Wie man Empörung potenziert

Vor einigen Wochen konnte man in den US-Medien über einen Brief lesen, den der US-Senator John Kerry bei seiner Visite im Gaza-Streifen von Hamas-Führer zur Weitergabe an Obama überreicht bekommen hatte. Unter Action Alert: Say Thank you to Senator Kerry and Congressmen Ellison and Baird kann man sich ansehen, wie dankbar die Islamic Society of North America (ISNA) dem Senator ist, den man sich als Vorsitzenden des außenpolitischen Rates natürlich warm halten möchte. Dort wird tatsächlich dazu aufgefordet, den Senator und andere, die ihn begleitet haben anzurufen und sich artig zu bedanken.

Ebenso viel Engagement verlangt die ISNA von ihren Mitgliedern bei einer Kampagne gegen ein Gesetz in Oklahoma, demgemäß das Tragen eines Kopftuchs auf dem Führerschein-Paßbild verboten ist. Das zu verbieten ist naheliegend, weil der Zweck eines solchen Bildes ja ist, daß man die Person erkennt. Diesmal werden die Mitglieder aufgefordert anzurufen und sich unter Bezugnahme auf die in der US-Verfassung verbürgten Rechte zu beschweren. Dem Blogger Mujahideen Ryder gefiel das gleich so gut, daß er den ganzen Aufruf auf sein Blog übernommen hat.

In Deutschland ist man zwar noch nicht ganz so weit, aber die Anfänge sind gemacht. Hier sammelt eine Bloggerin, die sich den klangvollen Namen „Kopftuch“ gab, Nachrichten über Diskriminierungen ihrer Kopftuch tragenden Glaubensgenossinnen und hofft inständig, daß auch ihr ein wenig von dem Mitleid zuteil werden möge. Daß die Diskriminierung in dem ohne Verlinkung vollständig übernommenen Artikel zum größten Teil herbeigeredet sein könnte, kommt ihr als  Meisterin der Autosuggestion freilich nicht in den Sinn. Wenn ich mir einen Hut aufsetze, dann schauen auch alle, weil es ungewöhnlich ist. Nicht die anderen diskriminieren mich, sondern ich diskriminiere (=unterscheide) mich selbst; die anderen reagieren ja lediglich darauf.

Falls jemand nun meint, daß es hier Ähnlichkeiten mit der Sucht nach medialer Aufmerksamkeit als selbstinszeniertes Opfer bei der Hakenkreuz-Ritzerin von Mittweida gäbe, fehlen mir leider die Argumente das zu widerlegen.

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3 Kommentare - “Wie man Empörung potenziert”

  1. EinFragender Says:

    Ich habe mir mal erlaubt auf der Kopftuch-Webseite ein paar Dinge zu hinterfragen und nun bin ich mal auf die Reaktionen gespannt.

    Für mich ist es unverständlich wie man Anbetracht der massiven Diskriminierung von Frauen im Islam das Thema Kopftuch so hochkochen kann. Eher sollten Muslimas froh sein das Frauen in Europa ohne die unzähligen Beschränkungen und ungerechten Diskriminierungen leben können die der Islam mit sich bringt.
    Aber darum geht es ja nicht, sondern die Autorinnen wollen einen Nebenkriegschauplatz „Kopftuch“ eröffnen um von den eigentlichen Problemen im Islam abzulenken. Offensichtlich brauchen das die Muslimas … schon alleine um ihr eigenes Handeln zu rechtfertigen, und um ein wenig Mitleid zu erhaschen.

  2. antifo Says:

    Ich denke das ist eine Form von Da-wa. Ansonsten geht es natürlich darum Druck zu erzeugen und Macht zu gewinnen (Lawfare). Eigentliches Motiv dürfte in den meisten Fällen Geltungssucht sein. Wichtig ist sicherlich auch, daß durch das Einfordern von Solidarität wenig kampfesbereite Muslime zum Bekenntnis für das Kopftuch genötigt werden.

  3. Schlernhexe Says:

    In den Fetzten den sie aufhaben, ist gleich viel Hirn, wie der Kopf der ihn trägt.
    Ich war auf dieser Webseite, man muß bald den Eindruck haben, daß die Integration verkehrt rum läuft, das heisst daß wir bei uns anpassen müssten.
    Übrigens , ich habe noch keine Kopftuchträgerin erlebt, die mich mit Blickkontackt gegrüsst hätte, dies geschieht nur von Einheimischen oder andern Nicht musl. Migranten aus, ich bin selbst Migrantin , ich spreche aus Erfahrung


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