Syrien: Die Idee einer russischen Flugverbotszone

Nach der Aussetzung der UN-Beobachtermission in Syrien und dem scheinbaren Patt auf Ebene der Vereinten Nationen haben viele Angst vor einem Dritten Weltkrieg.

Sergei W. Lawrow, der Außenminister der Russischen Föderation, stellte in seinem am 15. Juni 2012 in der Huffington Post erschienenen Artikel fest, daß bereits die Parteinahme der NATO während des Bürgerkriegs in Libyen die Autorität des UN-Sicherheitsrates untergraben hat und daß eine vergleichbare Gewaltanwendung in der syrischen Krise zu katastrophalen Ergebnissen führt, die sich niemand wünschen kann.

Sind diese Ängste begründet?

Es ist recht unwahrscheinlich, daß US-Präsident Obama sich bis zu den Präsidentschaftswahlen im November 2012 für ein direktes Eingreifen ohne Mandat des UN-Sicherheitsrates entscheidet. Ausschließen läßt es sich aber nicht. Auch andere Staatschefs könnten jederzeit vor die Kamera treten und Syrien ein Ultimatum stellen, um nach libyschem Vorbild die einseitige Einstellung der Kampfhandlungen durch die Armee und deren Rückzug in die Kasernen zu fordern. Würde sich die syrische Regierung dem Ultimatum nicht beugen, würde wenige Tage danach der Krieg beginnen. Im Falle Libyens war es Frankreich, das die ersten Luftangriffe flog.

Wie ließe sich das verhindern?

Russland könnte die Initiative ergreifen und selbst eine Flugverbotszone über Syrien einrichten.

Als Grund könnte Moskau Berichte angeben, wonach in Israel die Zerstörung syrische Chemiewaffen mit Luftangriff erwogen wird. Das wäre eine Kriegshandlung, die den von allen befürchteten regionalen Krieg auslösen würde, der dann wohl den Dritten Weltkrieg brächte. Darüber hinaus wäre die Zerstörung dieser Waffen natürlich auch eine enorme Gefahr für die syrische Zivilbevölkerung. Um deren Schutz geht es in der diplomatischen Auseinandersetzung zwischen den Weltmächten.

Um dieser Gefahren zu begegnen, würde also Russland den Schutz des syrischen Luftraums übernehmen und mit der syrischen Regierung die Entsendung einer gewissen Anzahl “Blauer Pelzmützen” vereinbaren, die einzig und allein auf diese Chemiewaffen aufpassen sollen. Berichte, wonach die unberechenbaren und dem Staat Israel zutiefst feindliche gesonnenen Aufständischen diese Waffen an sich bringen wollen, gab es bereits.

Dem Vorhalt einer einseitigen Parteinahme für Assad könnte Lawrow damit begegnen, dass man auch unter einer evtl. nachfolgenden Regierung bereit wäre, für den Schutz Israels vor diesen Chemiewaffen zu sorgen.

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32 Kommentare - “Syrien: Die Idee einer russischen Flugverbotszone”


  1. „Sergei W. Lawrow, der Außenminister der Russischen Föderation, stellte in seinem am 15. Juni 2012 in der Huffington Post erschienenen Artikel fest, daß bereits die Parteinahme der NATO während des Bürgerkriegs in Libyen die Autorität des UN-Sicherheitsrates untergraben hat“

    was für eine Heuchelei.

    so als ob die Russen bei ihrem letzten Feldzug gegen Georgien die UNO um Erlaubnis gefragt hätten:

    http://aron2201sperber.wordpress.com/2012/01/05/der-hooligan-des-antiimperialismus/

    • antifo Says:

      Soweit ich mich erinnere gab es da ein UN-Mandat für OVKS-Blauhelme, im Rahmen dessen u.a. Russland zum Schutz der Zivilbevölkerung verpflichtet war. Georgien war in jedem Fall der Angreifer.

    • antifo Says:

      Im Übrigen glaube ich, dass man in Syrien mit gegenseitigen Vorhaltungen wer wohl der größte Heuchler sei, ganz sicher auf keinen grünen Zweig kommen wird. Das auf Ebene der Vereinten Nationen zur Debatte stehende Problem ist der Schutz der syrischen Zivilbevölkerung. Die von einem IAF-Angriff auf syrische Chemiewaffen ausgehende Gefahr für die syrische Zivilbevölkerung läßt sich nicht leugnen. Israel ist nicht bekannt dafür, dass es bei Fragen der Nationalen Sicherheit auf die Vereinten Nationen vertraut. Das Problem ist also gegeben. Israel und Syrien sind ja auch seit Jahren im Kriegszustand. Wäre ich Lawrow, dann würde ich die Möglichkeit einer russischen Flugverbotszone über Syrien bei meinen Beratungen mit Kofi Annan/Ban ki-Moon in jedem Fall vorbringen und auch mit meinen amerikanischen, französischen und englischen Partnern besprechen.

      • arprin Says:

        „Die von einem IAF-Angriff auf syrische Chemiewaffen ausgehende Gefahr für die syrische Zivilbevölkerung läßt sich nicht leugnen.“

        Und wie schätzt du dann diese Drohung ein, die wohlgemerkt in einer iranischen Zeitung verkündet wurde?
        http://english.farsnews.com/newstext.php?nn=9007100300
        „If a crazy measure is taken against Damascus, I will need not more than 6 hours to transfer hundreds of rockets and missiles to the Golan Heights to fire them at Tel Aviv,“

      • arprin Says:

        Angesichts dieser massiven Vernichtungsdrohungen von Assad denke ich, dass Israel eigentlich das Völkerrecht auf seiner Seite hätte, wenn es Syrien besetzen würde. (Es sei denn, FARS verbreitet zionistische Propaganda für einen imperialistischen Angriffskrieg Israels.)

        Möglicherweise können sich ja Israel und Russland auf ein gemeinsames Vorgehen in Syrien einigen, um die Ermordung von Hunderttausenden israelischen Zivilisten durch syrische WMDs zu verhindern.

        Dazu müsste Assad gestürzt werden und die WMDs unter Kontrolle gebracht werden. Assad könnte dann auch vom ICC wegen des Genozids von al-Hula rechtlich belangt werden. Ein israelisch-russicher Kontrollrat könnte gemeinsam mit einer Militärallianz mithelfen, die Zukunft in Syrien zu gestalten, vor allem, wenn es um die Bekämpfung von islamistischen Banden geht. Obama wird vor den Wahlen sowieso nichts machen, wieso dann nicht Putin?

        Vielleicht könnten sie ja auch Sergej Lawrow ein Brief schicken.

      • arprin Says:

        Die Aussage von Assad, „if crazy measures is taken against Damascus“, könnte man als Relativierung der Drohung betrachten. Allerdings nennt auch die Aussage seitens Israel Bedingungen, von daher: Wenn du Israel als eine Bedrohung für Syrien siehst, solltest du auch Syrien als eine Bedrohung für Israel sehen.

        Assads Aussage ist darüber hinaus noch viel düsterer: Er nennt eine Stadt (Tel Aviv), die er mit Raketen bombardieren will. Dies ist eine Gefahr für das Leben von Hunderttausenden, wenn nicht Millionen israelischen Zivilisten und letztlich auch für die syrischen Zivilisten, da Israel reagieren könnte.

        Wenn Russland an der Sicherheit Syriens und des Nahen Ostens interessiert ist, sollten sie Assad mit aller Macht auffordern, zurückzutreten. Die WMDs müssten dann unter internationale Aufsicht gebracht werden. Israel, Russland und die syrische Übergangsregierung könnten sicher mit dem Terroristenproblem fertig werden, vor allem, da die FSA mit Assads Rücktritt eigentlich ihr Ziel erreicht hätte und viele deshalb den bewaffneten Kampf beenden würden.


  2. irgendein UNO-Mandat gab es auch in Libyen.

    wahrscheinlich eines, das wesentlich weiter ging als jenes, das du gerade zur Legitimation von Russlands Einfall in Georgien herangezogen hast.

    in Tschtschenien gab es auf jeden Fall kein UNO-Mandat.

    den Einfall einer Islamisten-Truppe in ein paar dagestanische Dörfer (die von Tschetschenen bewohnt wurden) hätte man auch rückgängig machen können, ohne ganz Tschtschenien mit einem brutalen Eroberungskrieg zu überziehen:

    http://aron2201sperber.wordpress.com/2012/03/05/wahlergebnisse-in-demokraturen/


  3. wenn man Putin als einen Wohltäter Tschtscheniens betrachtet, verwundert es natürlich nicht, dass man ihn dann auch als einen Wohltäter Syriens betrachtet.

    dabei haben mutige Russen mit ihrem Leben bezahlt, um Putins Machenschaften aufzuzeigen:

    http://aron2201sperber.wordpress.com/2011/05/31/mutmaslicher-morder-gefasst-auftraggeber-frei/

    es ist tragisch, dass ein Volk, das früher so großartige Geistesmenschen hervorgebracht hat, so abstumpfen konnte…

    • antifo Says:

      Nach Tschetschenien, Politkowskaja und Litwinenko kommt jetzt dann wohl noch die Ärzteverschwörung. Auch das könnte etwas mit Putin zu tun haben. Der wurde zwar erst Jahre später geboren, aber vielleicht findet sich ja eine Spur zum Großvater dieses ehemaligen KGB-Offiziers … ?

      Erzähle uns mal lieber, wie man den „Einfall einer Islamisten-Truppe in ein paar dagestanische Dörfer (die von Tschetschenen bewohnt wurden)“ ganz ohne „einem brutalen Eroberungskrieg“ hätte rückgängig machen können. Da gibt es wengistens einen inhaltliche Zusammenhang zum eigentlichen Thema hier.


      • Tschetschenien, Politkowskaja und Litwinenko hatten nach deiner Ansicht nichts mit Putin zu tun?

        Dann hatte die Ärzteverschwörung wohl auch nicht mit Stalin zu tun 😉

        Wie man die Eroberung der dagestanischen Dörfer wieder rückgängig hätte machen können?

        Indem man in den 3 Dörfern einmarschiert wäre und die Islamisten-bande dort aufgerieben hätte.

        der tschetschenischen Regierung, die nicht in der Lage war, die Islamisten selbst los zu werden, hätte man damit wohl einen Gefallen getan.

        stattdessen hat man durch den Marsch nach Grosni die gemäßigten demokratischen Elemente der tschetschenischen Regierung entscheidend geschwächt und den Islamisten den Rücken gestärkt.

    • antifo Says:

      An wen denkst Du eigentlich, wenn Du von den großartigen russischen Geistesmenschen sprichst? Interessiert mich nur so.


  4. […] a more active and resolute partisanship since a long time. There are versions that range from a no-fly zone by Russia up to relinquish of Syria by Russia, virtually without any […]


  5. Die USA darf nicht in Syrien einmarschieren, dann würden sie auch noch ihren Einfluss im Nahen Osten ausdehnen. Ich finde es gut was die Russen und Chinesen machen. Stets marschiert die USA in irgendwelchen Ländern ein, unter der Begründung den dort lebenden Menschen helfen zu wollen, aber die Mehrheit der Menschen ist so verblendet von den Medien, dass sie nicht erkennen das hinter jeder Aktion der USA Öl oder andere politische Interessen stecken. Es gibt echt noch Menschen die glauben das die USA sich um die Menschenrechte in anderen Ländern kümmern würde.

    • antifo Says:

      In der ersten der beiden iranischen Quelle steht:

      „Arabic language website claims“

      Das lese ich so, dass sie es selbst nicht glauben. Wenn es so eine Webseite gibt, weshalb ist die dort nicht verlinkt? Die Meldung, dass russische Schiffe der Schwarzmeerflotte „fertig zum Auslaufen“ sind, wurde von RIA Novosti dementiert. Sie sind natürlich fertig zum Auslaufen, aber es sind keine Marineeinheiten an Bord und es gibt auch keinen Befehl zum Auslaufen.

      Ich lese diese iranische Meldung als etwas, was manche in Teheran sich wohl wünschen würden.

      In jedem Fall glaube ich nicht, daß es so weit ist, dass irgendwer seine Truppen in Marsch setzt oder ein Ultimatum stellt. Mein Artikel hier ist ja nicht mehr als die Skizze für ein Planspiel.

  6. antifo Says:

    Russlands Schwarzmeerflotte: Keine erhöhte Bereitschaft wegen Syrien
    http://de.rian.ru/security_and_military/20120618/263819964.html

    Das stammt von heute. Die Medien, denen Du in anderen Fällen alles abkaufst, ignorieren das russische Dementi und basteln sich ihre Geschichte daraus.

  7. antifo Says:

    Überlegungen wo und wofür Russland militärische Mittel einsetzen sollte
    http://apxwn.blogspot.de/2012/06/iwan-zarewitsch-und-der-graue-wolf.html


  8. ich habe es sowohl in der alten als auch in der neuen Übersetzung von Swetlana Geier gelesen.

    es ist aber nicht emien Lieblingsbuch von D.

    am besten hat mit „Der Idiot“ und „Verbrechen und Strafe“ gefallen

    • antifo Says:

      Mich hat Ds „Erniedrigte und Beleidigte“ am meisten berührt. Auch Tolstoi schrieb sehr gute Romane, aber das ist nichts im Vergleich mit D.

      Wie stehst zu der oft zitierten Aussage „Wenn es keinen Gott gibt, dann ist alles erlaubt“?


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