Syrien: Die Angst der Christen ist mehr als eine Fußnote

Anfang Mai 2012 waren zwei Reporter von USA Today in Damaskus, um sich ein Bild von der Lage in Syrien zu verschaffen. Gegenüber diesen Reportern legte der Christ Hani Sarhan Zeugnis über eine Losung ab, die schon zu Beginn des Aufstandes bei Demonstrationen zu hören war: „Christen nach Beirut, Alawiten ins Grab!“ Er und seine Verwandten arbeiten nicht für die syrische Regierung und haben auch sonst nichts mit ihr zu tun. Nachdem sie von dieser Losung erfahren hatten, begannen sie über die wirklichen Ziele der Revolte nachzudenken. Hani Sarhan sagt, daß er Angst um sein Leben hat und deswegen Präsident Assad unterstützt.

Syrisch-orthodoxe Christen bei der heiligen Ostermesse (Damaskus, 15. April 2012)

Syrisch-orthodoxe Christen bei der heiligen Ostermesse (Damaskus, 15. April 2012)

Würde in Deutschland mit solchen Losungen demonstriert werden, man würde es als Volksverhetzung bezeichnen und verurteilen. Die Wortführer würden angezeigt und könnten sich vor Gericht auch nicht auf die Meinungsfreiheit berufen. Man würde darauf drängen, daß derartige Demonstrationen nicht stattfinden dürfen. Ließen sie sich nicht gerichtlich untersagen und verhindern, dann würde das lokale Bündnis gegen Rechts zu Gegendemonstrationen aufrufen und alles unternehmen, um diese Demonstrationen zu blockieren.

Die Angst der Christen und anderer Minderheiten vor den romantisierend als „Rebellen“ bezeichneten bewaffneten Aufständischen in Syrien ist real und begründet. Wer sie zu einer Fußnote der Krise in Syrien machen will, wird sich fragen lassen müssen, wo seine Menschlichkeit geblieben ist. Die bewaffnete Opposition begeht schwere Menschenrechtsverletzungen an Zivilisten. Die Vorstellung, sie ließe sich in eine gute und eine böse, d.h. in Zivilisten mordende und lediglich den syrischen Staat bekämpfende Opposition unterteilen ist eine Theorie. Zu einer Realität kann diese Theorie nur dann werden, wenn sich die bewaffnete Opposition von denjenigen distanziert und sie letztlich auch bekämpft, die derartige Verbrechen begehen. Das tut sie jedoch nicht.

Zur Verhinderung solcher Verbrechen bleibt also niemand anderes als der syrische Staat übrig. Wer diesen Staat bekämpft, der stellt sich automatisch auf die Seite derjenigen, die Zivilisten umbringen. Die syrische Regierung tut nichts anderes als ihrer Schutzverantwortung nachzukommen.

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3 Kommentare - “Syrien: Die Angst der Christen ist mehr als eine Fußnote”

  1. Nichtglauber Says:

    Antifo:
    Zum Thema Houleh nochmal…
    „Wer Taldu einmal gesehen hat, dem kommen Zweifel an den Berichten, denen zufolge mehrere Hundert Soldaten und Assad-Anhänger ohne Gegenwehr ins Dorf gekommen seien. Hula ist seit Dezember 2011 in Rebellenhand. Taldu liegt auf freier Fläche, wo es kaum Möglichkeiten gibt, Deckung zu suchen. Das Dorf ist mit Maschinengewehren und Panzerfäusten leicht zu verteidigen. Die Armee würde Taldu gern zurückerobern, hat es aber bisher nicht geschafft.

    „Natürlich wissen viele Leute in Hula, was wirklich passiert ist“, sagt Dschibril. Doch alle fürchteten um ihr Leben. „Wer dort jetzt den Mund aufmacht, kann nur die Version der Rebellen wiedergeben. Alles andere ist der sichere Tod.““
    http://www.morgenpost.de/politik/ausland/article107255456/In-Syrien-gibt-es-mehr-als-nur-eine-Wahrheit.html


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