Grund ist, daß so eine Haltung gegenüber dem Judentum von der Kirche als eine Quelle der Häresie der sogenannte Judaisierer bekanntlich verurteilt wurde, als im 16. Jahrhundert für die Russisch-Orthodoxie Kirche eine echte Gefahr bestand, daß die orthodoxe Lehre mit dem Judentum vermischt wird. Dies war eine der wenigen Häresien, die die Orthodoxie in Russland erschüttert hat und die Erinnerung daran ist bis heute lebendig. Deswegen setzt sich jeder, der in unserer Kirche etwas zur Verteidigung der Juden sagt, dem Verdacht aus, Sympathien für das Judentum zu haben und kann der Häresie der Judaisierer beschuldigt werden.

Das hält unsere Hierarchen, die sonst in persönlichen Interview ihre negative Haltung gegenüber dem Antisemitismus äußern, von einer offiziellen Synodalen Erklärung in dieser Sache ab. Diakon Andrey Kuraev, der unserem Patriarchen vor einiger Zeit recht nahe stand, sagte einmal: „Antisemitismus ist eine Sünde“, dann fügte er hinzu, „ich möchte alle warnen, daß die orthodoxe Kirche nie imstande sein wird, den Antisemitismus eben mal so auszurotten, indem man die Spitzen unserer Hierarchie sich dagegen aussprechen läßt … das kann ein gradueller Prozess der Transformation der menschlichen Seele sein“ (Evreskaia gazeta – the Jewish newspaper – N1 1992).

Ja, es ist sicherlich wahr, daß Antisemitismus nicht sofort ausgerottet werden kann, indem die Spitzen unserer Hierarchie sich dagegen aussprechen. Aber wenn sie (oder besser die Kirche als Ganzes durch ein Konzil) sich nicht gegen den Antisemitismus ausspricht, wird es noch unwahrscheinlicher, daß das ausgetreten werden kann. Doch unsere Hierarchen, die, wie ich glaube, selbst keine Antisemiten sind, erheben ihre pastorale Stimme nicht gegen den Antisemitismus, weil sie fürchten von einfachen Christen mißverstanden zu werden, als Verteidiger des Judentums, das zu verteidigen keine Tradition der orthodoxen Kirche ist. Deswegen bleiben sie still, was sicher gleichermaßen komprimittierend und gefährlich ist.

Hier will ich zurückkehren zu meiner vorherigen Beobachtung, namentlich daß es eine Sichtweise des Judentums und nun auch der Theologie nach Auschwitz ist, daß die Wurzel des Antisemitismus im Antijudaismus liegt, daß unsere Haltung gegenüber den Juden von unserer Haltung den Judentum gegenüber nicht getrennt werden kann, die Möglichkeit des Antisemitismus kann nicht abgeschafft werden, ohne eine positive Haltung dem Judentum als Religion gegenüber.

Nun will ich meine Hauptfrage aufwerfen:

Sind wir orthodoxe Christen zusammen mit dem Judentum und der nicht-orthodoxen Christenheit dazu verpflichtet, deren Idee von der Untrennbarkeit der Juden als Volk und dem Judentum als Religion zu teilen?

Begann der Grund für den Antisemitismus wirklich am Sinai? Um diese Frage zu beantworten will ich mich auf die Autorität der Schrift verlassen. Fragen wir uns selbst, ob die Ägypter antisemitisch waren, nachdem ihre Erstgeburt starb, bevor die Juden Ägypten verließen? Wenn Antisemitismus Hass gegenüber Juden ist, waren die Ägypter, denke ich, in diesem Moment bereits völlig antisemitisch. Die Juden hatten jedoch das Gesetz vor ihrem Auszug aus Ägypten nicht empfangen.

Gott hatte die Juden von den anderen Nationen ausgesondert, namentlich von den Ägyptern, Er hatte sie aus den Heiden ausgewählt und gab ihnen das Gesetz erst nachdem Er das getan hatte. Die Juden wurden von den Heiden gehaßt, weil Gott auf ihrer Seite war, weil dieses vergleichsweise kleine und schwache Volk von der Zeit der ägyptischen Gefangenschaft bis in unsere Zeit auf geheimnisvolle Weise von Gott unterstützt wurde, Der damit ihre Auserwähltheit zeigte. Die Juden wurden nicht gehaßt, wie Rabi Schmeul es darstellte, weil sie eine Belästigung waren: die Heiden hätten die schiere Belästigung leicht vermeiden können. Aber in diesem Fall konnten sie das nicht. Der Grund ist, daß Gott auf Seiten der Juden war (siehe z.B. Jes. 41, 8-16). Antisemitismus ist ein Hass gegenüber den Juden als auserwählte Nation, als die Nation die von allen anderen Nationen der Welt getrennt ist, die keine gleichen Nationen für sie sind, sondern einfach nur Heiden. Genau das ist der Grund für den Antisemitismus und nicht der Sinai. Diese letzte Aussage ist nicht meine private Meinung, sie läßt sich mit der Schrift belegen. Wie bereits erwähnt, spricht Apostel Paulus in seiner Epistel an die Epheser (2, 14) über Christus als „unserem Frieden, der uns [d.h. Juden und Nichtjuden] eins gemacht hat und die Trennmauer zwischen ihrer Feindschaft niedergerissen hat.“ Diese Feindschaft auf Seiten der Heiden war nichts anderes als die Mauer, die nun Antisemitismus genannt wird. Und Paulus fährt fort zu sagen, daß diese Feindschaf in Christus aufgelöst werden kann. Warum?

Nicht weil Christus irgendetwas wie einen Monotheismus für Heiden etabliert hat, wie Moltmann fälschlicherweise lehrt, sondern weil genau durch Christus, wie unsere Kirche glaubt, der jüdische Glaube erfüllt ist. Christus wird von unserer Kirche verehrt als „das Licht der Offenbarung für die Heiden“ (siehe Jes. 42, 6; 49, 6; Lk. 2, 32; Apg. 13, 47). Das Christentum wurde nicht als eine neue Religion gegründet, es wurde angenommen von auserwählten Juden, die die ersten Christen waren, genau deshalb, weil ihr Glaube in Chistus als dem Messias nichts anderes als die Erfüllung des jüdischen Glaubens war, das ist der Glaube der Vorväter von Abraham bis zur Zeit Christi. Das Christentum ist keine Religion, die sich vom Glauben Abrahams, Isaaks, Jakobs, Moses unterschiedet, den Propheten bis zum hl. Johannes dem Täufer und Maria der Theotokos. Es gab seit der Zeit Abrahams tatsächlich neue Offenbarungen dieses Glaubens, und die Offenbarung des Gesetzes am Sinai ist eine davon. Trotzdem ist der Bund, den Gott mit Abraham, Isaak, Jakob schloß, der selbe Bund, wie der später mit der jüdischen Nation als Ganzem, und der selbe Bund wurde geschlossen durch Christus mit den Juden und Nicht-Juden, die an Ihn glaubten. So wie es nur einen Gott gibt, so gibt es auch nur einen Bund. Neu war in der Hinsicht nicht der Bund als solcher, sondern die offene Möglichkeit an diesem Bund teilzunehmen.

Zuerst war diese Möglichkeit begrenzt auf nur eine Person und ihre Söhne, wenngleich auch nicht auf alle, sondern nur auf diejenigen, die von Gott dazu ausersehen waren. Dann wurde dieser Bund der gesamten jüdischen Nation eröffnet. Und hier stellt sich uns ein ernstes Problem. Obwohl der mit der jüdischen Nation geschlossene Bund der selbe ist, wie der mit Abraham, Isaak und Jakob geschossene Bund, nahmen nur diejenigen wirklich an dem Bund teil, die den gleichen Glauben wie Abraham, Isaak  und Jakob hatten. Das waren die Rechtschaffenen unter den Juden, sie stellen das wahre Israel dar. Tatsächlich nahmen nicht alle Juden am Bund mit Abraham teil, sondern nur die rechtschaffenen, obwohl der Bund von Seiten Gottes für alle Juden offen gewesen wäre. Wer hier etwas anderes lehrt, würde sagen, daß diejenigen Juden, die Götzen anbeteten oder das Gesetz brachen, immer noch im Bund mit Gott waren.

Was geschah nun nach Christus? Gemäß der kirchlichen Lehre öffnete das Blut Christi, Sein Leiden und freiwilliger Tod, den Bund Abrahams, Isaaks und Jakobs, den selben Bund, der auch am Sinai geschlossen wurde, denjenigen unter den Heiden, die an Christus glaubten.

Ich wiederhole nochmal. Christus war kein Gründer einer neuen Religion, noch war das Christentum ein Zweig des jüdischen Glaubens (irgendein Teil davon), denn ein Teil ist immer weniger als das Ganze. Es war der selbe Glaube wie der von Abraham und Moses, nun jedoch erfüllt, und auch den Heiden geöffnet, wie es Abraham versprochen worden war (1. Mose 12, 3; cf. Gal. 3, 8-15).

Diese Aussage bedeutet, daß diejenigen nicht-jüdischen Christen, die sich nicht als „eins“ mit dem von Gott geliebten Israel von Abraham, Moses und den anderen jüdischen Rechtschaffenen sehen, auch nicht zur Kirche gehören. Aber, und das ist nicht weniger wichtig, seit Gott durch Christus seinen Bund für die Heiden öffnete, gehören auch diejenigen unter den Juden, die sich nicht in „einem“ Israel Gottes mit den rechtschaffenen Christen aus allen Nationen sehen, nicht zu Israel und nehmen auch nicht Teil am Bund mit Gott.

Es gibt nur einen Weg zur Teilnahme in dem Bund — der Glaube daß es nur ein Israel gibt, einen Bund, einen Glauben, weil es auch nur einen Gott gibt.

Im Gegensatz zu liberalen Theologen, jüdischen wie nicht-jüdischen, verstehen wahre orthodoxen Juden und orthodoxen Christen, glaube ich, sehr gut, daß es keine zwei Israels geben kann, zwei oder mehr unterschiedliche Bünde mit Gott oder zwei oder mehrere Götter. Wenn wir in unserer Kirche über das Neue und das Alte Israel sprechen, das Alte und das Neue Testament, dann zählen wir hier nicht. „Neu“ bedeutet nicht das nächste, das das erste ersetzt oder zusammen damit zählt oder Seite an Seite ist.

Das ist wiederum nicht meine private Meinung, sondern die Lehre der Kirchenväter. Der hl. Maximus der Bekenner, einer der größten unter ihnen, sagt klar: „Die beiden Testamente entsprechen einander völlig, aber das tun sie mehr durch die Gnade, eher in Richtung der Erfüllung eines einzigen Mysteriums (eis henos musteriou sumplerosin) als durch eine Synthese(kata ten sunthesin)/PG 90 681-AB/.

Der außergewöhnliche, besondere Platz, der nach kirchlicher Lehre die Inkarnation des Logos einnimmt, dem Sohn Gottes, besteht in der Tatsache, daß sie die letzte und ultimative Offenbarung von Gottes Bund mit der Menschheit ist. Sie ist die ultimative Erfüllung der früheren Offenbarungen des selben Bundes.

Anders als das Judentum und liberale nicht-orthodoxe Christen, warten wir nicht auf irgendeine neue Offenbarung von Gottes Bund. Alles ist bereits geschehen durch Christus. Nichts darüber hinaus ist für unsere Erlösung notwendig. Das ist genau deshalb richtig, weil alle Offenbarungen von Gottes Bund durch ein und denselben Logos geschahen, durch das Wort von Gott, Der in den letzten Tagen Fleisch wurde, wie es von der Kirche klar gelehrt wird: so wie es der hl. Maximus sagt: „Der Logos von Gott, der ganz Gott ist, drängt auf das Mysterium Seiner Verkörperung immer und in allen Dingen“(Amb.7 – 1084 C15 – D2).

Durch das Logos, das Wort von Gott, schuf Gott diese Welt, einschließlich des Menschen und begründete so Seinen Bund mit Adam, erneuerte dann durch den Selben Logos den Selben Bund mit Noah, mit dem Selben Logos begründete Gott diesen Bund mit Abraham, Isaak und Jakob, der Selbe Logos wurde enthüllt, verkörpert im Gesetz am Sinai, der Selbe Logos sprach durch die Propheten und schließlich enthüllte Er sich uns in Jesus dem Christus. Es gibt nur ein Israel, einen Bund, einen Glauben, so wie es nur einen Gott und einen Christus gibt. Der durch Christus gerettete Adam ist ein neuer Adam, es ist jedoch der selbe Adam, nicht irgendwer anderes.

Weil nun das Christentum der selbe Bund ist wie der am Sinai mit den Juden geschlossene Bund, genau deshalb richtet dieser in Christus (d.h. im Glauben an Christus) den lange erwarteten Frieden zwischen Juden und Heiden ein. Nach Christus wurde der Bund Gottes, der Bund von Abraham und Moses, offen für die Heiden, und so gibt es keinen Grund die Juden als eine auserwählte Nation zu hassen.

Wenn nun, wie Rabbi Schmuel zurecht erachtet, der Bund am Sinai das „Licht für die Nationen“ sein sollte, dann gibt es letztlich nur einen Weg, um die Nationen an diesem Bund teilnehmen zu lassen. Die Möglichkeit für diejenigen unter denn Heiden zur Teilnahme an diese Bund wurde, wie wir Christen glauben, durch Christus eröffnet worden. Das war der Glaube der ersten Christen aus den Juden. Sie haben, ich wiederhole das nochmal, kein neues Israel gegründet oder eine neue Religion, wie wenn „neu“ etwas Vorheriges ersetzt hätte. Das Christentum war für sich nichts anderes, als die Erfüllung des jüdischen Glaubens, oder besser, die Erfüllung des Glaubens und der Hoffnung von Adam bis hin zur Jungfrau Maria. In Christus ist dieser Glaube und diese Hoffnung auch denen aus den Heiden eröffnet, was bedeutet, daß Frieden und Liebe zwischen Juden und Nichtjuden eingerichtet werden kann.

Nachdem nun, wie ich sagte, die Hauptmenge der Juden Christus zurückwies (was bedeutet, daß sie nicht glauben wollten, daß die Versöhnung mit den Heiden bereits erreicht war) haben sie den neuen Bund mit Gott nicht akzeptiert. Nachdem aber der neue Bund nichts anderes als der alte Bund, stellten sie sich außerhalb von Gottes Volk. Nach kirchlicher Lehre kann man nicht im Bund mit Gott sein, wenn man nur den neuen oder nur den alten Bund anerkennt oder fälschlicherweise meint, es sei nicht ein Bund.

Die Kirche wurde gebaut auf dem Fundament von einem Gott, einem Christus, einem Israel, einem Bund, und diejenigen, die eine dieser Offenbarungen des Bundes zurückweisen, oder deren Einheit, nehmen nicht an diesem Bund teil und stellen sich außerhalb der Kirche.

Die Theologie nach Auschwitz hat das Mysterium der Kirche nicht verstanden, wenn sie sagt, die orthodoxe Kirche lehre, daß das Christentum (d.h. das Neue Israel) das Alte Israel zu ersetzen behauptet, von dieser Ersetzung sagt Moltmann, es sei die Hauptquelle von Antisemitismus. Die orthodoxe Kirche behauptet nicht das Alte Israel zu ersetzen, genau deshalb, weil das Neue Israel (d.h. die Kirche) nichts anderes ist als genau das Israel von Abraham, Moses und den Propheten, jedoch schon geöffnet (offengelegt) für diejenigen Nichtjuden, die an Christus glauben. [wie üblich in der protestantischen Theologie, meint Moltmann der katholischen Lehre zu diesem Thema zu widersprechen, die jedoch sehr mehrdeutig ist. Das orthodoxe Mysterium der Kirche hat sich ihm schlicht nicht erschlossen. … weiter Ausführungen zur katholischen Position in der engl. Vorlage]

Die jüdische Nation war auserwählt und Gottes Bund mit Abraham, Isaak und Jakob wurde den Juden am Sinai geöffnet (offengelegt). Dieser Bund war ihnen geöffnet, aber das bedeutet nicht, daß alle Juden automatisch daran teilgenommen hätten. Nur als Möglichkeit kann nun, nach Sinai, jeder aus den Juden in diesem Bund teilnehmen. Außerdem sollte als Jude jeder bei diesem Bund teilnemen und ist verpflichtet dazu. Die Verpflichtung mein Verantwortung. Nach Sinai fiel den Juden die größte Verantwortung unter allen Völkern der Welt zu. Das bedeutet nicht, daß alle Juden rechtschaffen waren, gerecht und gläubig wie Abraham, Isaak und Jakob und das „Licht der Nationen“ sein wollten, dieses Licht nicht hätten für sich behalten wollen. So nahmen nur rechtschaffene Juden an diesem Bund mit Gott teil, nur die rechtschaffenen unter den Juden begründeten Israel, so wie nicht alle Söhne Abrahams im Bund mit Gott teilnahmen. Genau das sagt Paulus: „Nicht das sind Gottes Kinder, die nach dem Fleisch Kinder sind; sondern nur die Kinder der Verheißung werden als seine Nachkommenschaft anerkannt.“(Röm. 9, 8) Die Juden waren aus den Heiden ausgewählt, aber vom Sinai bis zu Christus wurden die Rechtschaffenen durch Gott aus der ausgewählten Nation gewählt, um das wahre Israel zu begründen.(Und sie forderten den Rest der „ausgewählten Nation heraus und wurden von ihm verfolgt).

Zwar waren die Juden von Gott aus den Nationen erwählt worden, das wahre Israel Gottes war aber nie eine erwählte Nation aus den Nationen. Es waren die Juden die aus den Nationen ausgewählt worden waren, aber das wahre Israel, wurde, nach Sinai vor Christus, aus denen gebildet, die Gott aus der erwählten jüdischen Nation erwählt hatte. Die Kirche ist nun, weil sie das selbe wahre Israel ist, ebenfalls nicht aus den Heiden ausgewählt, wie es die jüdische Nation war, sondern aus den Nationen. Der Charakter der Anwesenheit der orthodoxen Kirche unterscheidet sich in den unterschiedlichen Nationen. Diejenigen aber, die aus ihren Nationen ausgewählt sind, gehören zu dem einen Israel Gottes.

Es war nicht die Kirche, sondern die Nazi-Deutschen, die die Juden als auserwählte Nation ersetzen wollten. Moltmann sollte die Verantwortung nicht anderswo hinsetzen. Die Nazi-Deutschen versuchten die Juden zu ersetzen, weil die Deutschen den wahren Glauben in Christus verloren hatten. Denn wenn sie den Glauben in Christus und in Gott gehabt hätten (und daß Christus Gott ist), dann hätten sie gewußt, daß Gott den Bund mit den Juden durch Christus allen Völkern der Welt geöffnet hatte. Nach Christus gibt es nichts in der Art wie eine auserwählte Nation (im alten Sinne), weil Gott sein Israel nun aus allen Nationen wählt, aus den Juden ebenso wie Nichtjuden.

Nachdem ihnen das richtige Verständnis von Gottes Israel (das keine Nation aus den Nationen ist, sondern diese auserwählten Leute aus den verschiedenen Nationen) abhanden gekommen war, sahen die Nazis in den Juden die Nation, die auserwählt zu sein und besondere Rechte an den Gaben Gottes zu haben behauptete. Und um die Wahrheit zu sagen, die Juden ihrerseits nahmen Christus nicht an, das ist, sie erlaubten Menschen irgendwelcher anderer Nationen nicht die Teilnahme an Gottes Bund, weil sie (nach dem Gesetz) Nichtjuden waren, diese Juden hatten selbst keine Argumente gegen dieses Nazi-Verständnis des jüdischen Anspruchs die auserwählte Nation zu sein.

Insofern nun die Nazi-Deutschen ihren christlichen Glauben und das wahre Verständnis der Kirche verloren hatten, konnte sie nichts mehr vom Antisemitismus abhalten. Ihr Antisemitsimus unterschied sich jedoch vom Antisemitismus der Heiden der alten Welt, die die jüdische Idee der auserwählten Nation schlicht nicht annahmen und den „Gott der Juden“ als einen unter vielen Göttern behandelten.

Für die Deutschen, diese Nation einer großen philosophischen Tradition mit tiefen christlichen Wurzeln, war es unmöglich in Begriffen „nationaler Götter“ zu denken. Sie kannten den jüdischen Anspruch sehr gut, daß der eine Gott, nicht irgendein nationaler Gott, ihre Nation auserwählt hatte. Darum behaupteten die Nazis das selbe, daß ihre Nation auserwählt ist. Beide Behauptungen waren absolut. Daher der religiöse, mysteriöse Charakter des Holocaust.

Bekanntlich war die größte theologische Häresie der Nazi-Ideologen ihre vollkommene Zurückweisung des Alten Testaments und „des Judengottes“. Dieser „Gott“ war gemäß der Nazi-Ideologie der falsche Gott der Kirche (d.h. der Katholiken und Protestanten). „Der kirchliche Jahwe ist nun heute tot wie Wotan vor 1500 Jahren.“ — proklamierte Alfred Rosenberg in seinem „Mythus des 20. Jahrhunderts„. Die Nazi-Deutschen wollten diesen „jüdischen Gott“(d.h. den von den Juden erfundenen Gott, wie sie dachten) ersetzen, durch den Gott ihrer eigenen Vorstellung (siehe dazu Vt. Sergei Bulgakow, „Christianity and the Jewish Question“, Ymca-Press, Paris 1991 p. 22f.).

Aus der Sicht eines Schmälerns der Rolle des Bundes, den Gott mit den Juden eingerichtet hatte, ist die Nazi-„Theologie“ nichts anderes als die Vollendung einer Tendenz, die in der nicht-orthodoxen Theologie immer schon vorhanden war. Die Wurzel dieses Fehlers liegt im Scheitern des Bewahrens des Einsseins von Gottes Offenbarung, des Einsseins des Bundes, der mit den Juden und damit von Jesus errichtet wurde. Was wir nun in der nicht-orthodoxen Theologie finden, ist nichts anderes, als ein Versuch zur Erhöhung des Wertes des mit den Juden errichteten Bundes, des Heldenmuts des Alten Testaments. Das Problem ist jedoch, daß die Theologie nach Auschwitz das Einssein des Bundes immer noch nicht anerkennt. Das ist der Grund, weswegen diese Theologie in Richtung einer Notwendigkeit gezogen wurde, über den positiven Wert des Judentums zu sprechen und sogar (so im Falle Moltmanns) daß es gut ist, wenn die Juden dem Judentum anhängen und keine Christen werden. Es bedarf kaum einer Erwähnung, daß diese Ideen der orthodoxen Kirche fremd sind.

Der Fehler der nicht-orthodoxen Theologie ist damit offensichtlich, er liegt im Scheitern des Bewahrens des Einsseins aller Aspekte der Gaben Gottes, und schließlich des Einsseins von Gott (der Fehler Moltmanns).

Es gibt jedoch noch eine weitere Gefahr bezüglich dieses Problems. Man kann das Einssein des Bundes bewahren und an der Anerkennung der Unterschiede in den Stufen von Gottes Offenbarung scheitern, die besondere Wichtigkeit einer jeden Stufe. Die Lehre der Kirchenväter zu diesem Thema ist ziemlich klar. Maximus der Bekenner, beispielsweise, den ich zum Problem des Einsseins des Bundes und der Bibel zitiert habe, hat nicht weniger beharrlich gelehrt über die besondere Rolle eines jeden Teils der Offenbarung Gottes. Nach dem hl. Maximus, in einer Ökonomie (Austeilung) Gottes, realisiert das Alte Testament „die Bewegung vom Fleisch zum Geist, und das Neue Testament führt den Geist zu Gott“ (Thal 63.PG 90 C D). Beide Bewegungen sind voneinander untrennbar und stellen eine Bewegung zu Gott dar, trotzdem ist jede von ihnen als solche absolut notwendig. Darüber hinaus ist es die Bewegung des Geistes zu Gott, die erfüllt und das richtige Empfinden für die Bewegung des Fleisches zum Geist gibt. Gleichzeitig wäre das Ergebnis, ohne die erste Stufe, ein falscher Gott.

Unser Geist kann nicht zu Gott kommen, solange er körperlich ist, wenn er noch unserem Fleisch dient. Es stellt eine große Gefahr dar, wenn wir versuchen uns Gott zu nähern, solange wir einen körperlichen Geist haben. In diesem Fall kommen wir nicht zum wahren Gott Israels, sondern zu einem Gott unserer Vorstellung, einem Gott, den wir uns selbst schaffen, um unseren körperlichen Bedürfnissen zu dienen.

Das ist, glaube ich, die Hauptgefahr für die russisch-orthodoxen Christen. Ich meine nicht, daß die Russisch-Orthodoxe Kirche, verstanden als dieKirche der Heiligen und Rechtschaffenen, die aus der russischen Nation auserwählt sind, dieses Problem jemals nicht verstanden hätten. Aber diejenigen, die sich selbst orthodoxe Christen genannt haben, dabei aber immer das wahre Israel Gottes verfolgt haben, das in Russland wohnt, diese Leute, glaube ich, hatten einen körperlichen Geist und haben einen Gott für ihr eigenes Fleisch geschaffen, den Gott der russischen Nation. Es war dieser Gott, der tatsächlich nichts anderes war als ein Götze, der schließlich von der Mehrheit der russischen Bevölkerung während der kommunistischen Revolution verworfen wurde. Der Grund war, daß dieser Gott, der als der Gott verstanden wurde, der dem Wachstum und Wohltand des Volkes und allgemein dem russischen Staat dient, dieser Gott scheiterte in seiner Wirksamkeit. Die Kommunisten brachten eine andere Art einer zu Wachstum führenden Ideologie vor, und schließlich, wenn auch nicht ohne Widerstand und Zögern, wies die russische Nation ihren alten Götzen zurück und nahm den neuen an.[weitere Ausführungen u.a. zu den russischen Bauern in der englischen Vorlage]

Ein gleichlaufender Prozess vollzog sich innerhalb des Judentums. Wie ich sagte, kann, nach der Lehre der Kirchenväter, ohne die Annahme der Offenbarung des Neuen Testamentes, ohne Christus, der spirituelle Weg des Alten Testaments nicht erfüllt werden. Das bedeutet nicht, daß die Rechtschaffenen des Alten Testaments weniger heilig seien als die christlichen Heiligen. Beide sind, das sie in Christus wesen, eins in der Herrlichkeit des Heiligen Geistes. Nach dem Glauben unserer Kirche haben alle Rechtschaffenen des Alten Testametns Christus angenommen und werden von Ihm vor der Hölle gerettet. Wir sie war diese „Hölle“ jedoch nichts anders als das, was man in der orthodoxen Theologie kennt als „göttliche Finsternis“ der Unwissenheit über das Ende von Gottes Gaben. Sie haben Ihn (d.h. Christus, den Anfang und das Ende) angenommen, eben weil sie an Ihn geglaubt haben, den sie noch nicht mal sehen konnten.

Das Judentum, es weist den bereits gekommenen Christus zurück, es erkennt Ihn nicht an, was bedeutet, daß es nicht an Ihn glaubt. Das ist etwas anderes als der Glaube der Rechtschaffenen des Alten Testaments. Nun, nachdem das Judentum Christus zurückgewiesen hat, hat es den Weg versperrt zu Gott für das jüdische Volk, das dieser Religion anhängt. Trotzdem, nachdem es eine Religion ist, mußte es zu irgendeinem Gott führen. Und als Religion des Absoluten Gottes, war es gezwungen zum Absoluten Gott zu führen, zu dem einen wahren. Dieser Gott konnte jedoch nicht der wahre Gott des jüdischen Glaubens (vor Christus) sein. Er war etwas anderes, ein absoluter falscher Gott der innerhalb des Judentums geschaffen wurde.

Das Alte Testament sollte, nach der Lehre der Kirchenväter, die Rolle spielen das Fleisch in Richtung des Geistes zu heben (die Bilder von Moses, der auf den Sinai steigt, und des Propheten Elija sind die besten Beispiele für diese Bewegung). Diese im Judentum absolut pervertierte Bewegung gebar jedoch schließlich eine Idee, die den Geist absolut versklavt, ihn körperlich macht. Praktisch wurde sie im Judentum realisiert in der Idee des Messias, der den jüdischen Staat gründen wird und seinem Volk endlosen Wohlstand geben wird und Macht über andere Nationen. Nun, insofern als dieses Ideal irdischen Wohlstands durch den Messias nicht erfüllt wurde, bemerkten die Juden, daß die Völker um sie herum weitaus besser leben als sie selbst, und wiesen ihre falsche Religion zurück. Sie (oder zumindest ein großer Teil von ihnen) entfernten sich vom Judentum, wodurch sie zu einem der ethnischen Körper der europäischen Nationen wurden. Dieser Teil der Juden glaubte nicht mehr an das Kommen des Messias. Sie hatten jedoch immer noch das Ideal irdischen Wohlstands. Sie konnten nun aber nicht mehr behaupten, daß dieser Wohlstand nur den Juden zukommen würde. Und schließlich klügelten sie (ich meine natürlich Marx, der der erste von ihnen war) ein neues Ideal aus — irdischen Wohlstand für alle Völker der Welt, ungeachtet ihrer Nationalität. (Bis zu einem gewissen Grad war dieses Ideal biblischer, obwohl es auch körperlich ist, als das des Judentums. Die Bibel sagt, daß letztlich alle Nationen im Bund Gottes teilnehmen). Neue messianische Leviten, Kommunisten genannt, und eine neue messianische Nation, Proletriat genannt (die aus allen Nationen ausgewählten, die irdischen Wohlstand ersehnen), sollten dieses Ideal in der Geschichte für sich selbst und alle anderen, die es annehmen, realisieren. Diejenigen, die es nicht annehmen, sind Feinde des Proletariats.

Es bedarf keiner Erwähnung, daß diese Lehre beliebt wurde unter den Juden in allen europäischen Nationen, besonders aber unter denen, die besonders arm waren, wie das in Polen, der Ukraine und Weissrussland der Fall war (alle diese Orte gehörten zum Russischen Reich). So war es Russland, wo, neben der jüdischen Bewegung, diesem neue Ideal der Juden eine kraftvolle Unterstützung von Seiten der russischen „Intelligenzija“ entgegen gebracht wurde, und schließlich das einfache Volk. Diese russisch-orthodoxen Christen, die körperliche Christen waren, hatten ihren „Gott“ schließlich zurückgewiesen, weil sie von den Kommunisten verführt worden waren, von denen viele (natürlich nicht alle) Juden waren. (Mir fehlt der Platz zur Analyse dieses Prozesses, aber ich sollte erwähnen, daß es nicht die Juden waren, die die russische Intelligenzija von der Orthodoxie abbrachten, sie waren leicht verführbar durch die westliche Kultur und Spiritualität, einige von ihnen kamen nur bis zu diesem Schritt, andere machten auch den nächsten in die kommunistische Bewegung und folgten den Lehren von Marx.)

Unter den russischen Bauern waren, als die Bolschewisten ihre Versprechen von Land nach der Revolution erfüllt hatten, waren die meisten in Zentral-Russland völlig zufrieden, und bereit deren neue Ideologie anzuerkennen, wodurch sie der Kirche gegenüber kälter und kälter wurden. In den 1920er Jahren wagten die Boschewisten jedoch immer noch nicht die Kirche in den Dörfern zu verfolgen, die Anzahl derjenigen, die die Gottesdienste besuchten, reduzierte sich auf ein Drittel im Vergleich zu vor der Revolution((see Golubih N., Ocherki gluhoi derevni, M; L.: Znanie, 1925).

Es war nicht schwer diese falschen Christen zu verführen, die in ihrer körperlichen Ausrichtung kein anderes Ideal als Wohlergehen hatten (gleichermaßen materiell und kulturell), das bedeutet, ein wohlhabendes Leben auf Erden, geschützt vor dem Gott (und was für eines Gottes) dessen Leben schon in der Zeit vor der Revolution in Frage gestellt war. Jeder Teil der russischen Revolution hatte seine eigene Verantwortung für das was geschah. Des einen Rolle war die des Verführers, des anderen die des Verführten.

Aus der hier gegebenen Analyse kann man leicht folgern, daß die Juden nichts anderes als ein Instrument des Teufels sind, daß sie eine teuflische Nation sind, die Rasse des Antichristen. Gleichwohl kann nach der Lehre der Kirchenväter auch der Teufel nichts tun, wenn es ihm von Gott nicht erlaubt wird. Und wenn wir wahre Christen sind, sollten wir anerkennen, daß nichts gegen den Willen Gottes geschehen kann. Sicherlich war die kommunistische Idee eine Versuchung und die Mehrheit des russischen Volkes schien aus körperlichen Christen zu bestehen. Aber Gott wußte schon vor dieser Versuchung, daß sie körperlich waren, und Er wollte sie nicht, glaube ich, in Seine Kirche sehen, diese Leute, die sich selbst wahre Christen nennen, göttliche Menschen, die in Wahrheit Nichtchristen sind. Es ist eine große Verantwortung sich selbst als Mitglied der orthodoxen Kirche zu bezeichnen (der einzig wahren Kirche, wie wir glauben, von Gottes geliebten Israel). Wenn wir uns selbst orthodoxe Christen nennen, fordert Gott von uns wahre orthodoxe Christen zu sein. Wenn wir daran scheitern, dann straft Er uns, um uns diesen Weg zu lehren. Wenn wir von Gott nicht gelehrt werden wollen, dann dürfen wir uns nicht orthodoxe Christen nennen, Er wird uns auch alleine das Leben lassen, das wir wollen. (Freilich weist Gott letztlich nie irgendjemanden zurück, weil jeder Mensch immer noch Hoffnung im Leben hat, was bedeutet, daß er bis zu einem gewissen Grad glaubt. Entsprechend dieses Maßes des Glaubens an Gott ist er in ihm und lehrt ihn).

Somit hat Gott das russische Volk gestraft, das behauptete ein orthodoxes Volk zu sein. In der selben Weise straft Gott die Juden während der ganzen Weltgeschichte bis zu Auschwitz. Er straft diejenigen, die behaupten Sein geliebtes Israel zu sein, um aus uns (Juden und Nichtjuden gleichermaßen) tatsächlich Sein geliebtes Israel zu machen. Wen Er liebt, den straft Er in dieser Welt. (Und wer weiß, was in der danach kommenden Welt geschieht?)

Die Mehrheit der russischen Nation war verführt. Keine Revolution hätte Erfolg haben können, wenn sie nicht von der Masse der russischen Bevölkerung unterstützt worden wäre. Es gab jedoch einen kleinen Teil der Nation, die ihren orthodoxen Glauben bewahrte. Ich meine nicht diejenigen von der Weißen Armee, die sich selbst Christen nennend, mit Waffen in den Händen ihre Landsleute töteten. Der Bürgerkrieg war kein Krieg zwischen wahren Christen und Ungläubigen. Es war der Krieg zwischen denen, die nur von der westlichen Kultur und Spiritualität verführt wurden, und denen, die in ihrem Fall bis zu Ende gingen, bis zum Kommunismus. Beide waren nicht die wahren Christen. Beide wurden von Gott gestraft.


Wenn ich über die spreche, die nicht verführt wurden, dann meine ich den Teil der orthodoxen Christen (das Überbleibsel des russischen orthodoxen Volkes) die tatsächlich Gottes geliebtes Israel waren, des damals in Russland wohnte. Das war die Russisch-Orthodoxe Kirche von Patriarch Tichon, der die Möglichkeit ausschloss daß ein Christ sich am Bürgerkrieg beteiligt. Hier sind die an seine Herde gerichteten Worte: „Nein, lieber sollen sie uns blutige Wunden zufügen, als daß wir uns der Vergeltung zuwenden, am Ende noch Vergeltung in Form von Massakern, an unseren Feinden oder an denen, die uns der Quell unseres Unglücks zu sein scheint“(zitiert nach einem Artikel L. Il’ina in Pravoslavny Peterburg [Orthodox Petersburg], n. 6, 1993). Ja, er hat die Boschewisten verurteilt, er hatte, glaube ich, eine klare Sicht darüber, daß sie ein Werkzeug in der Hand des Teufels waren. Trotzdem warnte er die Christen vor Hass und Blutvergießen, und er betete für seine Feinde, und er hat ihnen vergeben. Ich sehe keine andere Möglichkeit für dieses Verhalten, als daß St. Thichons Verstänndnis, daß alles nach dem Willen Gottes geschieht, daß es keinen Teufel gibt, der ohne Erlaubnis aktiv werden kann, der Erlaubnis uns Menschen zu lehren, und uns, auch auf diesem schrecklichen weg, zu bestrafen. Anders wäre diese Vergebung unmöglich.

Die Rolle der Juden in der russischen Revolution (wie auch allgemein in der weltweiten kommunistischen Bewegung) ist wirklich furchtbar. Trotzdem ist sie nicht fatal, wie Vt. Sergei Bulgakow es sagte [„Beim Bolschewismus fordert die historische Wahrheit von uns ohnehin die Anerkennung des fatalen Charakters des fatalen Einflusses der Judenheit an der Spitze der kommunistischen Clique, ungeachtet der Tatsache, daß die große Mehrheit des russischen Staates anderen Nationalitäten angehört, zuerst den Russen.“, ibid. p.67] Diese Rolle war deshalb nicht fatal, weil nichts in der Welt fatal ist, alles geschieht gemäß dem Willen Gottes, und könnte aus dieser Sicht gesehen vergeben werden.

Für russische Christen ist es nicht genug eine gute Person zu sein, ein moralischer Mensch, den Juden zu vergeben. Man kann nicht „moralisch“ und „zivilisiert“ sein, wenn Millionen der eigenen Nation getötet werden, wenn Kirchen zerstört werden, wenn es keinen heiligen Ort mehr in der Welt gibt, der nicht geschändet wird von den Kommunisten mit den Juden als ihren Führern.

Ja, alle heiligen Orte in den russischen Landen wurden geschändet. Und doch gab es einen heiligen Ort in den Herzen der russisch-orthodoxen Christen, der der wahren Kirche von Patriarch Tichon gehörte. Diese Christen, die zwar das moralische Recht gehabt hätten die Juden zu beschuldigen, weil sie selbst nicht verführt worden waren, erlaubten es sich selbst nicht. So wie es zur Zeit des mongolisch-tatarischen Jochs war, sagte die wahre Kirche: das wurde uns für unsere Sünden gesandt. Und so müssen diejenigen, die selbst keine Sünden haben (keine persönlichen) die Sünden ihrer Mitchristen als eigene annehmen. Zudem, indem sie für ihre Feinde beteten, ihnen vergaben, erkannten sie sogar die Sünden der Kommunisten, die Sünden der Juden als ihre eigenen an. Denn sie haben nie irgendwen beschuldigt für das was geschah, was bedeutet, daß sie nicht gedacht haben, daß die Juden der Ursprung der Ereignisse der russischen Revolution waren. Alles kam von Gott für unsere Sünden. Das war die Haltung der russischen Kirche, der Kirche von Patriarch Tichon.[Daher sagte der heilige Märtyrer Metropolit Benjamin von St. Petersburg bei seinem Prozess: „Was immer Ihr Urteil sein mag, ich weiß, daß es nicht von Ihnen ausgesprochen wird, es kommt vom Herrn, und was immer auch mit mir geschehen wird, ich werde sagen: Lobe den Herrn“. Diese Worte stammen vom Archimandriten Sergei Shein: „Ich habe keinen Kampf gegen die Sowjetmacht gekämpft, ich habe nur gegen mich selbst gekämpft. Ich werde dem Tod in Frieden begegnen, im Wissen, daß alles andere von Gott kommt.“(see Il’ina, ibid.)]

Wenn wir nun in das moderne Russland zurückkehren, können wir leicht die Frage beantworten, weshalb die Mehrheit des russischen Volkes, besonders die Älteren, weniger antisemitisch sind, als die Völker im Westen. Nach dem Blutvergießen der Revolution und des Stalinismus, kann keiner der in diesen Prozess involviert war, irgendwen anderes beschuldigen. Die Russen, die selbst Unterstützer des kommunistischen Regimes waren (freiwillig oder unfreiwillig) haben kein Recht die Juden zu beschuldigen. Noch viel weniger Recht haben die Juden die Russen zu beschuldigen für die von Juden erlittenen Verfolgungen in den Jahren des Kommunismus. Man hätte ein äußerst schlechtes Bewußtsein, wenn man sich selbst erlauben wirde, irgendwen in dieser Situation zu beschuldigen.

Es gibt jedoch einige Christen, die, wenn sie der Tragödie der russischen Geschichte gewahr werden und selbst mehr oder weniger frei von irgendeiner Beteiligung an der kommunistischen Vergangenheit sind, eine große Versuchung verspüren die Juden zu hassen, sie Kinder des Teufels zu nennen, den Stamm des Antichristen. Noch mehr versucht sind diejenigen orthodoxen Christen, die selbst in das kommunistische Regime involviert waren und nach dem Fall des Kommunismus irgendwen finden wollen, den sie für ihre Sünden beschuldigen können. Und oft wollen sie unbewußt jemanden finden, der sie verführt hat, um von dieser Sünde loszukommen. Was sie brauchen ist ein reines Gewissen. Doch der Weg, auf dem sie dieses reine Gewissen bekommen wollen, hat mit der Lehre der Kirche nichts gemeinsam.

Niemand, auch nicht der, der in die kommunistische Vergangenheit nicht verstrickt war, auch wenn er keine persönlichen Sünde hat, kann zur Kirche Patriarch Tichons und der anderen russischen Neumärtyrer gehören oder zur Kirche von St. Siluan dem Athoniten, der bis zu seinem Lebensende für die Feinde der Kirche betete (namentlich der Kommunisten), niemand kann zu diesem wahren Israel Gottes gehören, wenn er irgendwen beschuldigt, wenn er hasst, wenn er nicht vergibt.

Und für die in Russland lebenden Juden sehe ich keinen anderen Weg um von ihren Ängsten loszukommen, den Ängsten als Stamm des Antichristen beschuldigt zu werden, als in der Kirche des hl. Patriarchen Tichon zu sein. Nur hier, in der wahren Kirche unseres Erlösers, können sie einen Platz finden, wo die Furcht vor der Schuld ihrer Vorväter verschwinden kann. Nur hier können sie sicher wissen, daß niemand sie wegen ihres Blutes beschuldigen wird. Selbst in Amerika hätten sie nicht so viel Sicherheit finden können.

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