Archive for the ‘Israel’ category

Land der Täter, Land der Opfer?

November 7, 2012

Es gibt Leute, denen es zweckmäßig und angemessen erscheint, von Deutschland als dem “Land der Täter” (hier, hier, hier und hier) und von Israel als dem “Land der Opfer” (hier, hier und hier) zu sprechen.

Wie falsch diese manichäische Weltsicht ist, offenbart die Abhandlung Die Zionisten und Nazi-Deutschland von Faris Yahya. Man erfährt darin u.a., wie zionistische Juden den Nazis bei der Selektion behilflich waren. Es gab viele Juden, die weitaus enger mit den Nazis kooperiert haben, als so mancher Deutsche.

Die jüdische Frage in der orthodoxen Kirche

Oktober 21, 2012

Übersetzung von
The Jewish Question In The Russian Orthodox Church
von Gregor Benewitsch

Kapitel 3

Um zur Folgerung meines Vortrages zu kommen, will ich nun das schwierigste Problem der Quelle des Antisemitismus berühren. Die Hauptlehre, die die nicht-orthodoxe Christenheit aus Auschwitz gezogen hat, war daß der Antisemitismus vom Antijudaismus nicht zu trennen ist und seine Wurzeln darin hat. Theologen wie Jürgen Moltmann versuchen daher zu einer positiven Deutung des Judentums zu kommen. Hier ist zu erwähnen, daß das Judentum selbst in diese Richtung argumentiert. Nach Rabbi Schmuel Boteach, einem der führenden chassidischen Denker, sagt “der Talmud, daß der Grund für den Antisemitismus am Sinai begann … . Am Sinai … gab der Allmächtige … dem jüdischen Volk das wesentliche Gesetz, das es in eine moralische Nation verwandelte”. Aber, fügt Rabbi Schmuel hinzu, das war nicht genug, “die Juden wurden auch damit beauftragt, diese neue Botschaft unter allen Völkern der Welt zu verbreiten. In ihrer Eigenschaft als ‘Licht der Nationen’, waren sie verantwortlich für die Verbreitung der von Gott gegebenen Ethik zu allen Enden der Welt. Aus einer anderen Perspektive betrachtet wurden sie als Ärgernis für die Völker gesehen, deren Wunsch in der Dominierung derjenigen bestand, die schwächer als sie selbst waren. So begann der Hass gegenüber den Juden, deren prinzipielle Existenzberechtigung darin bestand, das Wissen über Gott … der Welt näher zu bringen.” (Moses of Oxford, Andre Deutsch, London 1994 v.2 p 661).

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Antisemitismus in der Russisch-Orthodoxen Kirche

Oktober 19, 2012

Übersetzung von
The Jewish Question In The Russian Orthodox Church
von Gregor Benewitsch

Kapitel 1

Wenn es nur so einfach wäre! – daß irgendwo schwarze Menschen mit böser Absicht schwarze Werke vollbringen und es nur darauf ankäme, sie unter den übrigen zu erkennen und zu vernichten. Aber der Strich, der das Gute vom Bösen trennt, durchkreuzt das Herz eines jeden Menschen. Und wer mag von seinem Herzen ein Stück vernichten?
Alexander Solschenizyn
Der Archipel Gulag

Das Problem des Antisemitismus in der Russisch-Orthodoxen Kirche hat, wie auch in der allgemeinen Gesellschaft, verschiedene Dimensionen. Eine davon ist die soziologische Dimension. Zur Klärung eines möglichen Mißverständnisses in Teilen der westlichen Leserschaft möchte ich mit diesem Aspekt des Problems beginnen. Lassen Sie mich eine Zusammenfassung aus dem Artikel Antisemitismus und Orthodoxie im heutigen Russland (Sicht eines Soziologen) von Vladimir Borzenco, geschrieben 1992 und vom  Keston Institute in Religion, State and Society in der Ausgabe 23 N1 1995 veröffentlicht: “Der allgemeine Anteil des Antisemitismus in Russland ist im Vergleich niedriger, als der Durchschnitt in den entwickelten europäischen Ländern”. Gemäß Borzenko, der sich mit seinen Aussagen auf die Ergebnisse einer seriösen soziologischen Erhebung stützt, “gab es in praktisch jeder Kategorie und bei praktisch jeder Frage weniger Hinweise auf Antisemitismus unter orthodoxen Untergruppen als unter Atheisten. Von nicht mehr als etwa zehn Prozent der russischen Bevölkerung als Ganzes könnte man sagen, daß sie antisemitisch sind.”

Was gibt es dann zu diskutieren, wenn die Lage so gut ist? Ich glaube nicht, daß Borzenkos Ergebnisse falsch waren, nur ist Russland kein Land des Westens. Der Anteil von zehn Prozent in Russland mag andere Implikationen haben, als vergleichbare Zahlen in, sagen wir mal, England oder den USA. Vor der Revolution stellten die Kommunisten nicht mehr als zehn Prozent der Bevölkerung, dennoch war, angesichts der totalen Krise der Gesellschaft und der Schwäche aller anderen politischen Parteien im Jahr 1917,  dieser geringe Anteil dieser kleinen, aber ideologisch starken Gruppe groß genug, um die Macht an sich zu reißen und das russische Volk in eine kommunistische Zukunft zu führen.

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Israel kümmert sich mehr um “Hasbara” als um seine Politik

Juli 12, 2012

Übersetzung des Artikels
Israel is more focused on ‘hasbara’ than it is on policy
von Anshel Pfeffer
erschienen am 2. März 2012 in der Haaretz

“Hasbara”, ein Akt des Bekennens oder Erklärens, ist zur Ausrede dafür geworden sich nicht ernsthaft mit den echten Problemen Israels zu befassen, und zu einem Politikersatz.

Hasbara

Hasbara ist eines derjenigen bekloppten israelischen Wörter, die sich gegen eine Übersetzung sträuben. Ich sage israelisch, denn der hebräische Begriff läßt sich übersetzen — hasbara ist einfach ein Akt des Bekennens oder Erklärens. Nur ist seine Bedeutung im Kontext der israelischen Politik und Diplomatie weitaus komplexer.

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Warum Iran die Bombe kriegen sollte

Juli 10, 2012

Übersetzung des Artikels
Why Iran Should Get the Bomb. Nuclear Balancing Would Mean Stability
von Kenneth N. Waltz
erschienen in Foreign Affairs vom Juli/August 2012

Nuklearer Ausgleich bedeutet Stabilität

In den vergangenen Monaten gab es hitzige Debatten darüber, wie die Vereinigten Staaten und Israel am besten auf die nuklearen Aktivitäten des Iran reagieren können. Im Zuge dieses Streits haben die Vereinigten Staaten ihr schon davor ziemlich scharfes Sanktions-Regime gegen die Islamische Republik weiter verschärft und die Europäische Union hat im Januar angekündigt, daß sie am 1. Juli ein Embargo gegenüber Öl aus dem Iran verhängt. Trotzdem die Vereinigten Saaten, die EU und Iran jüngst zum Verhandlungstisch zurückgekehrt sind, gibt es immer noch kein richtiges Verständnis der Krise.

Soll es auch nicht. Die meisten Kommentatoren und Politiker in den USA, Europa und Israel warnen, daß ein nuklear bewaffneter Iran das schlimmste Ergebnis der gegenwärtigen Pattsituation wäre. Tatsächlich wäre das das beste Ergebnis: die Stabilität im Mittleren Osten ließe sich damit am ehesten wieder hergestellen.

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Mitt Romney: USA können nicht überleben, wenn der Iran zur Nuklearmacht werden könnte

Juli 8, 2012

Ein bemerkenswerter Ausschnitt aus einem Interview mit dem republikanischen Präsidentschaftskandidaten Mitt Romney vom 17. Juni 2012:

Bob Schieffer: Lassen Sie uns zur Außenpolitik kommen. Bill Kristol schrieb diese Woche im Weekly Standard: “Wir erreichen bei unserem Umgang mit dem Iran bzgl. Nuklearwaffen den Punkt der Konsequenzen.” Er sagt, es ist Zeit für den Präsidenten zum Kongress zu gehen und zu sagen: “Ich möchte daß Sie mich zum Einsatz militärischer Gewalt authorisieren, sollte das notwendig werden.” Und er sagt, daß der Kongress das von sich aus tun sollte, wenn der Präsident das nicht in die Wege leitet. Wie stehen Sie dazu?

Mitt Romney: Ich verstehe den Grund dafür, seine Empfehlung und seine Bedenken. Ich denke, er hat erkannt, daß der jetzige Präsident in gewisser Hinsicht verstehen hat lassen, daß er wohl sogar noch über eine militärische Aktion Israels besorgt ist, als über den Erwerb von Nuklearwaffen durch den Iran. Das ist die Meinung einiger, die das beobachten. Und deswegen will er vom Präsident Taten sehen mit denen kommuniziert wird, daß ein Iran mit Atomwaffen nicht akzeptabel ist. Ich denke es ist wichtig, daß wir das kommunizieren. Eines kann ich Ihnen versichern: wenn ich Präsident bin, wird es für die Iraner keine Frage sein, daß ich bereit für eine militärische Aktion wäre, wenn es notwendig ist, um zu verhindern, daß sie eine nukleare Bedrohung für die Welt werden. Ich glaube, wir brauchen an diesem Punkt, wenn ich Präsident bin, keine Kriegsbewilligung oder eine besondere Authorisierung für militärische Gewalt. Der Präsident hat diese Befugnis schon. Soweit ich verstanden habe, haben z.B. einige Senatsmitglieder Briefe an den Präsidenten geschrieben, in denen sie sagen, daß eine Eindämmungsstrategie nicht akzeptabel ist. Wir können nicht überleben, wenn die Dinge ihren Lauf so nehmen, daß der Iran zu einer Nuklearmacht werden könnte, und wir müssen bereit sein Alles und Jedes zu tun. Alle diese Möglichkeiten müssen verfügbar sein.

Im April 2012 hatte die New York Times berichtet, daß der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und Mitt Romney sich schon seit 1976 kennen.

Israel: Ein jüdischer Staat?

Juli 7, 2012

Der wohl wichtigste Stützpfeiler israelzentrierter Islamkritik ist, daß Israel gegen den militanten Islam kämpft und daß Islamkritiker sich Israel deshalb besonders verbunden fühlen müßten. Nun ist es zwar richtig, daß militante Islamisten heute zu den gefährlichsten Gegner Israels zählen. Vor dreißig Jahren gab es Hisbollah und Hamas aber noch gar nicht. Die ideologische Orientierung des bewaffneten Widerstandes war bis dahin panarabisch-sozialistisch. Als Beispiel kann man die Volksfront zur Befreiung Palästinas (PFLP) nennen, die im Oktober 1977 die Lufthansa-Maschine “Landshut” entführte. Auch die in der PLO zusammengeschlossenen Gruppen hatten und haben eine arabisch-säkulare Ausrichtung.

Der Konflikt in Palästina ist also keine religiöse Auseinandersetzung zwischen Islam und Judentum, sondern zwischen Arabern und Juden. Auch Israels Staatsgründung hatte mit dem Judentum eigentlich nichts zu tun. Die jüdische Religion verbietet ihren Gläubigen die eigenmächtige Rückkehr aus der Diaspora, so daß Zionismus und Judentum  tatsächlich gegeneinander stehen und einander feindlich gesonnen sind. Hinzu kommt, daß die meisten der Gründer Israels Sozialisten waren und somit höchstens einen schwachen Bezug zur jüdischen Religion hatten.

Historisch gesehen ist der Zionismus kein Gegner, sondern der Keim des gegenwärtigen militanten Islam. Er wird es auch bleiben, solange man sich nicht eingesteht, daß es keinen “jüdischen Staat” in Palästina geben kann. Dieses Eingeständnis ist die Voraussetzung für die Verwirklichung der Einstaatenlösung, die Araber und Juden gleichberechtigt zusammen leben läßt. Differenzen würden dann nicht mehr mit Waffengewalt und Repression ausgetragen, sondern mit demokratischen Mitteln.

Zur weitergehenden Reflexion empfehle ich das Video “Wundervolles Land”, das ich hier gefunden habe:


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