Nadja Benaissa: Todessehnsucht und ewiges Leben

In der FAZ schreibt heute Christoph Gunkel über Absichtliche HIV-Infektionen – Eine Art von Todessehnsucht.

So bizarr es ist worüber er berichtet, so lehrreich ist es.

Hier ein Ausschnitt:

„Endlich!“, dachte Richard, als er im Sommer 2006 erfuhr, dass er sich mit HIV angesteckt hatte. „Ich war froh, erleichtert, glücklich, euphorisch“, erinnert er sich an den Moment nach der Diagnose. Jahrelang hatte er russisches Roulett gespielt, bewusst versucht, sich anzustecken. Er schlief ohne Kondom mit Männern, die er flüchtig über das Internet kannte. Von denen er wusste, dass sie positiv waren. Von denen er hoffte, dass sie ihm das Virus geben würden. Er tat es erst aus Fatalismus und weil die Todesgefahr reizte. Und schließlich aus unendlicher Liebe.

„Bug chaser“ nennen sich Suchende wie Richard (Name geändert), die sich absichtlich mit HIV infizieren wollen. „The gift“, das Geschenk, heißt das Virus in der Szene zynisch – und wer es absichtlich weitergibt, adelt sich zum „gift giver“. In Deutschland nennen sich diese Leute auch „Pozzer“ von „pozzen“ – jemanden „positiv machen“. Eine bizarre Sprache hat sich da in einer Nische innerhalb der Schwulenszene entwickelt, von der umstritten ist, ob sie groß genug ist, um überhaupt als Szene zu gelten: Es gibt kaum belastbare Statistiken, obwohl sich Sexualforscher und Soziologen damit beschäftigen. Nur in einem sind sie sich einig: Das Phänomen existiert – und mit dem Internet breitete es sich aus.

Begreifen läßt sich diese Unfaßbarkeit, wenn man es mit dem Verhalten von Rauchern vergleicht. Trotzdem ja jeder weiß, daß mit jeder Zigarette der Zeitpunkt des eigenen Todes näher in die Gegenwart gezogen wird, gibt es zahllose Menschen, die rauchen.

Hier wie dort handelt es sich um eine Sehnsucht zur Selbstzerstörung, die Psychologen wohl als Kompensation erklären würden. Ob das bei absichtlichen HIV-Infektionen tatsächlich der richtige Interpretationsansatz ist, läßt sich schlecht sagen: Einerseits handelt es sich nur um eine sehr kleine Gruppe und andererseits ist die Psychologie selbst ja auch nicht unumstritten. Und bei Sexualforschern und Soziologen ist sowieso Hopfen und Malz verloren.

Homosexualität, Leichtsinn und mehr - ein schwer erklärbares Phänomen

Absichtliche HIV-Infektionen: Die Wissenschaft weiß keine Antwort

Ein weiterer Ausschnitt diskutiert die Probleme, die sich aus dem Phänomen ergeben:

Man kann leicht solch ein Verhalten kritisieren – ethisch, religiös, gesellschaftspolitisch: die Unverantwortlichkeit, bewusst eine der schlimmsten Geißeln der Menschheit zu verbreiten. Den fahrlässigen Umgang mit dem eigenen Leben. Die Kosten für das Gesundheitssystem. Die Gefahr, dass Homosexuelle wegen des Verhaltens Einzelner mit alten Vorurteilen kämpfen müssen. Und auch aus juristischen Gründen ist das Verhalten problematisch – wie jüngst der Fall des „No Angels“-Stars Nadja Benaissa beweist: Die Sängerin sitzt wegen des Vorwurfs der „gefährlichen Körperverletzung“ in Untersuchungshaft, weil sie ungeschützten Sex gehabt haben soll, ohne ihre Partner vorher zu informieren, dass sie HIV-positiv ist. Mindestens einen Mann soll Benaissa infiziert haben, so die Staatsanwaltschaft. Auch wenn die Vorwürfe nur schwer zu beweisen sein dürften und Benaissa Vorsatz nachgewiesen werden müsste, gab es in der Vergangenheit bereits mehrere Verurteilungen wegen absichtlicher HIV-Infektionen. In Köln wurde ein Mann zu acht Jahren Gefängnis verurteilt, weil er vier Frauen ansteckte. Und selbst wer seinen Partner nicht infiziert, macht sich potentiell strafbar, wenn er vor ungeschütztem Sex seine HIV-Infektion verschwiegen hat.

Was zeigt das, wenn nicht, daß es eine ungeheure Unsicherheit und Hilflosigkeit in Bezug auf HIV-Infektionen gibt?

Nachdem die Schuldfrage nicht diskutiert werden „darf“, führt die moralische Unsicherheit zu einer rechtlichen Unsicherheit und die rechtliche Unsicherheit fördert ihrerseits wiederum die moralische Unsicherheit. Mir kommt es daher so vor, als wäre diese Todessehnsucht eine Art von Kapitulation der Betroffenen vor der in einer permanenten Ambivalenz offen gehaltenen Frage, wie jeder Einzelne mit dem Problem umgehen soll. Denn der Begierde aus dem Fleisch können wir ja nur durch Gottes Gnade entkommen. Wer diese aber nie gesucht hat, der tötet sein Fleisch dann eben gleich selbst. 

In Gal. 5, 16-18 schrieb Paulus:

Lebt im Geist, so werdet ihr die Begierden des Fleisches nicht vollbringen. Denn das Fleisch begehrt auf gegen den Geist und der Geist gegen das Fleisch; die sind gegeneinander, sodass ihr nicht tut, was ihr wollt. Regiert euch aber der Geist, so seid ihr nicht unter dem Gesetz.

Das zeigt, daß die ausweglose Situation zwischen der Gefangenheit im eigenen Fleisch und der von Politik und Verbänden, wie der Deutschen AIDS-Hilfe, aufrecht erhaltenen rechtlich-moralischen Schwebe nicht anders, als in einer Neugeburt durch die Taufe in den Tod (Röm. 6, 3) und das ewige Leben in Christus Jesus überwunden werden kann.

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2 Kommentare - “Nadja Benaissa: Todessehnsucht und ewiges Leben”

  1. Klosterschüler Says:

    Naja, statistisch befindet sich unter hundertfünfzig Erwachsenen einer mit einer florierenden Psychose. Warum über aktive Selbstzerstörung einer ganz kleinen Gruppe soviel Tiefsinn ausbreiten?

  2. antifo Says:

    Die Statistik sagt aber auch, daß AIDS sich immer mehr ausbreitet.

    Der Tiefsinn kommt daher, daß auch Randphänomene eine Bedeutung haben:

    https://antifo.wordpress.com/2009/04/19/nadja-benaissa-was-sagt-die-wissenschaft/


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