Mediale Wählerschelte statt fundierter Analyse

In der Welt kommentiert Michael Stürmer als „Chefkorrespondent“ heute die Europawahlen.

Den Politikern schreibt er – völlig zurecht – dieses ins Stammbuch:

Wählerbeschimpfung seitens der Politiker hat ungefähr die moralische Durchschlagskraft des Pfarrers, der am Weihnachtsabend die Anwesenden, statt sie zu loben, mit Vorwürfen bedenkt.

Leider vergißt Herr Stürmer dann aber, daß er als Journalist hier natürlich eine Vorbildfunktion hat:

Ausgerechnet in den Niederlanden, bisher mehr für Versäulung als für Extremismus bekannt, rückte mit Geert Wilders ein Lautsprecher der Fremdenfeindlichkeit an die zweite Stelle der Popularität.

Mitverantwortlich für die von Herrn Stürmer als „Störenfriede“ bezeichneten Mandatsträger im EU-Parlament sind sicherlich auch Kommentaroren, die sich in ihrer Selbstverliebtheit aus Geert Wilders einen „Lautsprecher der Fremdenfeindlichkeit“ basteln.

Guter Journalismus würde fragen, inwieweit es sich bei den von Herrn Wilders vertretenen Forderungen um berechtigte Anliegen der Niederländer handelt und das dann hinterfragen. Das mag anstengend sein und Zeit kosten, wäre aber in jedem Fall nutzbringend.

Denn: Wählerbeschimpfung seitens der Medien hat ungefähr die moralische Durchschlagskraft des Pfarrers, der am Weihnachtsabend die Anwesenden, statt sie zu loben, mit Vorwürfen bedenkt.

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