Archiv für Januar 2011

Mohammed el-Baradei zum politischen Islam

Januar 28, 2011

Einen Tag bevor der langjährige Generaldirektor der Internationalen Atomenergieorganisation (IAEO) und Friedensnobelpreistäger Mohammed el-Baradei gestern den ägyptischen Staatspräsidenten Husni Mubarak zum Rücktritt aufforderte und nach Ägypten zurückflog, hatte er einen Artikel für die Newsweek verfasst, in der er US-Aussenministerin Hillary Clinton schwere Vorwürfe wegen deren zu zurückhaltender Kritik am Verlauf der ägyptischen Parlamentswahlen im November 2010 machte.

Mohammed El-Baradei

Mohammed El-Baradei

Auch zum politischen Islam äußerte sich el-Baradei in diesem Artikel:

Sie im Westen haben sich natürlich der Idee verschrieben, daß es in der arabischen Welt nur die Wahl zwischen autoritären Regimen und islamistischen Dschihadisten gibt. Das ist offensichtlich fingiert. Es gibt, wenn wir über Ägypten sprechen, die ganze Palette, so breit wie der Regenbogen, von Leuten, die säkular, liberal, markt-orientiert sind, und wenn Sie diesen Leuten eine Chance geben, dann werden die sich selbst organisieren, um eine Regierung zu wählen, die modern und moderat ist. Sie brennen nur so darauf, mit dem Rest der Welt gleichzuziehen.

Sie sollten mal ein wenig genauer hinsehen, anstatt den politischen Islam andauernd mit al-Qaida gleichzusetzen. Geschichtlich gesehen wurde der Islam 20 oder 30 Jahre nach dem Propheten gekapert und in einer Weise interpretiert, daß dem Herrscher absolute Macht zukommt und er nur Gott gegenüber rechenschaftspflichtig ist. Für den Herrscher, wer immer auch das ist, ist das natürlich eine sehr bequeme Interpretation. Es ist gerade mal ein paar Wochen her, daß der Führer einer Gruppe ultra-konservativer ägyptischer Muslime eine Fatwa, einen religiösen Erlass, herausgegeben hat, in dem ich zur “Busse” für das Anstiften der öffentlichen Opposition gegen Präsident Hosni Mubarak aufgerufen wurde, und erklärt wurde, daß der Herrscher das Recht hat mich zu töten, wenn ich nicht davon ablasse. Es sind Sachen dieser Art, die uns ins Mittelalter führen. Aber war auch nur ein einziges Wort des Protestes oder der Zurückweisung von der ägyptischen Regierung zu hören? Nein.

Zur Mehrdeutigkeit des Begriffs der “Hochzeitsfeier”

Januar 26, 2011

Gemäß dieser Zusammenfassung einer Fernsehsendung auf Al Jazeera am 23. Mai 2001  spricht man unter islamischen Fundamentaliten bei Selbstmordattentaten offenbar von einer “Hochzeitsfeier”. Der als PLO-Mufti bekannte Nader Tamimi sagte in dieser Sendung:

“Those who ruled that the martyrdom operations are suicide have gone against the word of Allah… wedding ceremonies in Palestine go straight from the ground to Heaven. Every day there are hundreds of such ceremonies [note: according to Islamic theology, a martyr is rewarded among other rewards with 72 brides in Heaven].”

“Diejenigen [islamischen Gelehrten], die sagen, daß Märtyreroperationen als Selbstmord gegen das Wort von Allah verstoßen … die Hochzeitsfeiern in Palästina gehen von Boden direkt in den Himmel. Jeden Tag gibt es hunderte solcher Feiern [Anm.: gemäß islamischer Theologie wird ein Märtyrer unter anderem mit 72 Jungfrauen im Himmel belohnt.]“

Ein Grund skeptisch zu sein, wenn das nächste mal von einer “Hochzeitsgesellschaft” die Rede ist, die bombardiert worden sein soll. Wenigstens der Name der Braut und des Bräutigams sollte bekannt sein, bevor man wirklich an eine Hochzeitsgesellschaft glaubt. Bei so einer Gesellschaft könnte sich nämlich ebenso gut um eine Gruppe von Terroristen handeln, die zum Zeitpunkt ihres Dahinscheides “Hochzeit” mit den berühmten 72 Jungfrauen “feierten”.

Ungarn: Falschdarstellungen werden immer mehr

Januar 22, 2011

Die Falschdarstellungen in den bundesdeutschen Qualitätsmedien zum ungarischen Mediengesetz werden immer mehr. Jetzt gibt auch noch die FAZ die Rede von Viktor Orbán in Brüssel falsch wieder!

Der ungarische Ministerpräsident Viktor Orban bei seiner Rede in Brüssel

Der ungarische Ministerpräsident Viktor Orban bei seiner Rede in Brüssel

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Russland: Debatte um nationale Kleiderordnung

Januar 19, 2011

Moskau: Mit ihrer gerne figurbetonten Kleidung und großzügigem Make-up gebärden sich russische Frauen nach Ansicht eines Kirchenmannes, als seien sie Stripperinnen. Es gebe ein Problem mit “Leuten, die die Straße für einen Striptease halten”, erklärte Wsewolod Tschaplin von der russisch-orthodoxen Kirche (ROK) am Dienstag laut der Nachrichtenagentur Interfax. Frauen, die “fast nichts anhaben oder wie ein Clown herumlaufen (…), werden sicherlich keinen Mann als Lebenspartner finden, der auch nur ansatzweise Verstand oder Selbstachtung hat”, fügte der für die Beziehungen zwischen der Kirche und Gesellschaft zuständige Vertreter hinzu. In seinem offenen Brief forderte Tschaplin eine nationale Kleiderordnung nach dem Vorbild von Büros und Schulen.

Wsewolod Tschaplin (Russisch-Orthodoxe Kirche)

Wsewolod Tschaplin (Russisch-Orthodoxe Kirche)

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Tunesien: Ratschläge von Ratlosen

Januar 16, 2011

Seit der überstürzten Ausreise des langjährigen tunesischen Präsidenten Zine al-Abidine Ben Ali überstürzen sich Medien und Politiker mit Ratschlägen: Bundeskanzlerin Angela Merkel fordert Übergangspräsident Fouad Mbazaa auf, auf die protestierenden Menschen zuzugehen und “wirkliche Demokratie” einzuführen. Der ehemalige EU-Kommissar und jetzige italienische Außenminister Franco Frattini will Tunesien “näher an die EU angerückt” sehen und schlägt vor, “Jugendlichen aus Ländern wie Tunesien Aufenthalte in EU-Ländern zu ermöglichen”.

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Das Autorennen der Moskauer Moscheegegner

Januar 16, 2011

Eine Aktion der Moskauer, die lieber einen Park statt einer Moschee haben wollen, von Ende November 2010 kann man in diesem Video sehen:

Man hat eine Kolonne von Autos mit Fahnen und Aufklebern ausgerüstet und ist dann an der Stelle entlanggefahren, an der die Stadtverwaltung die Moschee hinbauen wollte. Auf die Weise wurde auch auf das bereits jetzt schon sehr hohe Verkehrsaufkommen hingewiesen.

Die Organisatoren betonen, daß sie nicht gegen den Islam sind, sondern nur gegen die Moschee. Sie sagen, daß sie auf diesem Grundstück am Wolga-Boulevard auch keine orthodoxe Kirche und keine Einkaufzentrum haben wollen.

Tunesien: Wer ist dieser Rachid al-Ghannouchi?

Januar 16, 2011

Nach dem Sturz des tunesischen Präsidenten Ben Ali kündigte der in London im Exil lebende Führer der verbotenen islamistischen Nahda-Bewegung Rachid al-Ghannouchi an, daß er sich auf seine Rückkehr vorbereite und gewillt sei, sich an der von Fouad Mebazaâ vorgeschlagenen Übergangsregierung “der nationalen Einheit” zu beteiligen.

Rashid Al-Ghannoshi

Rashid Al-Ghannoshi

Wer ist dieser Rachid al-Ghannouchi?

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