Islamkritik und Salafismus, Syrien

Nachdem ich meinen hiesigen Artikel zur Reaktion der syrischen „Aktivisten“ auf den ersten Artikel von Dr. Rainer Hermann in der FAZ zum Massaker in Hula bei PI-News als Gastbeitrag zur Verfügung gestellt hatte, wurde mir vorgeworfen, ich schriebe „jetzt … auch noch für die Nazis“ dort. Ich habe im Umfeld von PI niemanden getroffen, den ich eben mal so als „Nazi“ bezeichnen würde. Auch die Kommentare dort sind eher harmlos.

Es gibt aber auch Ausreisser wie etwa den Kommentar Nr. 10 zu meinem Gastbeitrag des Kommentators nicht die mama, dem ich auch scharf widersprach. Bemerkenswert fand ich die Haltung wonach „unsere“ nicht näher ausgeführte oder dargestellte „Kultur“ den „islamisch geprägten ‚Kulturen'“ so haushoch überlegen sein müsse, daß man dort nicht mal von Kultur sprechen könne. Das hat auffallend viel mit dem gemeinsam, was in den Vereinigen Staaten von Amerika von Liberalen zu hören ist.


Als Beleg für diese transatlantisch-geistige Nähe will ich diesen Kommentar zu John Rosenthals zweitem NRO-Artikel zum Massaker in Hula anführen:

I am with Andy McCarthy on this: we need to stay out of it. The more they focus on killing each other, the less they focus on killing us. Sad that they are slaughtering their own innocents, but not worth expending an ounce of our blood and treasure to stop. Maybe the longer these animals kill each other, the faster the rest of the world will come to recognize the danger they and their tribalistic religion pose to civilization.

Bezugnehmend auf Andrew C. McCarthy ordnet Kommentator Pharmamom u.a. die Syrer („they“) als „anmimals“, also als Tiere ein, von denen es das Beste sei, wenn sie sich alle gegenseitig abschlachteten. Das ist wahrlich menschenverachtend und volksverhetzend — die Pest wünscht er „ihnen“ an den Hals. Den Keim für diesen Hass säht McCarthy mit seiner polarisierenden Aussage, wonach „uns“ im Westen die schiere Brutalität zwar schockiert, solche Gewalt dort aber eben zur Alltagskultur („in their culture, quotidian“) gehöre! McCarthy stellt dies als eine „mutige“ und als „selten ausgesprochene Wahrheit“ dar. Das ist die selbe populistisch-schaurige Klaviatur auf auch der Basta-Kommentator nicht die mama bei PI-News spielt.

Bombenanschlag in Damaskus, Bergung eines Toten

Bombenanschlag in Damaskus, Bergung eines Toten

Zwei Punkte will ich festhalten, bevor ich mich mit dem Vorhalt für „Nazis“ zu schreiben befasse:

  • Wer PI-News solcher Inhalte wegen als „Nazi“-Publikation eingeordnet, der wird nicht umhin kommen auch National Review Online als „Nazi“-Publikation zu sehen.
  • Wenn dieser McCarthy den Bürgern in Damaskus, Aleppo oder Latakia erzählen würde, daß gegenseitiges Abschlachten zu ihrer Alltagskultur gehört, dann würde er sich mindestens eine schallende Ohrfeige einfangen.

Nun zu den problematischen Inhalten bei PI-News: Die Behauptung, es handele sich um Rassismus ist falsch. Der Islam ist keine Rasse, sondern eine Religion. Man wird in den Reaktionen auf meinen Gastbeitrag dort auch keine Indizien für Rassismus finden.

Wer im Lager der Islamkritiker nach Gemeinsamkeiten mit den „Nazis“ sucht, der wird dort fündig werden, wo in Artikeln oder Kommentaren freimütig ein brachiales Übermaß an Simplifizierung als der Weisheit letzter Schluss angepriesen wird. Wo unfassbare Realitätsferne in der Pose des mutigen und freien Revolutionärs daherkommt, da ist der Nexus. Daß der seinerzeit als fortschrittlich geltende Nationalsozialismus allemal auch ein Erbe des revolutionären Liberalismus war, hatte der katholische Journalist Michael Ernst ein seinem im Mai 1935 in der Hochland erschienenen Aufsatz über Die Krisis des späten Liberalismus dargelegt:

Insbesondere der späte Liberalismus des 19. Jahrhunderts war nicht mehr nur eine Macht unter Mächten, als solche bekämpft von der Kirche, der Romantik, dem Konservativismus und anderen, sondern über die Krise der Anhänger einer liberalen Weltanschauung hinaus war er wie ein Fluidum in die geistigen Haltungen auch seiner Gegner eingedrungen und hatte sie hinter der Fassade ihrer bewußten Kampfstellunen „liberalisisert“.

Auch der Salafismus kann als Erbe des Liberalismus verstanden werden. Wer mal mit Salafisten diskutiert hat, der wird sich erinnern, wie sie sich mit vor stolz geschwellter Brust unerhörte Freiheiten herausnehmen und dabei den Rest der Welt des Liberalismus bezichtigen. In diesem Sinne sind Salafisten weder muslimisch noch gar konservativ, sondern schlicht lachhaft.

Pierre Vogel (Kommödiant)

Pierre Vogel (Kommödiant)

Im Halse stecken bleibt mir das Lachen allerdings, wenn Philipp Mißfelder (CDU) und deutsche Salafisten gemeinsam zum Unheiligen Krieg gegen Syrien aufrufen.

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7 Kommentare - “Islamkritik und Salafismus, Syrien”

  1. Tourix Says:

    Der Nazivorwurf ist leider zu einem beliebten und populistischen Vorwurf verkommen, um missliebige Kontrahenten mundtot zu machen.
    Ich bin froh, dass einige lautstarke Realisten wie Broder wegen ihrem religiösen Hintergrund dieser Vorwurf nicht gemacht werden kann.
    Außerdem wird dieser Vorwurf langsam abgegriffen. Kramer, Generalpräsi vom Zentralrat der Juden kassierte deswegen sogar mal aus eigenen Reihen geharnischte Kritik.


  2. […] Haltung ist bei den Unterstützern des ”demokratischen” Lagers weit verbreitet und wird offen propagiert. Hillary Clinton (Teuflische […]


  3. […] Syrer und verschweigt dabei, daß er mit seinem Kurs Syrien in ein blutiges Gemetzel stürzen und Amerika zur salafistischen Geisel machen […]


  4. […] Bill Richardson has taken therewith the usual language rules from the Salafists spokesmen in Lebanon. Whether he was aware of this? If he knew it, it does not matter to him, or he even finds pleasure in it, if the Syrians butchered each other. This incredibly cynical attitude is widespread among supporters of the “democratic” camp and is being promoted openly. […]


  5. […] Half adjuring, half criticizing, U.S. media speak about this as an unfinished work. Romney talks about the protection of the Syrians, and conceals, that his course will throw Syria in a bloody massacre, and also would make America to a hostage of the Salafists. […]


  6. […] Bill Richardson has taken therewith the usual language rules from the Salafists spokesmen in Lebanon. Whether he was aware of this? If he knew it, it does not matter to him, or he even finds pleasure in it, if the Syrians butchered each other. This incredibly cynical attitude is widespread among supporters of the “democratic” camp and is being promoted openly. […]


  7. […] nicht nur bei Menschen jüdischer Herkunft. Andrew C. McCarthy, dessen Positionen ich hier und hier kritisiert hatte, gehört für mich der selben Gruppe von Islamkritikern an. Wegen seiner […]


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