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Honduras und Hitler

Juli 9, 2009

In der Welt schrieb Christian Lüth kürzlich in seinem Artikel Warum Europa und UN bei Honduras falsch liegen gegen OAS, EU und Vereinte Nationen an:

Wenn ein entmachteter Staatspräsident vom Militär seines Landes im Schlafanzug in einer Nacht- und Nebelaktion ins Ausland geflogen wird und eine halbe Stunde später auf allen Fernsehkanälen in diesem Aufzug erscheint, weckt das natürlich Erinnerungen an Militärputsche. Dies erst recht, wenn der Vorwurf eines Staatsstreichs durch die Militärs erhoben wird. Bestärkt wird das Bild durch die Tatsache, dass der neue Machthaber am nächsten Tag eine Nachrichtensperre verhängt, die Militärs lobt und sich mit ihnen in Siegerpose ablichten lässt.

Das lässt in der Ferne keinen Zweifel daran aufkommen, dass es sich um einen gewaltsamen Staatsstreich durch rechte Militärs in Honduras handeln muss. Wozu noch genauer hinsehen, wozu weitere Fragen stellen? Der gestürzte Präsident muss sofort wieder ins Amt zurückkehren, Demokratie muss wiederhergestellt werden; ein Skandal, dass derlei überhaupt noch möglich ist!

Schade nur, dass kaum jemand am 28. Juni und in den Tagen danach einmal genauer nachgefragt hat. Dann wäre nämlich aufgefallen, dass dieser „Militärputsch“ von rechtmäßig gewählten Volksvertretern, den Abgeordneten des Nationalparlaments und des Obersten Gerichtshofes angeordnet wurde – und zwar mit einer parlamentarischen Mehrheit von 124 zu vier Stimmen – über die Fraktionsgrenzen hinweg. Eine weitere Tatsache, die sicherlich nicht dem Bild eines Militärputsches entspricht, ist ein gegen den gestürzten Präsidenten ausgestellter Haftbefehl, der aus mehreren laufenden Gerichtsverfahren resultiert. Wie passt das nun alles zusammen?

Hitlers Nationale Revolution im Frühjahr 1933 hätte auch nur durch ein beherztes Eingreifen der Reichswehr erstickt werden können und es wäre ja auch beinahe dazu gekommen. Von außen betrachtet hätte das dann natürlich wie ein Putsch gegen die Demokratie ausgesehen und es wäre sogar auch einer gewesen! Dennoch wäre Deutschland und der Welt so manches erspart geblieben, wenn damals eine Militärregierung übergangsweise an die Macht gekommen wäre. Im Ausland wäre freilich kaum jemand in der Lage gewesen, das alles zu überblicken und die Fäden dann richtig zu entheddern. So stellte sich etwa die Londoner Times am Tag nach dem Hitler Reichskanzler geworden war in ihrem Kommentar klar auf dessen Seite.

Deshalb traue ich Internationalen Organisationen auch nicht zu, daß sie die jetzige Situation in Honduras richtig bewerten können. Derartige Organisationen haben immer auch eine gewisse Eigendynamik, die sich dann häufig in einer von eigenen Interessen geleiteten, einseitigen Sichtweise niederschlägt.


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