Die Mietlinge der Massenmenschhaltung

Es scheint einen gewissen Trend zu geben, die Erkenntnisse von Tierschützern im Kampf gegen Massentierhaltung in die Soziologie, Politikwissenschaft und andere Teilbereiche der Philosophie zu übertragen.

Für mich hört sich das sehr seltsam an, weil damit die Grenze zwischen Mensch und Tier verwischt wird. Die Befürworter argumentieren aber meist, daß der Mensch sowieso keinen freien Willen hätte und sich daher kaum von einem Tier unterscheide. Daß er keinen freien Willen haben könnte, wird damit begründet, daß er deterministisch funktioniere und somit kaum mehr als eine Maschine sein könne. Wer diesen Gedanken weiter verfolgt, landet automatisch bei kollektivistischen Zwangssystemen, die einer Massenmenschhaltung gleichkommen.

Der Fehler liegt freilich darin, den einzelnen Menschen nicht mehr primär als Individuum zu sehen, sondern ihn auf seine Rolle als Herdentier zu reduzieren.

Wenn es schon so sein soll, daß ich nur das Schaf einer Herde bin, dann will ich wenigstens einen Hirten haben, der mich als Schaf einzeln kennt und um meine Probleme weiß.

Soziologen und Politikwissenschaftler können das nicht. Denen ist eher am eigenen Broterwerb gelegen, als daran, daß jeder einzelne Mensch würdig behandelt und einzeln gesehen wird. In Begriffen des Menschen als Einzelnem zu denken sind sie aber gar nicht in der Lage, weil sie dann ja aus der Zunft der Massenmenschhalter aussteigen müßten. Wenn also jemand rein deterministisch funktioniert, dann doch wohl diese Philosophen.

Ein Dieb kommt nur, um zu stehlen, zu schlachten und umzubringen. Ich bin gekommen, damit sie das Leben und volle Genüge haben sollen. Ich bin der gute Hirte. Der gute Hirte lässt sein Leben für die Schafe. Der Mietling aber, der nicht Hirte ist, dem die Schafe nicht gehören, sieht den Wolf kommen und verlässt die Schafe und flieht – und der Wolf stürzt sich auf die Schafe und zerstreut sie -, denn er ist ein Mietling und kümmert sich nicht um die Schafe. Ich bin der gute Hirte und kenne die Meinen und die Meinen kennen mich, wie mich mein Vater kennt und ich kenne den Vater. Und ich lasse mein Leben für die Schafe. (Joh. 10, 11-15)

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4 Kommentare - “Die Mietlinge der Massenmenschhaltung”

  1. Martin Says:

    Wie die meisten seriösen Soziologen bin ich zwar immer offen für die Kritik an unserem Fach, die Aussagen hier sind aber wenig substanziell. Von ein paar Ausnahmen abgesehen, versucht die Soziologie durchaus, den Einzelnen in seiner Existenz zu erfassen. Dass der Einzelne auch (aber nicht nur) durch Gesellschaft geprägt ist, ist ja wohl kaum Gegenstand von Debatte (oder doch?).

    Jesus wäre mit Sicherheit ein Fan der Soziologie gewesen, klärt sie doch darüber auf, wie die Menschen leben und was für Folgen das hat(also z.B. auch über Armut, was den Anführer einer Armutsreligion sicher interessiert hätte). Ich bin mir aber nicht sicher, ob er ein Fan der katholischen Kirche gewesen wäre. Wenn ich mich recht erinnere, hat er sich (laut Bibel) stets gegen das Pharisäertum eingesetzt, also gegen Scheinheiligkeit und die Geldmacherei durch Religion.

    Zugegeben, jetzt habe ich auch ein bisschen vereinfacht. Aber diese Replik erscheint mir hier schon notwendig, um eine gewisse Schwarz-Weiss-Malerei (die Jesus auch – laut Bibel – meist abgelehnt hat) zu durchbrechen.

  2. Dipl. Soz. Says:

    Als diplomierter Soziologe kann ich Dir ganz klar mitteilen, dass Deine Aufführungen sehr unvollständig sind. Klar gibt es sehr stark deterministische Perspektiven in der Soziologie, die i.d.R. von den Strukturen ausgehen und menschliches Handeln von diesen ausgehend zu erklären versuchen. Konsequent bis zum Ende gedacht, ergibt sich hier durchaus die Marionette ohne eigenen Willen. Hier endet Deine Perspektive auch schon, vermutlich hast Du mal was über Strukturen gelesen oder im TV gehört…Aber wo bleibt in Deiner Überlegung die konstruktivistischen Perspektive nach der Strukturen vom Menschen geschaffen werden?? Hierüber findet sich in Deinen Aussagen leider nur eine klaffende Lücke und Deine Schlussfolgerung zu Soziologen und Politikwissenschaftlern basiert demzufolge lediglich auf gefährlichem Halbwissen und kann demzufolge nicht als ausreichend reflektierte, alle Aspekte berücksichtigende Aussage gewertet werden. Dumm gelaufen, so ist das eben als Laie 😉


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