Iran: Der Spiegelfechter weiß, was Muslime wählen

Der Spiegelfechter – das linke Leitblog in Sachen Wirtschaftspopulismus – hat sich auf die Seite von Ahmadinedschad gestellt:

Wenn internationale Medien von einer Wahlfarce und komplett manipulierten Wahlen schreiben, so machen sie sich – gewollt oder ungewollt – zu Handlangern der Opposition.

Dafür macht sich der Spiegelfechter zum Handlanger einer Diktatur. Wenn die Menschen im Iran zu der Überzeugung gelangt sind, daß die Wahlen gefälscht wurden und deswegen zu Zehntausenden auf die Staße gehen, dann gibt es keinen Grund, weswegen die Medien darüber nicht berichten sollten. Sich darüber aufzuregen läuft darauf hinaus, eine weltweite Pressezensur zur „fairen“ Behandlung des iranischen Regimes einzufordern.

Das Ergebnis spiegelt jedenfalls ziemlich genau die Umfrageergebnisse wider, die das unabhängige amerikanische „Center for Public Opinion“ Anfang Mai in Iran durchführte. Landesweit hatte Ahmadinedschad demnach einen Vorsprung von 33%. Die stärkste Zustimmung hat er demnach bei der Gruppe der 18 bis 24jährigen – wenn in den internationalen Medien die Geschichte erzählt wird, dass die jungen Iraner Mussawi haben wollen, so ist dies schlichtweg falsch. Die einzigen Gruppen, die in den Umfragen mehrheitlich Mussawi bevorzugen, sind Studenten, Akademiker und die Reichen des Landes – aber diese Gruppen sind in Iran, wie auch überall sonst auf der Welt, nicht die Bevölkerungsmehrheit. Es ist also wahrscheinlich, dass Ahmadinedschad allen Unregelmäßigkeiten und Indizien auf Wahlfälschungen zum Trotz, die Wahlen auch tatsächlich gewonnen hat.

Laut dieser Umfrage soll es auch den Wunsch geben, daß Irans oberster Führer gewählt werden kann. Möglicherweise erhoffen sich die Menschen von Mussawi, daß er eben das durchsetzt. Wenn das TV-Duell zwischen Mussawi und Ahmadinejad nach dieser Umfrage gewesen wäre, könnte das (zusammen mit Obamas Rede in Kairo) der Grund für den Stimmungsumschwung sein.

Der Westen sollte sich mit Wertungen generell zurückhalten – Demokratie ist nun einmal die Herrschaft des Volkes, ob einem dies passt oder nicht.

Wo wertet der Westen denn? Der Westen fordert lediglich, was auch der UN Generalsektetär Ban Ki-Moon fordert: Eine Überprüfung der Wahlergebnisse und freie Berichterstattung darüber. Wo ist das Problem, Herr Berger?

Wenn der Muslim nicht so wählt, wie es der Christ gerne hätte, dann sollte es zur demokratischen Etikette gehören, dies als Willensbekundung zu akzeptieren.

Gut, daß der Spiegelfechter wei, wie „der“ Muslim wählt!

Khamenei … lässt die Stimmen nachzählen. Dies wird sicherlich kein anderes Ergebnis bringen, aber es wird ihm und der Regierung Zeit verschaffen.

Phänomenal, was der Spiegelfechter alles weiß!

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3 Kommentare - “Iran: Der Spiegelfechter weiß, was Muslime wählen”

  1. Paul Says:

    „Wenn das TV-Duell zwischen Mussawi und Ahmadinejad nach dieser Umfrage gewesen wäre, könnte das (zusammen mit Obamas Rede in Kairo) der Grund für den Stimmungsumschwung sein.“

    oder eben auch nicht… Währe schon ein Krasser Umschwung.

    „Gut, daß der Spiegelfechter wei, wie “der” Muslim wählt!“

    Ich denke das ist nicht nur auf den Iran bezogen. Als die Hamas stärkste Kraft im Gaza-Streifen wurde, wurden fast alle Diplomatischen Beziehungen zu Palestina eingestellt. Im Moment hab ich auch das Gefühl, das viele Denken, das die Wahl gefälscht sein muss, da ja niemand sojemand wie Ahmadinedschad wählen würde.

    Weder ich noch „der Spiegelfechter“ haben behauptet das Ahmadinedschad die Wahlen gewonnen hat. Auch haben wir nicht die nicht-öffentliche Wahl verteidigt oder das jetzige Vorgehen der Polizei gerügt…

    • antifo Says:

      Hallo Paul,

      ich hab die Diskussionen dort nicht im Detail verfolgt. Wenn im Artikel aber steht

      Dies wird sicherlich kein anderes Ergebnis bringen, aber es wird ihm und der Regierung Zeit verschaffen

      dann bedeutet das eben, daß Jens Berger sich hier auf eine Seite geschlagen hat.

      Die Situation in Gaza taugt nicht als Vergleichspunkt für den Iran. Grund ist, daß der Iran die Hamas (und Hisbollah) ja schon seit Jahren finanziell unterstützt. Nachdem die wirtschaftlichen Probleme des Landes unter Ahmadinedschad eher schlimmer geworden sind, ist es plausibel, daß die Hoffnung auf eine Entspannung zwischen den USA und dem Iran zu einem Stimmungsumschwung geführt hat, der zulasten von Ahmadinedschad ging. Daß Mussawi vmtl. genauso wenig zu Kompromissen bereit ist, wie Ahmadinedschad, widerspricht dem nicht, weil in Stimmungen ja immer auch etwas Irrationales mitschwingt. Wenn ich dann noch das TV-Duell mit dazu nehme, erscheinen mir die (angeblich) aus dem Innenministerium gesickerten „echten“/echten Zahlen durchaus plausibel. Wirklich mißtrauisch macht mich, daß die Zahlen von den Umfrageergebnissen von Mitte Mai, die bei der Wash. Post veröffentlicht wurden, denen des offiziellen Wahlergebnisses auf’s Haar gleichen. Wieso gibt es diese Zahlen überhaupt, während es im Iran keine Wahlumfragen gibt? Der Rockefeller Brothers Fund hat da doch nicht Geld in die Hand genommen, um „Entwicklungshilfe“ im Iran zu machen. Ein großer Teil der Manipulation der öffentlichen Meinung geschieht doch mit Geldern aus US-amerikanischen Industriestiftungen:
      https://antifo.wordpress.com/2009/03/22/zur-geschichte-von-human-rights-watch/

      Statt die Situation im Iran zu analysieren sollte man eher mal auf die verschiedenen Lager in den USA gucken. Zwischen Liberalen und Konservativen gibt es ja durchaus handfeste Interessensgegensätze und natürlich spielen beide Lager da auch ihre Spielchen 😉

      Wenn Du
      https://antifo.wordpress.com/2009/06/17/iran-warum-kein-krieg-ausbrechen-wird/
      durchliest, wirst Du sehen, daß ich auch überhaupt kein Problem damit habe, in der derzeitigen Situation im Iran etwas von einer farbigen Revolution zu erkennen. Ich halte es nur für einen Fehler, daraus zu schließen, daß das offizielle Wahlergebnis tatsächlich stimmen würde.

      Meines Erachtens ist es so, daß man nie erfahren wird, wie wirklich gewählt wurde. Grund ist, daß jetzt ja nur Teile der Stimmen neu ausgezählt werden sollen. Ich denke das war unklug. Entweder ich zähle alles neu aus oder ich halte Neuwahlen ab.

      Grüße,
      Antifo

  2. Paul Says:

    mist… das gerügt am ende ist Falsch… *G*


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