Syrien: Zur Beteiligung der CIA am Waffenschmuggel

Am  21. Juni 2012 erschien in der New York Times ein Bericht von Karl Schmitt über die Beteiligung von Offizieren der CIA beim Waffenschmuggel nach Syrien. Als Quelle gab Schmitt namentlich nicht genannte amerikanische Offizielle sowie Offiziere arabischer Geheimdienste an. Der Bericht bietet interessante Einblicke in die Problemlage.


Mitarbeiter der CIA operieren demnach im Rahmen einer verdeckten Aktion im Süden der Türkei und helfen den mit den USA „Alliierten“ bei der Entscheidung, welche Kämpfer der unter dem Namen „Freie Syrische Armee“ (FSA) operierenden Milizen Waffen für den Kampf gegen die syrische Regierung erhalten sollen. Die amerikanischen Offiziere seien schon einige Wochen dort. Sie sollten unter anderem verhindern helfen, daß Waffen jenseits der syrischen Grenze nicht in die Hände von al-Qaida und anderen Terrorgruppen kämen. Transportiert würden die Waffen von einem verborgenen Netzwerk von Zwischenleuten, an dem auch der syrische Zweig der international operierenden Moslembrüder beteiligt sei. Am meisten wisse man bei dieser geheimen Mission darüber, wie in der Türkei geheimdienstliche Informationen gesammelt würden. Man „hoffe“ die „Rebellen-Gruppen“ kennenzulernen und Kontakte zu knüpfen, indem man sie „prüfe“.

Von der syrischen Armee in Homs sichergestellte Waffen (Foto: Anhar Kotschnewa)

Von der syrischen Armee in Homs sichergestellte Waffen (Foto: Anhar Kotschnewa)

Dem Leser wird so der Eindruck vermittelt, daß er keine Bedenken zu haben braucht: „Unsere Jungs von der CIA kümmern sich darum, daß die Terroristen keine Waffen bekommen. Waffen nur für Rebellen.“

Aber wie können CIA-Offiziere von der Türkei aus die verschiedenen Gruppen in Syrien kennenlernen und gleichzeitig auch noch steuern, wer dort die Waffen bekommt? Eine Beteiligung der CIA an der Übergabe der Waffen war in der Zeitung „Die Welt“ dementiert worden, den Transport übernimmt dieses „verborgene Netzwerk“. In der Türkei können die CIA-Leute nur die Schmuggler kennenlernen und „prüfen“. Wie prüft man einen Schmuggler? Ein Schmuggler ist dann ein guter Schmuggler, wenn er das Schmuggelgut zuverlässig über die Grenze bringt. Wenn die in der New York Times veröffentlichen Angaben stimmen, dann können diese CIA-Offiziere nicht mal sagen, ob die Waffen dort angekommen sind — an eine Steuerung ist gar nicht zu denken. Erfüllt werden könnte der behauptete Zweck also nur dann, wenn es gleichzeitig noch eine verdeckte Operation in Syrien gäbe. Gibt es das nicht, dann hängt alles von den Waffen schmuggelnden Moslembrüdern ab.

Emblem der Moslembrüder

Emblem der Moslembrüder

Über die Moslembrüder ist bekannt, daß sie den von Istanbul aus geführten sogenannten „Syrischen Nationalrat“ kontrollieren und darüber hinaus dieser „Freien Syrischen Armee“ beratend zur Seite stehen. Worum es bei dieser Beratung geht, läßt sich einer am 14. März 2012 im ägyptischen Fernsehsender Al-Hekma ausgestrahlten Interview-Sendung entnehmen. Der Ägypter und Generalvorsitzende der Moslembrüder Mohammed Badi‘ Moussa verfügte darin öffentlich, daß es erlaubt sei alawitische Frauen und Kinder zu töten:

Hier der Wortlaut aus dem Interview:

Interviewer: Ist die Tötung von Alawiten — deren Frauen und Kinder — als Vergeltung für ihre Taten erlaubt?

Mohammed Badi‘ Moussa: Ja, mein Bruder. Wir haben den Alawiten ein Kommuniqué mit einer Warnung übermittelt, die die letzte sein dürfte. Unsere Brüder in der Freien Syrischen Armee schickten Anfragen an Gelehrte im Exil, um zu erfahren, ob es erlaubt ist alawitische Dörfer wie Zahra, Eqrima und die Nuzha-Vororte von Homs zu überfallen. …

Die CIA-Offiziere im Süden der Türkei sorgen also dafür, daß die mit derartigen Vorgaben von der Moslembruderschaft geleiteten regierungsfeindlichen Milizen in Syrien Waffen bekommen. Diese Waffen werden, entgegen der Darstellung in der New York Times, nicht zum Kampf gegen die syrische Regierung verwendet, sondern zur Auslöschung ganzer Dörfer — ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit.

Robert Stephen Ford

Robert Stephen Ford

Der ehemalige US-Botschafter in Syrien Robert Stephen Ford sprach vor zwei Tagen von einer Entscheidung, die von den Offizieren und Soldaten der syrischen Armee getroffen werden müßte, und verglich dabei die „barbarischen Taten des Assad-Regimes an der syrischen Bevölkerung“ mit dem Massaker von Srebrenica für das bosnisch-serbische Milizführer vom Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag angeklagt und verurteilt wurden. Wenn hier jemand eine derartige Entscheidung zu treffen hat, dann sind das nicht die Angehörigen der syrischen Armee, sondern die Kämpfer und Führer der FSA-Milizen sowie deren Helfershelfer, von denen Ford gewiss nicht der unbedeutendste ist.

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4 Kommentare - “Syrien: Zur Beteiligung der CIA am Waffenschmuggel”

  1. apxwn Says:

    Das ist doch alles relativ offiziell. AP bringt eine ähnliche Information: „U.S. officials have told the AP that U.S. operatives are sifting among the rebel groups to determine which should receive arms from other Arab nations.“

    aus: AP IMPACT: Syria rebels divided, at times violent. Da stehen auch noch eine Menge anderer interessanter Dinge drin.

    Den Hinweis auf diesen Artikel habe ich von russischer Seite. Man ist also im Bilde.

    • antifo Says:

      In dieser AP-Meldung steht aber nicht drin, was dieser Generalvorsitzende der Moslembrüder im ägyptischen Fernsehen gesagt hat. Darauf kommt es an. Er empfiehlt darin die Auslöschung ganzer Dörfer. Das ist Völkermord, ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit.


  2. […] der Generalvorsitzende der Moslembruderschaft das Töten alewitischer Frauen und Kindern öffentlich genehmigt. Nachdem er dabei sogar die Ausrottung ganzer Dörfer empfahl — ein Verbrechen gegen die […]


  3. […] zu loesen. Einen interessanten Hintergrundbericht am Beispiel Syrien finden Sie auf den Seiten Angst vor Folter ist keine Phobie- Zwischen Christentum und Menschenrecht. An diesen Beispiel zeigt sich, wie schnell Waffen nicht dort landen, wo sie landen sollten. So […]


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