NATO renkt sich beim Dialog die Schulter aus

Es gibt Fälle, in denen man mit einer bildhaften Sprache der Wahrheit näher kommt, als wenn man sich in komplexen Analysen ergeht. Wenn der künftige NATO-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen in den Balanceakt zwischen einem Einstehen für die auch von der türkischen Führung bedrohte Pressefreiheit und dem unvermeidlichen Dialog mit der islamischen Welt hineingedrängt wird und sich nahezu zeitgleich die Schulter ausrenkt, darf man wohl von so einem Fall sprechen.

Im Focus liest sich das so:

Anders Fogh Rasmussen kündigte an, in seinem neuen Amt Rücksicht auf religiöse Empfindlichkeiten zu nehmen. In einer kurzen Ansprache an ein Treffen der „Allianz der Zivilisationen“ in Istanbul sagte Rasmussen am Montag zum Karikaturen-Streit, er sei nie für die Herabwürdigung des Propheten Mohammed eingetreten und respektiere die religiösen Gefühle anderer Menschen. Als Nato-Generalsekretär wolle er den Dialog mit der islamischen Welt intensivieren. Er betrachte dies als „ganz besondere persönliche Verantwortung“.

wenn Rasmussen den Dialog mit der gesamten islamischen Welt zu seiner „ganz besonderen persönlichen Verantwortung erklärt“, dann hat er damit mehr preisgegeben, als wenn er sich für die Karikaturen unnötigerweise entschuldigt hätte. Denn aus einer persönlichen Verantwortung folgt ja immer auch eine persönliche Haftung. Wenn sich also denmächst irgendwo in Aghanistan ein moderater Taliban verletzt fühlt, hat er also das Recht mit seinem Satelliten-Telefon den NATO-Generalsekretär aus dem Schlaf zu klingeln und mit diesem über die Gründe seines Versagens beim Dialog zu reden. Rasmussen haftet – nicht anders, als frühere Vasallen des osmanischen Reiches – mit seinem Kopf.

Rasmussen gibt dem ehem. iranischen Präsidenten Chatami die Hand

Rasmussen gibt dem ehem. iranischen Präsidenten Chatami die Hand

Statt also die Konsequenzen aus der Unvereinbarkeit der Gegensätze zu ziehen – vorstellbar wäre ein stärkerer Fokus auf ein rein europäisches Verteidigungsbündnis gewesen – verkommt die NATO nun also zu einem globalen Dialogforum mit dem militärischen Aspekt als nebensächlicher Folklore.

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