Hintergründe zu den Ausschreitungen in Moskau vom vergangenen Samstag

Hier ein paar Ergänzungen zur Berichterstattung über den Aufruhr am Manege-Platz in Moskau am vergangenen Samstag:

  • Bei dem Mörder von Jegor Swiridow handelt es sich um einen Bürger Kabardino-Balkariens. Aslan Tscherkesow hat den Mord auch bereits gestanden. Er sagt jedoch, daß er ihn aus “Notwehr” erschossen habe. Eine Schilderung dieser Tat von einem Augenzeugen kann man hier nachlesen.
  • Grund für die allgemeine Gereiztheit, die zu diesem Aufruhr führte, war offenbar, daß die Miliz fünf an diesem Mord „beteiligte“ Kaukasier einfach so laufen ließ, so daß sie sie nun — um dem Mordprozess überhaupt ordentlich abschließen zu können —  ein weiteres Mal suchen muß. Diese Fünf haben nach diesem Bericht die Stadtgrenze Moskaus bereits verlassen. Das Phänomen, daß an einem Verbrechen beteiligte gewaltbereite Jugendliche von der Polizei einfach so entlassen werden, kennt man ja leider auch in Deutschland.
  • Die Russisch-Orthodoxe Kirche hat sich nach dieser Demonstration sehr besorgt gezeigt. Der für die Beziehungen zwischen Kirche und Gesellschaft zuständige Erzpriester Wsewolod Chaplin wird wie folgt zitiert: “Die Situation ist äußerst alarmierend. Nur sofortige und ernsthafte Maßnahmen zur Sicherstellung der friedlichen Koexistenz der Mitglieder der verschiedenen ethnischen Gruppen können Russland wegführen von dem fatalen Abgrund ethnischer Gewalt.” Die restlichen Aussagen in dieser Stellungnahme deuten darauf hin, daß Schludrigkeit und vielleicht auch Korruption bei den Strafverfolgungsbehörden zu beklagen sind.
  • Es stimmt natürlich, daß man „die Kaukasier“ in Moskau nicht mag. Als Grund wird angeführt, daß es eine Kaukasier-Mafia gebe, die Märkte (Obst, Gemüse usw.) dominieren soll.
  • Auch Patriarch Kyrill hat sich mittlerweile zu den Ausschreitungen geäußert. Er empfielt ein „hartes Vorgehen gegen rechtsextreme Bewegungen“, um die „Beziehungen zwischen den Ethnien“ aus ihrem „derzeit gefährlichen Zustand zu führen“.
  • Wladimir Ryschkow von der Koalition demokratischer Kräfte nimmt die Ausschreitungen zum Anlaß, „eine Reform aller russischen Sicherheitsstrukturen“ zu fordern, die „alle Sicherheitsdienste Russlands unter Kontrolle der Zivilgesellschaft“ stellen solle. Nach Angaben des russischen Innenministers Raschid Nurgalijew standen „Vertreter der linksradikalen Jugend, die sich den Fans angeschlossen hatten, hinter den Tumulten“. Wenn das stimmt, dann könne es sich bei den Ausschreitungen um einen Versuch der Opposition handeln, die öffentliche Ordnung in Moskau aus dem Gleichgewicht zu bringen, um sich dann als Retter zu präsentieren.
  • Der Präsident der russischen Teilrepublik Tschetschenien Ramsan Kadyrow warnt in Moskau lebende „tschetschenische Jungs“ eindringlich davor, sich bei der für Mittwoch, den 15. Dezember angekündigten Massenkundgebung von Kaukasiern zu beteiligen. Auch der Präsident der russischen Teilrepublik Kabardino-Balkarien Arsen Kanokow warnt vor dem Schüren von „ethnischem Hader“.
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