Iran und Berlin Tempelhof

Wenn man die Ereignisse im Iran und die in Berlin dieser Tage miteinander vergleicht, kann man sich nur noch darüber wundern, wie verzerrt bei manchen die Maßstäbe sind.

Im Iran hat ein Staat das Vertrauen weiter Teile seiner Bürger verloren und wird nun der Proteste nicht mehr Herr. Auslöser war eine Präsidentenwahl, die eigentlich keine war. Bis zur Rede von Ayatollah Khamenei am Freitag, gab es noch die Möglichkeit einer Lösung im Rahmen der bestehenden Ordnung. Nachdem nun aber noch vor der Neuauszählung der Stimmen vom obersten Führers der Sieg Ahmadinedschads von der „Kanzel herab“ verkündet wurde, hat das System seine eigenen Regeln gebrochen und damit seine Legitimität verspielt. Auf den Zorn der Bürger reagieren die Sicherheitskräfte mit Schüssen in Menge.

Um die Toten kümmert er sich nur noch insofern, als er die Schuld dafür dem politischen Gegner in die Schuhe schiebt und die Verletzten müssen zur Erstversorgung in ausländische Botschaften fliehen, weil in den Krankenhäusern schon die Häscher des Regimes warten, um die Erniedrigten und Beleidigten zu internieren.

Bei der gescheiterten Besetzung des stillgelegten Berliner Flughafens Tempelhof soll es nach den Aussagen der Wortführer darum gehen „Freiräume zu erkämpfen“. Das ist umso lachhafter, als sie ohnehin schon Narrenfreiheit genießen, weil große Teile des politischen Establishments nun schon seit Jahrzehnten nach deren Pfeife tanzen. Deshalb hat Markus Beisicht nicht unrecht, wenn er den Wächterrat im Iran mit den „Blockwarten der Political Correctness“ vergleicht. Repressiv ist bei uns nicht mehr die Staatsmacht, sondern diejenigen, die diese seit Jahrzehnten herausfordern und sich dabei immer neue Methoden der Provokation ausdenken.

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10 Kommentare - “Iran und Berlin Tempelhof”

  1. Noergler Says:

    „Freiräume“ wollen sie erkämpfen, soso. Vielleicht sollten sie sich erst einmal anständige Arbeit suchen.

    Ich bin froh, dass man der Berliner Polizei zumindest diese eine Mal erlaubt hat durchzugreifen!

    Nebenbei, ich habe Antifo gleich mal verlinkt. Das geht ja sicher in Ordnung.

    • antifo Says:

      Habe zurückverlinkt 😉

    • Aves Says:

      Wenn ich mal auf 2 Sachverhalt3 aufmerksam machen darf:

      1. Iran-Wahl: UN-Generalsekretär fordert Achtung vor Willenserklärung des Volkes

      NEW YORK, 15. Juni (RIA Novosti). Nach der im Westen kritisierten Präsidentenwahl in Iran hat UN-Generalsekretär Ban Ki Moon aufgerufen, die Willenserklärung des iranischen Volkes zu respektieren.

      „Ich verfolge aufmerksam die Situation in Iran. Meine Position und die Position der UNO besteht darin, dass der Wille des iranischen Volkes in vollem Maß respektiert werden muss“, kommentierte Ki Moon am Montag in New York das von der iranischen Opposition angefochtene Ergebnis der Präsidentenwahl, bei der Amtsinhaber Mahmud Ahmadinedschad nach offiziellen Angaben gesiegt hat. Der UN-Generalsekretär begrüßte die Ankündigung der geistlichen Führer der Islamischen Republik, den Ablauf der Abstimmung zu untersuchen. Die iranische Opposition hatte von zahlreichen Rechtsverletzungen bei der Auszählung der Stimmen gesprochen.

      – Faktisch setzen sich EU und Presse über die UNO hinweg, was nichts anderes bedeutet, als daß Vermutungen alle demokratischen Regularien ausser Kraft gesetzt haben und systematisch antistaatlicher Terror geschürt werden darf. Der Beweis nämlich, dass es Wahlfälschungen gab, ist nicht erbracht.

      2. Merkel fordert Neuauszählung der Wahlzettel – So, so. Merkel ist also der Ansicht, man solle dem Strassenterror nachgeben und ihn mit demokratischen Rechten ausstatten.
      So gesehen wäre es nur Recht, würden die Unzufriedenen in diesem Land dieser Legitimation annehmen, Pressehäuser, Autos, Hotels anzünden, oder Politiker ermorden, um ihrem Wunsch nach Neuauszählung oder gar Absetzung der Macht demokratischen Nachdruck verleihen.

      Tatsächlich sind Merkels Äusserungen, und nicht nur die, grob völkerrechtswidrig, staatsfeindlich und als Friedensbedrohend, Innen und Aussen, zu werten.
      Die wirklichen Terroristen sitzen in Berlin, Brüssel und in den Medienanstalten! Weg damit!

      • antifo Says:

        Faktisch setzen sich EU und Presse über die UNO hinweg, was nichts anderes bedeutet, als daß Vermutungen alle demokratischen Regularien ausser Kraft gesetzt haben und systematisch antistaatlicher Terror geschürt werden darf. Der Beweis nämlich, dass es Wahlfälschungen gab, ist nicht erbracht.

        Daß es Wahlfälschungen gab, ist mittlerweile vom Wächterrat bestätigt worden. Ich kann auch nicht erkennen, wo die Äußerungen von „EU und Presse“ dem widersprchen würden, was Ban Ki-Moon gesagt hat.

        So gesehen wäre es nur Recht, würden die Unzufriedenen in diesem Land dieser Legitimation annehmen, Pressehäuser, Autos, Hotels anzünden, oder Politiker ermorden, um ihrem Wunsch nach Neuauszählung oder gar Absetzung der Macht demokratischen Nachdruck verleihen.

        Unsinn. Terror und Gewalt sind nie legitim. Ich würde auch jedem im Iran davon abraten, auf die Gewalt der Basij-Milizen u.a. mit Gewalt zu reagieren, „denn wer das Schwert nimmt, der soll durchs Schwert umkommen.“ (Mt. 26,52)

        Tatsächlich sind Merkels Äusserungen, und nicht nur die, grob völkerrechtswidrig, staatsfeindlich und als Friedensbedrohend, Innen und Aussen, zu werten.
        Die wirklichen Terroristen sitzen in Berlin, Brüssel und in den Medienanstalten! Weg damit!

        Daß Steigbügelhalter und Profiteure eines Regimes, das seit Jahren Terroristen finanziert und unterstützt, ein Interesse an der Umdeutung des Begriffes Terrorismus haben, kann ich gut verstehen 😉

  2. Sebastian Says:

    Gibt es denn nun irgendwelche Beweise, dass die Wahl im Iran gefälscht wurde, oder soll hier nur mit Hilfe des Mobs auf der Straße ein (im Ausland) ungeliebter Präsident durch die Hintertür entmachtet werden?

    • antifo Says:

      Siehe

      https://antifo.wordpress.com/2009/06/16/iran-der-spiegelfechter-weis-was-muslime-wahlen/#comment-725

      „Meines Erachtens ist es so, daß man nie erfahren wird, wie wirklich gewählt wurde.“

      entscheidend ist daher, wie das Regime mit der unklaren Situation jetzt umgeht. Daß Ayatollah Khamenei als oberster Führer schon vor der Prüfung der Wahlauszählung zu wissen meint, wie diese Prüfung dann ausgehen wird, spricht Bände über dessen Demokratieverständnis. Hinzu kommt dann freilich der Umgang mit den Demonstranten.

      Daß Ahmadinedschad im Westen nicht gerade beliebt ist, stimmt zwar. Nur kann das im Umkehrschluß ja nicht bedeuten, daß er quasi zu den Guten zählt, die tun und lassen können, was ihnen beliebt. Man muß kein Vasall der USA sein, um das zu erkennen 😉

    • antifo Says:

      Also, jetzt gibt es Beweise, daß die Wahl gefälscht wurde:
      http://www.wadinet.de/blog/?p=1817

      Über drei Mio Stimmen, die irgendwer dazugekippt hat. Da sind doch wohl Neuwahlen angesagt. Oder ist es eurozentristisch die iranischen Bräuche bei Wahlen nicht zu respektieren?

  3. Neugierig Says:

    Wie kann man eine Demonstration in Berlin mit den Ereignissen in Teheran vergleichen? Da liegen Welten dazwischen. Mit der Desinformation die seitens des iranischen Staates und der Propaganda seitens der westlichen Medien getrieben wird, ist es zudem nicht möglich die Lage dort zu beurteilen.
    Ich würde also vorschlagen diesen Vergleich nochmal zu reflektieren und die Polemik einzuschränken.

    @Noergler: Wer sagt denn, dass die Demonstranten keine anständige Arbeit haben? Und welche Arbeit ist unanständig? Deinem Pseudonym nach zu urteilen, kannst du andersdenkende nicht ertragen… Erstmal schön in eine Schublade stecken und nörgeln.

    • antifo Says:

      Wie kann man eine Demonstration in Berlin mit den Ereignissen in Teheran vergleichen? Da liegen Welten dazwischen.

      Genau das war ja die Aussage meines Blogartikels. Wenn man die Protestierer, die „Freiräume erkämpfen“ wollen oder in Straßburg Hotels anzünden fragen würde, was sie denn eigentlich wollen, könnten sie wohl nicht mal eine Antwort geben. Im Iran ist die Sache dagegen klar. Nach dem Wahlbetrug will man Neuwahlen.

      Mit der Desinformation die seitens des iranischen Staates und der Propaganda seitens der westlichen Medien getrieben wird, ist es zudem nicht möglich die Lage dort zu beurteilen.

      Ich würde also vorschlagen diesen Vergleich nochmal zu reflektieren und die Polemik einzuschränken.

      Das ist in der Tat schwer. Offizielle iranische Medien sagen bspw. daß die 13 am Samstag Umgekommenen von „Vandalen“ umgebracht worden seien:
      http://www.presstv.ir/detail.aspx?id=98746&sectionid=351020101
      Das sehe ich ebenso, nur waren das offenbar staatliche Vandalen. Auch die Manipulation (der Wahlen) ging von diesem Staat aus. Von daher ist es schon nachvollziehbar, daß die Menschen Schwierigkeiten haben, die Legitimität der jetzigen Führung noch anzuerkennen. Theoretisch gäbe es wohl einen zu beschreitenden Rechtsweg, aber was sollen die Leute denn machen, wenn das System seine schützende Hand über solche Kräfte hält?

      Im übrigen: Wo ist mein Artikel polemisch?

  4. Dein demokratischer Alptraum Says:

    Vorschlag die selbsternannte „Clowns-Armee“ der verlausten Antifa-Autoanzünder-Stinker von Tempelhof, kann sich ja in den Iran luftverschicken lassen, mal schauen, ob die dort auch noch für „Freiräume“ rumtanzen wollen oder Flaschen auf Polizisten werfen wollen…die werden vermutlich schneller rennen als eine Fliege furzen kann…Aber dann würden sie vielleicht mal kapieren, dass ein bisschen deutsches Pfefferspray ein Dreck gegen einen Treffer von einem Mullah-Gummigeschoss ist!

    Die Puzzilei hätte mal eher in Hunderschaftsgröße (Dekurie) mit Schild und Langstock in Zweierreihe die Stinker vor sich her trieben sollen…wo bleibt der Geist von F.J.Strauß wenn er gebraucht wird!


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