Obama in Buchenwald

Kommende Woche will der US-Präsident Obama unter anderem die KZ-Gedenkstätte Buchenwald besuchen. In der Welt schreibt Alan Posener dazu:

Ronald Reagan ging mit Helmut Kohl auf einen deutschen Soldatenfriedhof in Bitburg. Barack Obama wird mit Angela Merkel das deutsche KZ Buchenwald besuchen. Bitburg sollte einen Schlussstrich ziehen und löste stattdessen den Historikerstreit aus; Buchenwald soll zeigen, dass Obamas Amerika in der Tradition der Befreier von damals steht. Dazu passt, dass Obama von Thüringen aus in die Normandie fährt, zur 65-Jahr-Feier der Landung der Alliierten.

Die Freiheit, so die Botschaft, fordert Opfer. Amerika hat diese Opfer gebracht und bringt sie noch. Jetzt ist auch Europa gefordert. Reagan wollte Deutschlands Bündnistreue belohnen; Obama fordert von seinen Verbündeten Taten.

Als die US-Armee Buchenwald befreit hatte, zwang der Kommandant die Bevölkerung Weimars, das Lager zu besuchen und sich das Grauen anzuschauen, das sie zu gern verdrängt hatte. Heute meint der Leiter der Gedenkstätte, beim Besuch könne es nicht um leere Pietät gehen, sondern um „Lernen für die Zukunft“. Das heißt wohl, dass man heutige Bedrohungen der Freiheit nicht verdrängen darf, ob aus Teheran, Pjöngjang oder Moskau. Das dürfte Obamas Botschaft in Buchenwald sein.

Es ist unredlich, den Besuch einer KZ-Gedenkstätte mit politischen Forderungen zu verknüpfen. Genau das wird Obama aber tun. Um Gedenken geht’s dem nämlich nicht. Das ist in etwa das selbe, wie bei der Rede Joseph Fischers kurz vor dem völkerrechtswidrigen NATO-Angriff auf Jugoslawien, bei der dieser mit Auschwitz argumentiert hatte. Totengedenken und Politik hält man besser getrennt, weil sonst keine nüchterne Abwägung der Argumente mehr möglich ist.

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3 Kommentare - “Obama in Buchenwald”


  1. Es wird allmählich an der Zeit, daß ein deutscher Bundeskanzler gelegentlich seines Besuchs der USA auch einmal die diversen Stätten der Indianervernichtung aufsucht und zum Beispiel den Trail of Tears der Cherokee-Indianer nachgeht.

    MfG
    Christoph Heger

  2. Shalom Says:

    Gibts ja nicht.


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