Archiv für Oktober 2012

Griechenland: Metropolit kritisiert unausgewogene Wahrnehmung der Medien

Oktober 31, 2012

Nach den kritischen Äußerungen von Metropolit Pavlos von Siatista hat der Metropolit Ambrosius von Kalavryta und Aigialeia nun eine dreizehn Punkte umfasende Erklärung veröffentlicht, die der Partei Goldene Morgenröte freundlicher gesonnen ist.

Er sagte: “Ich kann nicht verstehen wie und warum die Ideen von Goldene Morgenröte zersetzend sind”, während die gefährlichen Ideen von SYRIZA und der Kommunistischen Partei Griechenlands nicht als zersetzend angesehen werden.

Ambrosius fuhr fort, daß die “betrügerische Medien … sich auf jeden Exzess von Goldene Morgenröte stürzen und ihn aufblasen” während sie zu den Taten von SYRIZA schweigen. Dabei erinnerte er daran, daß maskierte Anarchisten für die Inbrandsetzung einer Athener Bank verantwortlich sind, was zum Tod von drei Bankangestellten führte.

Griechisch-orthodoxe Priester segnen Büro der Partei Goldene Morgenröte

Oktober 29, 2012

Griechisch-orthodoxe Priester haben an diesem Wochenende in Korinth ein neues Parteibüro der rechtsextremen Partei Goldene Morgenröte (Chrysi Avgi) gesegnet:

Die Partei ist bemüht, sich als christlich-orthodox darzustellen. Das ist aber nicht glaubwürdig. Im Jahr 1988 schrieben sie in ihrer Parteizeitung:

Die Religion Europas ist der Paganismus, welcher Ausdruck des religiösen Gefühls des arischen Menschen ist. Im Paganismus überlebt die uralte Religion mit ihrer ursprünglichen Reinheit, die Tradition, die Feiern, den Mythen und ein fortlaufender und fruchtbarer Kontakt mit der Natur.

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Zur Ungerechtigkeit geschichtlicher Wirklichkeit

Oktober 27, 2012

Die Podiumsdiskussion zwischen Karlheinz Weißmann und Michael Stürzenberger beim zwischentag hat den tiefen Bruch zwischen den Lagern von PI-News und Sezession offenbar werden lassen. Manfred Kleine-Hartlage hat nicht ganz Unrecht, wenn er von Islamkritikern und Liberalismuskritikern spricht. Nur verdeckt er damit den Hintergrund der Bruchlinie.

Zwischen diesen beiden Lager liegt das, was der Grünen-Politiker und ehemalige Außenminister Joschka Fischer mit Auschwitz als dem Gründungsmythos der Bundesrepublik Deutschland meinte. Gehen Stürzenberger die Argumente aus, dann sucht er Zuflucht bei diesem Joschka Fischer. Als Folge davon scheitern er und sein Lager an einer positiven Bestimmung der deutschen Identität. Diese positive Bestimmung liegt wiederum dem Lager um Weißmann am Herzen. Aus deren Ablehnung des Liberalismus folgt eine gewisse Duldsamkeit dem Islam gegenüber, die allerdings Potenzial für eine realistische Sicht auf die gesellschaftlichen Herausforderungen birgt. Daß das Lager um Weißmann diesen Gründungsmythos nicht propagiert, führt zum Vorhalt des Antisemitismus.

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Märtyrerzar Nikolaus II.

Oktober 26, 2012

Schlußfolgerung von Gregor Benewitsch

Oktober 21, 2012

Übersetzung von
The Jewish Question In The Russian Orthodox Church
von Gregor Benewitsch

Schlußfolgerung

Zum Abschluß dieser Diskussion will ich meine letzte Frage aufwerfen: Antisemitismus, gibt es das? Auf den ersten Blick erscheint diese Frage zumindest seltsam, wenn nicht gar absurd. Ist Antisemitismus nicht eine alltägliche Tatsache? Er existiert nicht nur, er ist auch weit verbreitet. Weit verbreitet ist jedoch nicht Antisemitismus, wenn wir Antisemitismus als Hass gegenüber den Juden verstehen. Uns ist eine andere Form dieses Hasses bekannt. Eine davon ist der Hass gegenüber Juden als der “auserwählten Nation” von Seiten einiger anderer Nationen, die auserwählt zu sein behaupten. Das war der Hass der Nazi-Deutschen. Dieser Antisemitismus ist jedoch kein reiner Antisemitismus. Oder er ist vielmehr überhaupt kein Antisemitismus. Die Juden wurden von den Nazis nicht als Rasse gehaßt, sondern genau deshalb, weil die Nazis dachten, daß die Juden ein Hindernis zu ihrer eigene Auserwähltheit darstellen. Die Nazis hassten die Juden somit nicht als Rasse (ein Volk mit diesen und jenen biologischen und physiologischen Eigenschaften), sondern als eine Nation, die nach ihrer Sichtweise die Verkörperung einer gewissen Idee darstellen. Die Nazis scheiterten also an der Unterscheidung zwischen den Juden als Rasse und der jüdischen Nation. Tatsächlich waren sie keine Rassisten, sie waren Nazis, was bedeutet, daß sie sich aus ihrer eigenen Nation einen Götzen machten. Ja, sie sprachen über die arische Rasse als Gegensatz zu anderen Rassen, besonders der jüdischen. Ihre Ideologie basierte jedoch auf dem Nationalsozialismus. Sie versuchten Rasse von Nation zu trennen und scheiterten daran.

Es gibt jedoch eine andere Art von Antisemitismus, den sogenannten christlichen Antisemitismus. Er besteht im Hass gegenüber den Juden als dem Volk, das daran scheiterte Christus anzunehmen und Ihn kreuzigten. Anders gesagt werden in diesem Fall die Juden gehasst auf der Grundlage einer negativen Haltung ihrem religiösen Glauben gegenüber. Hier ist es aber wiederum kein Hass den Juden gegenüber als Rasse, sondern die Rasse in einer gedanklichen Verquickung der sogenannten Antisemiten mit irgendetwas Religiösem.

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Die jüdische Frage in der orthodoxen Kirche

Oktober 21, 2012

Übersetzung von
The Jewish Question In The Russian Orthodox Church
von Gregor Benewitsch

Kapitel 3

Um zur Folgerung meines Vortrages zu kommen, will ich nun das schwierigste Problem der Quelle des Antisemitismus berühren. Die Hauptlehre, die die nicht-orthodoxe Christenheit aus Auschwitz gezogen hat, war daß der Antisemitismus vom Antijudaismus nicht zu trennen ist und seine Wurzeln darin hat. Theologen wie Jürgen Moltmann versuchen daher zu einer positiven Deutung des Judentums zu kommen. Hier ist zu erwähnen, daß das Judentum selbst in diese Richtung argumentiert. Nach Rabbi Schmuel Boteach, einem der führenden chassidischen Denker, sagt “der Talmud, daß der Grund für den Antisemitismus am Sinai begann … . Am Sinai … gab der Allmächtige … dem jüdischen Volk das wesentliche Gesetz, das es in eine moralische Nation verwandelte”. Aber, fügt Rabbi Schmuel hinzu, das war nicht genug, “die Juden wurden auch damit beauftragt, diese neue Botschaft unter allen Völkern der Welt zu verbreiten. In ihrer Eigenschaft als ‘Licht der Nationen’, waren sie verantwortlich für die Verbreitung der von Gott gegebenen Ethik zu allen Enden der Welt. Aus einer anderen Perspektive betrachtet wurden sie als Ärgernis für die Völker gesehen, deren Wunsch in der Dominierung derjenigen bestand, die schwächer als sie selbst waren. So begann der Hass gegenüber den Juden, deren prinzipielle Existenzberechtigung darin bestand, das Wissen über Gott … der Welt näher zu bringen.” (Moses of Oxford, Andre Deutsch, London 1994 v.2 p 661).

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Auf dem Weg zu einer Theologie nach dem Gulag

Oktober 19, 2012

Übersetzung von
The Jewish Question In The Russian Orthodox Church
von Gregor Benewitsch

Kapitel 2

Jürgen Moltmann, den ich schon mehrere Male zitiert habe, weil er der Führer der protestantischen Theologie nach Auschwitz ist, sagte 1978: “Der Bau einer Brücke vom jüdischen zum heidnischen Ufer und zurück kann gewiss nur eine Erfahrung gemeinsamen Leidens bedeuten … Es ist vorstellbar, und ich erwarte es, daß Juden und Christen eines Tages gemeinsam Verfolgung zu erdulden haben und dann die erlösende Liebe Gottes entdecken, die sie auf einer tiefgreifenden Ebene verbindet. Es ist seltsam genug, wenngleich verstehbar, daß dieser berühmte deutsche Theologe eine solche gemeinsame Verfolgung von Christen und Juden übersieht, die im 20. Jahrhundert bereits in Russland geschah. Was folgt, wie es auch schon gesagt wurde, sind nichts als die Ergebnisse von Analysen dieser geschichtlichen Erfahrung.

Zur Betrachtung meines Themas aus einem anderen Blickwinkel möchte ich einige geschichtliche und psychologische Aspekte des Problems des Antisemitismus in der Russisch-Orthodoxen Kirche aufgreifen, diesmal im Kontext der weltweiten ökumenischen Bewegung.

Ein wichtiges thema für die westliche ökumenische Bewegung ist die Beziehung zwischen Christen und Juden. Ein Aspekt dieser Beziehung und des Dialogs der sich daraus ergeben soll, ist die Theologie nach Auschwitz, die von vielen Christen im Westen als eine Form der Wiedergutmachung für “christliche Schuld” bearbeitet und verstanden wird.

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