Syrien: Sunnitischer Kleriker erlaubte Tötung alawitischer Frauen und Kindern

In der taz war gestern der Artikel Eskalation der Gewalt in Syrien: Jetzt sollen auch die Kurden in den Krieg von Jasna Zajček zu lesen. Kaum jemand fiebert wohl so heftig mit „den Rebellen“ wie die 2005 mit dem CNN Journalist Award ausgezeichnete Journalistin mit Fronterfahrung:

Jasna Zajček: Unter Soldatinnen. Ein Frontbericht (2010)

Frau Zajček gibt an, die taz habe über „Kämpfer der FSA“ im Nordlibanon erfahren, die syrische Luftwaffe flöge seit mehreren Tagen Angriffe mit russischen Flugzeugen. Das sei der Grund für einen Aufruf an die „kurdischen Brüder“ zu den Waffen zu greifen. „Die Elite“ der syrischen Luftwaffe sei „bis heute fast ausschliesslich in alawitischer Hand“.

Das so von ihr gemalte Stimmungsbild ist so schlimm, daß Frau Zajček  sogar meint zu Spenden aufrufen zu können. Es gehe um das Überleben der „Menschen im friedlichen Widerstand“. Die nordlibanesischen Empfänger der Gelder seien in Berlin und Beirut geprüft worden. Die Reaktionen der Leser zeigen deutlich, daß man sich derart freches Hausieren nicht bieten lassen will. Sie erkennen es als psychologische Kriegsführung zur Unterstützung von Terroristen und sprechen von einem Drehbuch für eine Flugverbotszone.

Geschluckt wird von den Leser aber offenbar die Geschichte von dem „schiitisch-alawitischen Regime“. Ist diese Einordung  angemessen?

Richtig ist, daß Schiiten um ihr Leben fürchten müssen, wenn die vom Nordlibanon nach Syrien eindringenden salafistischen Banden sie in die Finger kriegen. Bei den Alawiten heißt es sie würden gehaßt, weil sie in Syrien fast alle Schlüsselpositionen innehätten. Ob das stimmt läßt sich kaum sagen. Fest steht lediglich, daß unsere Medien die Alawiten nicht gerade mögen und die „Freie Syrische Armee“ vor dem Massaker von Hula bei einem sunnitischen Kleriker angefragt hatte, ob es erlaubt sei, auch deren Frauen und Kinder umzubringen. Er erlaubte es:

Angesichts dieses Hasses hätte man in anderen Fällen vielleicht schon von einem drohenden Völkermord gesprochen und der Westen würde erwägen seine eigenen „Rebellen“ zu bombardieren. Stattdessen will man sie bewaffnen. Also kann es kein Völkernord sein, zumal es ja „erlaubt“ ist.

In jedem Fall ist Frau Zajček mit ihrer Einordung der Regierung als „schiitisch-alawitisch“ ein böser Fehler unterlaufen. Die Syrische Arabische Republik ist ein arabisch-sozialistisches Land. Der besonders von eher säkularen Arabern bis heute verehrte Nasser sprach von Syrien als dem Herz Arabiens, so Präsident Assad in seiner Rede am 10. Januar 2012. Er stellte sich darin auch der Behauptung entgegen, daß Angehörige der syrischen Sicherheitskräfte die Morde begangen haben nicht bestraft würden. US-Außenministerin Hillary Clinton nannte diese Rede „eiskalt zynisch“.

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6 Kommentare - “Syrien: Sunnitischer Kleriker erlaubte Tötung alawitischer Frauen und Kindern”


  1. Einfach nur ekelhaft. Diese ,,Rebellen“, welche von den westlichen Mächten mit Waffen ausgestattet werden, sind islamistische Terroristen, die nach dem Sturz von Assad die Scharia in Syrien einführen wollen. Aber dies wird natürlich nie in den Medien erwähnt, denn die eigenen politischen Interessen haben Vorrang.


  2. […] solchen Losungen demonstriert werden, man würde es als Volksverhetzung bezeichnen und verurteilen. Die Wortführer würden angezeigt und könnten sich vor Gericht auch nicht auf die Meinungsfreiheit berufen. Man […]


  3. […] solchen Losungen demonstriert werden, man würde es als Volksverhetzung bezeichnen und verurteilen. Die Wortführer würden angezeigt und könnten sich vor Gericht auch nicht auf die Meinungsfreiheit berufen. Man […]

  4. antifo Says:

    Bei diesem Kleriker handelt es sich um den Generalvorsitzenden der Moslembruderschaft; siehe auch den Artikel zur Beteiligung der CIA am Waffenschmuggel.


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