Das Militärwesen der USSR

Von XXX (XXX soll „vermutlich ein weißer General – wie Petr Krasnov oder Alexey von Lampe“ sein) 

Krieg und Wehrmacht 

Die prinzipielle Verneinung des Pazifismus und die scharfe Unterscheidung zwischen dem Kriegs- und Rüstungsrecht der Bourgeoisie einerseits und dem des Proletariats andererseits — bilden die Grundsätze der kommunistischen Militär-Doktrin. Die Kommunisten erkennen die Notwendigkeit der Rüstungen an, aber nur für sich allein. Gewisse Kriege betrachten sie nicht nur als gesetz- und zweckmäßig, sondern sogar als erwünscht. 

„Die Geschichte weist Kriege auf, die ungeachtet der mit jedem Kriege unvermeidlich verbundenen Schrecken, des Elends und der Qualen fortschrittlich, d.h. für die Entwicklung der Menschheit von Nutzen waren“.1) So sind z.B. die Napoleonischen Kriege nützlich gewesen; wenn sie auch „Plünderung und Eroberung fremder Länder durch die Franzosen mit sich brachten, so ändert das an der historischen Bedeutung dieser Kriege nichts, weil sie den Feudalismus und Absolutismus zerrütteten und erschütterten“.2) Gleichfalls halten die Kommunisten alle Bürgerkriege für nützlich und notwendig, ebenso wie Kriege eines proletarischen Staates gegen die bürgerlichen. Selbstverständlich gilt dabei als proletarisch nur ein von Kommunisten regierter Staat. 

Bei einem Kriege zwischen zwei bürgerlichen Staaten ist das Proletariat dazu berufen, alles daranzusetzen, um diesen „imperialistischen Krieg in einen Bürgerkrieg zu verwandeln“. 

Von diesem Standpunkt aus ist jeder Krieg zwischen „Imperialisten“ erwünscht, denn „während die Kommunisten den imperialistischen Krieg von ganzer Seele hassen, müssen sie sich doch freuen, daß dieser Krieg Millionen und aber Millionen die Waffe in die Hand drückt“.3) 

Indem also die Kommunisten die Losung: „Verwandlung des imperialistischen Krieges in einen Bürgerkrieg“ in den Vordergrund rücken, müssen sie auch den Defaitismus dem Proletariate der bürgerlichen Staaten auf die Fahne schreiben. Dieser wurde zu einem der Grundprinzipien ihrer Kriegslehre. 

Allerdings halten es die Kommunisten für notwendig zu unterstreichen, daß sie, indem sie den Defaitismus im bürgerlichen Staate predigen, damit keinesfalls eine Vaterlandsverteidigung verneinen, sobald dies Vaterland „sozialistisch, proletarisch wird“.4) 

Das sind die wichtigsten Grundzüge der kommunistischen Doktrin auf dem Gebiete des Wehrproblems. Dementsprechend ist auch ihre Ansicht über das Rüstungsrecht zwiefach. Die Rüstungen der „proletarischen“ Staaten sind nützlich und fortschrittlich. „Im bürgerlichen Staate dagegen ist jede Armee, ob Berufs- oder Volkswehr, als ein Unterdrückungsapparat“ anzusehen, und deshalb „sind die Kommunisten grundsätzliche Gegner einer jeglichen militärischen Organisation im kapitalistischen Staat“.5) 

Dabei werden als proletarische Staaten, wie gesagt, nur solche betrachtet, in denen die Herrschaft den Kommunisten gehört. In dieser Hinsicht ist das Verhalten der Kommunisten zur Österreichischen Bundeswehr durchaus charakteristisch. Sie stellen fest, daß diese Armee „ihrer Zusammenstellung nach keineswegs reaktionär ist, denn maßgebend für die Aufnahme in diese Armee ist nicht eine reaktionäre, sondern eine republikanische Gesinnung. Die überwiegende Mehrzahl bilden in dieser Armee die Sozial demokraten. Diese Armee ist vor der großen Masse verhältnismäßig wenig isoliert, ihr steht das politische Wahlrecht frei, und folglich kann sie sich am politischen Leben beteiligen; sie ist berufsmäßig organisiert, und sogar die Kommunisten können in ihr verhältnismäßig ungehindert arbeiten“.6) – Trotz alledem gilt diese Armee nicht als „proletarisch“. Die Kommunisten betrachten sie als eine negative Erscheinung und behaupten sogar, sie wäre „als ein Söldnerheer dem Proletariate viel gefährlicher als eine auf der allgemeinen Wehrpflicht aufgebaute Armee“,7) wie z.B. die italienische oder die französische. 

Als einzige daseinsberechtigte Armee gilt den Kommunisten letzten Endes nur die Rote Armee, die Wehrmacht der Sowjetunion; doch auch nur solange, als die kommunistische Partei in ihr die Oberhand behält. „Wenn die Sowjets ohne Kommunisten einer Konterrevolution gleichzustellen sind, so ist die Rote Armee ohne Kommunisten gleichfalls Konterrevolution'“.8 ) Alle anderen Armeen müssen folglich abgeschafft, entwaffnet oder durch kommunistische Propaganda zersetzt werden. – 

„Unsere Losung“ — erklärt die „Kommunistische Internationale“ — „muß lauten: Ausrüstung des Proletariats, damit es die Bourgeoisie besiegen, enteignen und entwaffnen kann.“ Erst nachdem dies geschehen sein wird, darf das Proletariat, „ohne seiner historischen Mission untreu zu werden, jegliche Munition zum alten Eisen werfen“. Und das wird zweifellos geschehen, doch auf keinen Fall eher, als das Proletariat den endgültigen Sieg davongetragen hat.9) 

1 ) Entnommen dem Aufsatz „Wojna i Leninism“ (Krieg und Leninismus) in der Zeitschrift „Woennij Westnik“, Nr. 28, 1924. 
2 ) Ebendaselbst. 
3 ) Zeitschrift „Kommunistitscheskij international“, Nr. 50, 1927. 
4 ) Ebendaselbst. 
5 ) Ebendaselbst. 
6 ) Ebendaselbst. 
7 ) Ebendaselbst. 
8 ) „Wojna i revoluzia“, 1927, Nr. 2. 
9 ) „Kommunistitscheskij International“, 1928, Nr. 15, S. 7.

Dieser Text (der eigentlich noch ein wenig länger ist) stammt aus dem Buch Welt vor dem Abgrund von Prof. Dr. Iwan Iljin, das 1930 in Berlin erschien.

Hier noch ein Video zu Ehren der Weißen Armee:

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