Charles Malik erklärt die Menschenrechte

rechts im Bild Charles Malik, der Hauptautor der Deklaration der allgemeinen Menschenrechte

Rechts im Bild Charles Malik, der Hauptautor der Deklaration der allgemeinen Menschenrechte

Ich möchte zu Ihnen über die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte sprechen. Es war gestern sehr schön bei der Feier anläßlich der Grundsteinlegung des ständigen Hauptsitzes der Vereinten Nationen, bei der Präsident Truman sagte, daß eine Kopie dieser Erklärung zusammen mit der Charter dre Vereinten Nationen in den Grundstein gelegt wurde. Diejenigen von uns, die etwas mit dem Verfassen dieses Dokuments zu tun hatten, waren unglaublich glücklich aufgrund dieser öffentlichen Anerkennung als einem der beiden Eckpfeiler der Vereinten Nationen.

Die Arbeit über die Menschenrechte ist derjenige Punkt bei der gesamten Aktivität der Vereinten Nationen, bei denen die äußerst ideologische Themen am schärfsten zusammentreffen. Worum es geht ist die Festlegung der Natur des Menschen: die genaue Gewichtung die sie auf diese oder jene Seite von ihm legen wollen: das ausbalancierte System aller seiner Gewichtungen. Die vordergründigen Denker des 19. Jahrhunderts glaubten mit wenigen wenngleich auch bemerkenswerten Ausnahmen, daß das Zeitalter des Glaubens vorüber wäre und daß die Entwicklung den Menschen jedenfalls von der Möglichkeit jedes Dogmas oder Glaubens (den sie immer irgendwie mit Aberglauben in Verbindung brachten) ein für allemal von allen möglichen zukünftigen Religionskriegen befreit hat. Kaum zwei Generationen waren von diesem Dogma des 19. Jahrhunderts getrieben bis sich die menschlichen Bedingungen derartig entwickelten, daß härteste Zusammenstöße im Bereich von Ideen und letzen Glauben scheinbar Besitz von der Welt ergriffen haben. Heute kämpfen Menschen gerade deshalb weil sie streiten, wie sie sich selbst interpretieren sollen. Menschen, Du und ich als Person, unser Ursprung, unsere Natur, unsere Rechte, unsere Würde, unsere Bestimmung: dieses sind die großen Fragen dieses Zeitalters. Und diese Fragen werden nirgendwo dramatischer diskutiert, als bei der Debatte der Vereinten Nationen zu den Menschenrechten. Weil hier die zuständigen Vertreter aller erfolgreichen Kulturen dieser Welt um jedes Komma und jeden Hauch von Bedeutung energisch ringen. Nichts zahlt sich mehr aus für einen bedächtigen Studenten der derzeitigen ideologischen Situation als das Lesen der aufgezeichneten Debatten zu dieser Frage und das Grübeln über deren nachhaltigen und dramatischen Reichtum.

Von den utimativen in der Debatte gestellten Fragen möchte ich mich auf drei konzentrieren, weil sie mir an der Basis jeder anderen Frage zu liegen scheinen. Da ist zunächst das Problem des richtigen Verhältnisses zwischen den Individuum und der Gesellschaft. Das wirft natürlich das Problem der Pflichten auf. Viele Delegationen fragten, ob wir nicht jedes Recht mit einer entsprechenden Pflicht in Balance bringen sollten. Im zuletzt angenommenen Text werden Pflichten jedoch nur einmal erwähnt, namentlich in Artikel 29 und dann in den allgemeinsten Begriffen. Dies ist der Text von Paragraph Eins dieses Artikels: „Jeder hat Pflichten gegenüber der Gemeinschaft in der allein die freie und volle Entfaltung seiner Persönlichkeit mögllich ist.“ Zwei wichtige Sachen müssen zu dieser Aussage angemerkt werden. Es ist richtig, daß man mir sagt, daß ich Pflichten gegenüber der Gesellschaft habe, aber diese Pflichten sind nicht „simpliciter“, sie sind nicht absolut: Ich habe Pflichten gegenüber der Gemeinschaft, in der allein die freie und volle Entfaltung meiner Persönlichkeit möglich ist. Meine Pflichten gelten nicht irgendeiner Gemeinschaft, sondern nur derjenigen, in der sich meine Persönlichkeit entwickeln kann. Weiters geht es auch nicht um irgendeine Entwicklug meiner Persönlichkeit die ins Auge gefaßt wird; auch die volle Entwicklung meiner Persönlichkeit ist nicht hinreichend: diese volle Entwicklung muß auch frei vonstatten gehen. „Jeder hat Pflichten gegenüber der Gemeinschaft in der allein die freie und volle Entfaltung seiner Persönlichkeit möglich ist“. Somit wird in dieser einen Instanz in der die Pflichten erwähnt sind, die Vormachtstellung des Menschen über jede Gesellschaft und jeden gesellschaftlichen Anspruch perfekt anerkannt. Die Gesellschaft, einschließlich ihrer übergeordneten Form, dem Staat, existiert um des Menschen willen, dem voll-frei-persönlichen Menschen und nicht umgekehrt.

Nun wird man einwenden: Das ist ja Anarchie, das ist extremer Individualismus. Ist es nicht das Problem in unseren modernen Zeiten, daß das Individuum zu viele Ansprüche an die Gesellschaft stellt, daß er sich selbst zur Mitte aller Dinge macht und sich wünscht, daß ihm jeder und alles dienen soll, daß er der sozialen Verantwortung nicht genügt? Sollte man ihm nicht auch beibringen, daß er Pflichten gegenüber seinen Mitmenschen hat, daß er mindestens so viel geben sollte, wie er empfängt? Ja, er hat es seine Rechte, aber die Gesellschaft hat die ihren.

Die Antwort auf diesen Einwand ist daß es wir hier mit den Rechten des Menschen als Menschen zu tun haben und nicht mit den Rechten von Gesellschaft oder dem Staat. Das Problem der Rechte des Menschen kam in den vergangenen Jahren genau deswegen auf, weil Gesellschaft und Staat durchgriffen auf den Menschen, in totalitären Staaten in einem Ausmaß, daß sie ihn nachgerade erwürgten. In der Formulierung sind wir daher aufgerufen, genau diese Exzese von Dirigismus und Sozialismus zu korrigieren. Das rechte Maß an Anarchismus und Individualismus ist genau, was Dirigismus und Sozialismus brauchen. Es ist ja nicht so, daß wir uns derzeit in einem gesetzlosen Dschungel befinden, in dem jeder brutal nach seinem individuellen Vorteil sucht, ohne irgendwelche organisierenden Linien von Beziehungen oder Authoritäten, so daß wir quasi aufgerufen wären, Ordnung und Authoritäten wieder herzustellen, indem wir die Menschen an ihre Pflichten und Aufgaben erinnern müßten. Es ist eher so, daß wir uns heute überall in der Welt in einer Situation wiederfinden, in der die einfache und grundlegende Menschlichkeit der Menschen – seine Kraft zu lachen, zu lieben, zu denken und seine Meinung in Freiheit zu ändern – in tödlicher Gefahr der Auslöschung steht wegen des endlosen Drucks von jeder Seite: staatliche Regeln und Kontrollen, soziale Eingriffe, der verrückt machende Lärm der Zivilisation, die schiere Anzahl und Häufung von Ereignissen als ein Ergebnis des kleiner Werdens der Welt, die Benebelung des Verstands von einer unendlichen Anzahl materieller Dinge denen wir unsere Aufmerksamkeit schenken müssen.

Unter diesem auf ihn einwirkenden sozialen und materellen Druck wird der Mensch bald ganz und gar verloren sein. Was es daher braucht ist ihm seiner grundlegenden Menschlichkeit zu versichern: ihn zu erinnern, daß er frei geboren ist und gleich mit seinen Mitmenschen an Würde und Rechten, daß er von der Natur mit Verstand und Bewußtsein ausgestattet ist, daß man ihn nicht in Sklaverei oder Knechtschaft halten darf, daß er nicht einfach so eingesperrt werden darf, daß er als unschuldig gilt, bis seine Schuld bewiesen ist, daß seine Person unverletzlich ist, daß er ein natürliches Recht auf Freiheit des Denkens, des Gewissens, der Religion and der Meinungsäußerung hat und so weiter die ganze Liste der proklamierten Rechte. Es ist diese Beteuerung, wenn er nur darauf achtet, das mag ihn schon mal davor bewahren, entmenschlicht zu werden. Denn Gesellschaft und Staat können sich unter unseren modernen Bedingungen um sich selber sorgen; sie haben Anwälte und Geldgeber auf jeder Seite; deren Rechte sind in guten Händen. Es ist der Mensch, der echte, existierende, ängstliche, lachende, freie und sterbende Mensch, der vor der Gefahr steht, auszusterben. Es ist der Mensch der der ungeschützter Waise ist, der vernachläßigte Mündel, der vergessene Schatz. Und daher ist es gut, daß die Deklaration ihr Hauptziel nicht aus den Augen verlor: die Ausrufung der nicht reduzierbaren Menschlichkeit, damit sein schöpferischer Sinn für Würde vielleicht doch noch genesen kann und er den Glauben in sich selbst wieder gewinnen kann.

Ein weitere funamentale Voraussetzung unseres Vorhabens ist die angemessene Balance zwischen Freiheit und Sicherheit. Für die Kommunisten kam Sicherheit zuerst auch wenn es den Verlust der Freiheit bedeuten sollte; für die anderen kam die Freiheit zuerst auch wenn das ein gewisses Maß an Unsicherheit bedeuten sollte; wiederum andere glaubten, daß Freiheit und Sicherheit miteinander nicht in Konflikt geraten müßten, daß beidem ein angemessener Platz im Gesamtwesen des Menschen eingeräumt werden könne: Die sozialen und ökonomischen Bedürfnisse des Menschen werden voll anerkannt in den sogenannten sozialen und ökonomischen Artikeln gegen Ende hin: diese umfassen das Recht auf soziale Sicherheit, auf Arbeit, auf günstige Arbeitsbedinungen, auf gerechte Entlohung für einen selbst und seine Familie, auf Ruhe und Freizeit, auf Erziehung und auf den Genuß der Künste. Ohne diese Rechte gibt es sicher kein erfülltes Leben. Andererseits wird all dieser Sozialismus und Materialismus überwogen durch die vorherigen Artikel, die von Freiheit und Würde handeln, von Vernunft und Gewissen, von der Unverletzlichkeit der Person, dem Recht auf Privatheit und Besitz und der Freiheit des Denkens, des Gewissens, der Meinung und dem Recht auf Versammlung und Zusammenschluß.

Das Problem hier war, wie die aufsteigende Welle des Materialismus zu stemmen wäre. Das ist etwas weitaus tieferes als der Marxismus oder der Kommunismus unserer Tage. Es ist des Menschen natürliche Tendenz seiner persönlichen Verantwortung zu entfliehen und nach Ruhe durch die Gewährleistung äußerlicher Sachen zu suchen, sei es Bankkonto, Besitz oder eine Garantie durch die Gesellschaft oder die Regierung. Das ist die Flucht vor dem Schöpfer in dem es allein Sicherheit gibt, in die Richtung der Geschöpfe und der Gegenstände. Ich gebe zu, diese Flucht geschieht heute überall und daß Russland es nur bis zur absolut letzten logischen Konsequenz treibt. Die Leute suchen überall eher ihr Auskommen, statt nach der Quelle ihres Lebens; sie wollen für sich selbst die endlose Vielfalt materiellen Komforts sichern, statt den wenigen einfachen Werte der Verstandes und des Geistes. Die Satzung spricht von „höheren Lebensstandards“; sie spricht nirgends von höheren Standards des Fühlens oder des Wertschätzung oder des Denkens oder geistiger Erkenntnis. Damit ist hier eine Tendenz, den Menschen in Begriffen von Material und wirtschaftlicher Bedingungen zu interpretieren. Die Bedeutung des alten Entscheidens zwischen dem Gewinnen der Welt und dem Verlieren der Seele ist praktisch verloren. Die Begehrlichkeiten der Sachen haben die Seele überwältigt. In der Entstehung der Deklaration mußten wir an jeder Stelle der Verlockung der Sicherheit widerstehen, ich glaube wir hätten ihr noch mehr widerstehen sollen. Aber die Deklaration bewahrt, wie ich finde, so viel der ursprünglichen Integrität und Freiheit des Menschen als es menschlich möglich ist unter dem grausamen materialistischen Druck unseres Zeitalters.

Das dritte war eher unterschwellig ein Thema, als daß es debattiert worden wäre. Es bezieht sich auf die Natur und den Ursprung der Menschenrechte. Wo kommen sie her? Was ist ihr metaphysischer Status? Werden sie mir willkürlich von irgendeiner äußerlich sichtbaren Agentur verlieren, wie meinem Staat, meinem Parlament oder den Vereinten Nationen, so daß diese sichtbare Macht sie mir, wenn sie mag, eines Tages vorstellbarerweise wieder entziehen kann, ohne dabei ein höheres Gesetz zu verletzen? Oder gehören sie zu meinem Wesen, so daß die Funktion einer äußerlich sichtbaren Macht diesbezüglich nicht das Erschaffen oder Verfassen, sondern das Anerkennen und Respektieren ist, weswegen es in jedem Fall eine Verletzung darstellt und sie dabei dann gegen natürliche Gesetz meiner Menschlichkeit verstößt?

Es handelt sich hierbei um das Problem von Naturrecht versus positives Recht. Sind diese Rechte lediglich das Produkt positiven Rechts, namentlich dem Recht wie es während einer speziellen Stufe in der Evolution geschieht, dann werden sich, weil positives Recht sich eben ändert, meine Rechte und dabei meine menschliche Natur sich im Zuge dieser Entwicklung auch ändern. Wenn diese Rechte demgegenüber aber meine Natur als menschliches Wesen ausdrücken, dann liegt da ein gewisser Zwang über ihnen: sie sind dann metaphysisch vor jedem anderen positiven Recht, weswegen so ein Recht entweder konform zu ihnen sein muß oder aufgrund der Natur Null und Nichtig ist. Entweder der Mensch hat ein ewiges Wesen das der Verstand erfassen und ausdrücken kann oder er löst sich ohne jedes Überbleibsel auf in den allgemeinen Fluss.

Ich muß ihnen wohl kaum erzählen, daß die Gründer der Vereinigten Staaten, in starker Anlehung vom Großvater angel-sächsischen politischen Denker John Locke, an Naturrecht glaubte und sich bemühten, so gut sie konnten positives Recht als Antwort auf Naturrecht zu verfassen. Jede andere Sicht wäre ihnen furchtbar absurd erschienen. Aber heute ist die Stimmung – als Zeugen können wir Roscoe Pound anführen – überaus positivistisch. Nach meinem Dafürhalten ist diese Veränderung, vom Ruhen zur Veränderung, das Wesen einer großen geistigen Krise, die heute in der Welt um sich greift.
Und doch erkennen wir in der Lehre der Deklaration, einen teilweises schließen und eine unausgedrückte Rückkehr zum Naturrecht. Eine sorgsame Untersuchung der Präambel und von Artikel I wird ergeben, daß die Lehre des Naturgesetzes immerhin in die Absicht der Erklärung hineingewoben ist. Somit ist es kein Zufall, daß das allererste Substantiv des Textes das Wort „anerkennen“ ist: „Wohingegen die Anerkennung der ihm zu eigenen Würde und der gleichen und unveräußerlichen Rechte, etc.“ Nun kann man ja nur das „anerkennen“, was schon vorher da gewesen sein muß und was schon da ist, kann in diesem Kontext daher nichts anderes sein, als das was die Natur hierher gebracht hat. Weiters, wird Würde als dem Menschen anhaftend bezeichnet, seine Rechte als „unveräußerlich“, und es ist schwer, in der englischen Sprache bessere Bezeichnungen zu finden, um die Lehre von Naturgesetz zu belegen. Dann heißt es in Artikel I von menschlichen Wesen, daß sie „frei geboren und gleich an Würde und Rechten“ sind. Natürlich bedeutet das Wort „geboren“, daß unsere Freiheit, Würde und Rechte die Natur unsere Wesens sind und nicht von einer äußerlichen Macht freigebig gewährt werden. Und zuletzt fährt Artikel I fort zu sagen, das menschliche Wesen „ist mit Vernunft und Gewissen ausgestattet“. Das Wort „ausgestattet“ kann offensichtlich nur bedeuten, daß unsere Natur so ist, daß wir diese Rechte und Freiheit ursprünglich besitzen. Ich kann daher damit abschließen, daß reichlich Platz vorhanden ist, die Lehre des Naturrechts in die Lehre dieser Deklaration hineinzulesen.

Das Plazieren von „Vernunft und Gewissen“ am innersten Herzen des Wesens des Menschen im ersten Artikel ist von größter Wichtigkeit, besonders im Hinblick auf die Tatsache, daß im gegenwärtigen aufgeklärten Zeitalter der Mensch oft eben nicht mit „Vernunft und Gewissen“ gleichgestellt wurde, sondern mit seinen Reflexen, Impulsen, Verlangen, Träumen zu seiner soziologischen und nationalen Funktionalität, zu seinen ökonomischen Wünschen, zu den dunklen Mächten der Unterwelt.

Schon das Einführen dieses bescheidenen Maßes an traditioneller Lehre (d.h. Naturrecht) geschah gegen fürchterlich verbissenen Widerstand. Die Rückkehr zur großen positivistischen Radition, die nicht nur Amerika begründete, sondern die ganze westliche europäische Zivilisation ist nicht abgeschlossen. Die einzelne Seele des Menschen, als etwas ewig und unendlich wertvolles, fähig sich zu Höhen emporzuschwingen oder in den Abgrund zu stürzen, als gänzlich über aller materieller und sozialer Bestimmung, als fähig zu unglaublichen Umgestaltungen aufgrund einer Berührung mit überirdischer Liebe und Vertrauen. Es ist diese authentische Lehre vom Menschen, zu der wir mit ganzem Herzen zurückkehren müssen, wenn wir gerettet werden möchten.

Nun da wir die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte abgeschlossen und verkündet haben, namentlich auch die Bestimmung was zur Natur des Menschen gehört, hat die Kommission für Menschenrechte ihre Aufmerksamkeit auf die Ausarbeitung eigentlicher Konventionen, internationaler Verträge gerichtet, die von den Staaten unterzeichnet werden und somit bindend für sie sein werden. Dies ist offensichtlich ein weitaus schwierigerer Schritt, weil er definitive Verpflichtungen in diesem Feld zum Gegenstand hat. Denn viele Leute stimmen einem in der Theorie, aber wenn es darauf ankommt diese Theorie in ihrem eigenen Land in Praxis umzusetzen, verläßt sie schnell der Mut. Und somit scheint es, daß wir gerade erst mal am Anfang eines langen und schwierigen geschichtlichen Prozesses sind. Die Herausforderung der Menschenrechte ist immer noch enorm. Was dringend notwendig ist, ist energische moralische Führung, überzeugt und daher überzeugend.

Es reicht in der Neuzeit nicht aus glücklich und selbstzufrieden zu sein. Sie müssen vortreten und führen und das nicht nur in materiellen Dingen. Es ist nicht genügend, gute Institutionen zu entwerfen und es dann anderen zu überlassen, diese zu kopieren. Denn der Mensch ist nicht nur ein Affe: er orientiert sich nicht nur am guten Beispiel der anderen. Der Mensch ist auch ein rationales Geschöpf, das von Ideen bewegt und angefeuert wird. Wenn Ihre Institutionen und Traditionen nicht übernommen werden, um eine läutende Botschaft daraus zu formen, die an den Verstand und die Herzen der anderen appelliert, so daß Sie darauf ihr ganzes Leben gründen können, denn in der heutigen Welt in der der Mensch verzweifelt nach Wahrheit und Überzeugungen ist, dann können Sie nicht führen. Die Führung muß an die anderen weitergereicht werden, ganz gleich wie pervertiert und falsch diese anderen sein mögen. Denn das Logos (Anm: d.i. das Wort!) ist überragend und kann einen falschen Propheten schließlich eher benutzen, als gar keinen Propheten.

Wenn ihr Export nur im stillen Beispiel aufblühender politischer Institutionen und glücklicher menschlicher Beziehungen besteht, können sie nicht führen. Wenn ihr Export nur im entfernten Ansehen aufgrund Wohlstand und Aufschwung und Ordnung besteht, können sie nicht führen. Um fähig zu sein, andere zu führen und andere zu schützen, müssen sie vor allem anderen ihren Verstand und ihre Seelen ansprechen. Aufgrund ihrer Tradition, gegründet im prächtigen griechisch-römisch-christlichen westlich europäischen Ausblick, sind sie mit allem ausgestattet, was man als Vorbedingung für diese Führung nennen kann. Alles was Sie tun müssen ist, sich weiter darin zu vertiefen, wo Sie ohnehin schon sind. Die Herausforderung der Menschenrechte besteht darin, ob die westliche Gesellschaft, die durch die Freiheiten griechischer Stadtstaaten gezeugt wurde und dann mit christlicher Nächstenliebe gesäugt wurde, genesen kann von der Anbetung falscher und fremder Götter und zu ihren echten Wurzeln zurückkehren kann. Die Herausforderung der Menschenrechte ist, ob Amerika führen kann und zwar nicht nur in stillem, glückseligem Vorbild, sondern auch mit verantwortlicher Konzeption, Lehre und Wahrheit.

„Wer den Menschen und seine individuelle Freiheit über alles achtet, der wird in der vorliegenden Deklaration ohne jeden Zweifel eine mächtige ideologische Waffe erkennen. Wenn sie voller Wohlwollen, Aufrichtigkeit und Wahrheit genutzt wird, kann diese Waffe zum bedeutendsten werden, was die Geistesgeschichte bisher hervorgebracht hat.“ (Dr. Charles Malik)

Englischer Orginaltext auf den Seiten der UN

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